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Main-Taunus-Kreis schließt Flüchtlingsunterkunft

35 Menschen müssen raus

Bauschäden und Schimmel: Kreis macht Flüchtlingsunterkunft in Hofheim dicht

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Der Main-Taunus-Kreis ist vorzeitig aus dem Mietvertrag für die größere der beiden Gemeinschaftsunterkünfte im alten Marxheim ausgestiegen. Die 35 Bewohner werden in der kommenden Woche ausziehen. Für einige Menschen mit Bleiberecht wird noch Wohnraum gesucht.

Die größere der beiden Flüchtlingsunterkünfte in der Schulstraße wird aufgelöst. Das bestätigte Kreissprecher Johannes Latsch dem Kreisblatt gestern auf Anfrage. Der Ortsbeirat hatte schon im vergangenen Jahr wissen wollen, wie es um die Räume in dem ehemaligen Hotel bestellt sei. „Sie sollen nicht im besten Zustand gewesen sein“, sagt Ortsvorsteher Günter Westenberger. 

Die Unterkunft war Anfang 2015 vom Kreis auf dem Höhepunkt der Flüchtlings-„Welle“ angemietet und für ihre neue Bestimmung umgebaut worden. Gedacht war sie für die Unterbringung von bis zu 70 Personen. Laut Kreissprecher Latsch wurde mit dem Eigentümer, einer Neu-Isenburger Vermögensverwaltung, ein Mietvertrag über sechs Jahre abgeschlossen. Dieser habe jetzt vorzeitig aufgelöst werden können.

Flüchtlingsheim in der Schulstraße: Bauschäden und Schimmel

Was der Ortsbeirat über den Zustand des Gebäudes gemutmaßt hatte, bestätigt Latsch: „Die Qualität des Gebäudes lässt zu wünschen übrig, es gab immer wieder Bauschäden und auch Schimmel.“ Weil dem Kreis der Aufwand zu hoch geworden sei, „das Haus in Schuss zu halten“, so Latsch, hätten Kreis und Vermieter vereinbart, den Vertrag vorzeitig aufzulösen. Im Ort gibt es Mutmaßungen, dass dies den Kreis eine ordentliche Stange Geld gekostet haben dürfte.

Während die Unterkunft in Hofheim Marxheim geräumt wird, ist die Unterkunft in Harheim Ende Januar fertig  geworden. Wie die Agentur für Arbeit mitteilt, hat jeder vierte Geflüchtete einen Job.

Die Folge für die verbliebenen 35 Bewohner: Sie müssen Mitte dieses Monats ausziehen. Für die weitere Unterbringung von 21 Menschen, die noch als Asylbewerber hier leben, ist weiter der Kreis zuständig.

„Sie ziehen in Unterkünfte in Hofheim, Kelkheim, Sulzbach, Hattersheim und Flörsheim um“, so Kreissprecher Latsch. Berücksichtigt worden seien bei der Wahl des neuen Wohnorts Punkte wie die Erreichbarkeit der Arbeitsstelle, aber auch die ethnische Herkunft.

Die übrigen 14 Bewohner des früheren Hotels haben mittlerweile ein Bleiberecht. Das heißt, sie sind berechtigt, sich eine Wohnung auf dem freien Markt zu suchen. Kein leichtes Unterfangen. Für einige habe die Stadt Hofheim aber bereits Wohnungen gefunden, weiß Johannes Latsch. In Weilbach und Wallau sollen zwei Familien untergekommen sein. „Die anderen werden von der Stadt selbst untergebracht, falls sie obdachlos werden“, weist der Kreissprecher auf die Verpflichtung der Kommunen hin, Menschen ohne Dach über dem Kopf ein solches zu verschaffen. Sie wurden dazu bisher in Notunterkünfte, zumeist leerstehende Wohnungen der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft, eingewiesen.

Der Stadt Hofheim war gestern keine Auskunft über den aktuellen Sachstand möglich. Alle zuständigen Fachleute seien nicht erreichbar, musste die Rathaussprecherin Iris Bernardelli bedauern.

Sanierung des Gebäudes wird teuer: Kreis will dafür nicht aufkommen

Was mit dem Gebäude, das in der kommenden Woche geräumt wird, dann passiert, auch darüber wird in Marxheim schon viel spekuliert. In der jüngsten Ortsbeiratssitzung hatte es laut Westenberger keine Informationen zur Räumung der Unterkunft und möglichen Plänen des Inhabers gegeben. Wieder ein Hotel oder eine Art Handwerker-Unterkunft seien hier geplant, wird in Marxheim gemunkelt.

Auch für die zweite Flüchtlingsunterkunft in der Schulstraße wird es auf Dauer eine andere Nutzung geben. Der Kreis hat der Marxheimer Schule in Aussicht gestellt, dass das Gebäude in seiner direkten Nachbarschaft für die dringend nötige Erweiterung der Raumkapazitäten vorgesehen ist. Die Betreuung an der Grundschule platzt schon lange aus allen Nähten und auch für die Aufnahme in den „Pakt für den Nachmittag“ ist mehr Raum erforderlich.

Auf die Frage nach den aktuellen Flüchtlingszahlen im Kreis gab es übrigens noch keine Auskunft im Landratsamt. Sprecher Johannes Latsch verwies auf ein Pressegespräch, das für die kommende Woche geplant sei.

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