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Friseurin Lena Hönig (links) macht der 14 Jahre alten Annika aus Frankfurt eine römische Flechtfrisur. Auch ihre Kollegin Jessica Herden hat eine junge ?Kundin?.

25-jähriges Bestehen

Hofheimer Stadtmuseum feiert Geburtstag

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Zwei Puppen stimmten bei der Jubiläumsfeier ein Loblied an und für die Besucher gab es mehr als eine antike Flechtfrisur. Die Museumschefin plant indes bereits die nächste Ausstellung.

„Wir Hofheimer sind stolz auf unser Museum. Es hat ein internationales Niveau“, schwärmten die Handpuppen „Hessenbub“ und „Feine“. Das Foyer des Ausstellungsgebäudes wurde gestern kurzzeitig zum Puppentheater. Die Figuren saßen auf einem schwarzen Vorhang und sangen ein Loblied auf das Hofheimer Stadtmuseum. „Für mich ist unser Museum ein Traumschiff“, erklärte der „Hessenbub“. Und Leiterin Dr. Eva Scheid sei der Kapitän auf der Kommandobrücke.

Die Frau, die den kleinen Püppchen ihre Stimme lieh, wusste, wovon sie sprach: Puppenspielerin und Märchenerzählerin Renate Schenk ist seit den Anfängen vor 25 Jahren beim Museum angestellt. Bis heute empfängt sie Besucher an der Infotheke im Eingangsbereich. „Ihr Besucher seid unser‘ Goldstückscher“, ließ sie ihre Figuren über dem Vorhang verkünden.

Gestern fanden so einige „Goldstückscher“ den Weg ins Museum – Chefin Eva Scheid durfte sich über einen regelrechten Besucher-Schatz freuen. Die Geburtstagsfeier der Ausstellungen lockte mit freiem Eintritt und zahlreichen Aktivitäten, so dass auch neue Gäste die Gunst der Stunde nutzten.

Die Kriftelerin Susanne Miehe betrat mit ihren beiden Kindern erstmals das Museum in der benachbarten Kreisstadt. „Wir haben das Jubiläum zum Anlass genommen“, erzählte die Mutter im Gespräch mit dem Kreisblatt. Sie wolle sich einfach mal einen Überblick über das Angebot verschaffen. Interesse weckte bei der Kriftelerin auch die Ausstellung „Malgründe“ mit Werken von 28 Künstlern. „Mir war gar nicht bewusst, dass das Museum so gut vernetzt ist“, staunte Susanne Miehe.

Ihre Kinder beschäftigten sich derweil mit einer Malaktion im Foyer, wo sich die jüngsten Besucher mit Porträts auf einer Litfaßsäule verewigen durften. Ein Gegenentwurf zur heutigen Selfie-Kultur mit Fotos. „Selfies mit dem Handy sind ja sehr in“, erklärte Mitarbeiterin Petra Lorenz, die das Projekt betreute.

Der Museumsbesuch bot gestern mehrere ungewöhnliche Stationen: So konnten sich die Besucher nicht nur im Obergeschoss über römische Kastelle und Handwerksgeräte informieren. Sie bekamen auch die Gelegenheit, selbst wie römische Adelige auszusehen. Wer 20 bis 30 Minuten stillsitzen konnte, durfte sich über eine antike Flechtfrisur freuen. Die 14 Jahre alte Annika Wehrum aus Dreieich bewies Sitzfleisch, während Friseurin Lena Hönig aus Nürnberg wickelte und drehte. Die Fachfrau steckte das dunkle Haar zu einem geflochtenen Kranz zusammen, an dessen Seiten Locken und Wellen auf die Schultern fielen.

Was Jessica Herden so einfach mit dem Lockenstab zauberte, war im alten Rom ein etwas riskanteres Unterfangen: Früher habe man mit einem Eisen gearbeitet, das über dem Feuer erhitzt wurde, wusste die Friseurin. Bis zur nächsten Haarwäsche darf sich Annika nun über ihren römischen Kopfschmuck freuen. „Gut, dass ich gerade erst die Haare gewaschen habe“, sagte die junge Besucherin, die mit dem Ergebnis zufrieden war.

Ebenfalls mit Bezug zu Ausstellungsinhalten war das Mitmach-Angebot der Kreativwerkstatt im Museumskeller: Pädagogin Mary Zischg gab Kindern erste Einblicke in die Lederbearbeitung. Zusammen mit den Knirpsen fertigte sie praktische kleine Taschen an, in denen ein Ausweis oder die Zugfahrkarte Platz finden. Zwischen Lorsbach und Eppstein habe es früher einmal 15 Lederfabriken gegeben, erinnerte Mary Zischg an die Historie. „Leder war hier Tradition.“

Für Museumsleiterin Eva Scheid, die die Einrichtung vor 25 Jahren konzipierte, war die Geburtstagsfeier ein besonderer Tag. „Als ich hier herkam, war das eine Baugrube“, erinnerte sie sich. Heute koordiniert sie ein reges Ausstellungs- und Veranstaltungsangebot. Das Museum sei immer im Wandel.

Als nächstes Projekt – für das kommende Frühjahr – ist die interaktive Ausstellung „Erzähl’ mir was vom Tod“ geplant, die Kindern das Thema Vergänglichkeit näher bringen soll. Vielleicht kommen dann auch ein paar Besucher, die das Museum erst gestern kennengelernt haben.

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