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Es gibt erhebliche Bedenken gegen die Idee, Wallauer Kindergartenkinder mit dem Bus in eine Behelfseinrichtung nach Marxheim zu fahren. (Symbolbild)

Soziales

Statt Bustransfer: Kindergartenkinder sollen in einem Wohnhaus unterkommen

Es gibt erhebliche Bedenken gegen die Idee, Wallauer Kindergartenkinder mit dem Bus in eine Behelfseinrichtung nach Marxheim zu fahren. Aber vom Tisch ist der Plan nicht.

Hofheim/Wallau - In der Stadtverordnetenversammlung herrschte am Mittwochabend ein solches Durcheinander, dass später nicht mehr alle Beteiligten wussten, was genau sie nun beschlossen hatten. Auch für die Eltern der Wallauer Kindergartenkinder im Publikum war das kaum zu überblicken. Im Ortsbeirat ging es eindeutiger zu. Alle neun Stadtteilparlamentarier stimmten gegen den Plan, Wallauer Kinder mit einem Bus in einen provisorischen Containerkindergarten in Marxheim zu fahren.

Vom Tisch ist die Idee aber keineswegs. Priorität hat für die Stadtverordnetenversammlung, eine Wohnung oder ein Haus in Wallau anzumieten und dort einen provisorischen Kindergarten unterzubringen. Entsprechende Räume sind der Stadt in den letzten Tagen angeboten worden - ob sie sich eignen und ob es dafür eine Betriebserlaubnis gibt, steht noch nicht fest.

Wenn daraus nichts wird, soll ein provisorischer Containerkindergarten auf dem Gelände der alten Ländcheshalle gebaut werden. Der Ortsbeirat hätte stattdessen dem Kindertransport nach Marxheim den Vorzug gegeben. So richtig stark machen wollte sich angesichts der Elternproteste vor der Sitzung in der Stadtverordneten keiner mehr für den Bustransfer.

Bus wäre billiger

Immerhin wies FWG-Fraktionschef Andreas Nickel darauf hin, dass die Marxheimer Lösung 300 000 Euro billiger ist und dass die Container dort schon stehen. Zurzeit ist dort der Bonifatius-Kindergarten untergebracht, der aber demnächst in seinen Neubau einziehen kann. Container in Wallau müssten erst aufgestellt werden, wofür man eine Baugenehmigung braucht.

Dafür würde man den Kindern den Bustransfer ersparen. Schon im Sozialausschuss und dann im Ortsbeirat, aber auch vonseiten der Eltern wurde erklärt, dies sei den Kindern nicht zuzumuten. Der Hinweis von Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) verfing nicht, in ländlichen Gebieten seien Kindergarten-Busse ein verbreitetes Modell. "Es gibt hier keine ausgeprägte Resonanz für dieses Modell", stellte sie mit Blick auf Wallau fest.

Wo auch immer ein Behelfskindergarten eingerichtet wird - ein Träger muss her. Die Linke beantragte, dass die Stadt die Einrichtung selbst betreiben solle, auch weil man dann gleich mit der Suche nach Personal beginnen könne. Ein anderer Träger dagegen kann nur auf dem Wege einer Ausschreibung gesucht werden. Freilich tut sich die Koalition schwer damit, Anträgen der Linken zuzustimmen. So wurde in einer Sitzungsunterbrechung die Formulierung ausgetüftelt, die Stadt solle bei der Trägerschaft die schnellste Lösung umsetzen. Im Ergebnis wird es wohl auf den Vorschlag der Linken hinauslaufen. Werden weitere Entscheidungen notwendig, kommt es in der Sommerpause zu einer Sondersitzung des Finanzausschusses.

Dauerlösung

Koalitionsinternen Streit gab es darüber, ob es zu der aktuellen Notsituation überhaupt hätte kommen müssen. Der Magistrat, die Verwaltung, der Ortsbeirat, aber auch die Stadtverordneten hätten anhand des Kindergartenentwicklungsplanes das Problem erkennen können, schimpfte der CDU-Stadtverordnete Sebastian Exner. Bürgermeisterin Stang wies dies unter Hinweis auf verschiedene Unwägbarkeiten zurück. Es gebe keine zentrale Anmeldung für alle Kindertagesstätten, gerade aus Wallau würden viele Kinder auswärts betreut. "Dass es tatsächlich mehr als knapp werden könnte, war lange nicht zu erkennen." Ganz ausgeräumt sind die Fragezeichen übrigens auch noch nicht, wenn es um eine Dauerlösung für Wallau geht. Im Stadtparlament gibt es eine große Mehrheit dafür, eine neue Kindertagesstätte auf dem Gelände des Ikea-Parkplatzes zwischen Kleingartenanlage und Umgehung zu bauen. Allerdings fehlt die Zustimmung der Ikea-Zentrale, das Gelände herzugeben.

Im Ortsbeirat plädierte die Wählergemeinschaft Wallau dafür, einen neuen Kindergarten auf dem Grundstück der Ländcheshalle zu bauen. Die Mehrheit lehnte dies aber ab - weil es bis zur Neubebauung dieses Geländes wohl noch Jahre dauern wird, weil der Platz dort vor allem für Wohnungsbau genutzt werden soll, und weil es bereits ganz in der Nähe weitere Betreuungseinrichtungen gibt und eine bessere Verteilung im Ort angestrebt wird. Unabhängig davon soll die bestehende Einrichtung in der Rüdesheimer Straße erweitert werden.

VON MANFRED BECHT

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