In der Tschechoslowakei wurde er geboren, in Frankfurt ist er aufgewachsen, und heute lebt Paul Laslop mit seiner Familie in Steinbach.
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In der Tschechoslowakei wurde er geboren, in Frankfurt ist er aufgewachsen, und heute lebt Paul Laslop mit seiner Familie in Steinbach.

Bundestagswahl

"Ich bin ein Arbeiterkind"

  • VonBarbara Schmidt
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Drei Frauen und fünf Männer bewerben sich um das Direktmandat im Wahlkreis 181, zu dem neben dem Main-Taunus-Kreis noch die Hochtaunus-Kommunen Königstein, Kronberg und Steinbach zählen. Das Kreisblatt stellt sie vor. Heute der Kandidat der Linken, Paul Laslop.

Main-Taunus. -"Ich bin ein Kämpfer", begründet Paul Laslop seine Kandidatur für ein Direkt-Mandat im Wahlkreis 181. Einfach nur anderen das Feld überlassen, das kommt für das noch recht junge Mitglied der Linken aus Steinbach nicht in Frage. So hat der 55-Jährige nach der Anfrage von Thomas Völker, dem Vorsitzenden der Linken im Main-Taunus, nicht lange überlegt und sich für die Kandidatur zur Verfügung gestellt.

Im Vorfeld der heißen Wahlkampfphase bekommt Laslop nun langsam eine Ahnung, was er da an Belastung auf sich geladen hat, denn der Polit-Neuling ist erst im April in den Kreistag nachgerückt und im Juni auch noch als Nachfolger von Hermann Schaus MdL Vorsitzender der Hochtaunus-Linken geworden. Da müsse er natürlich zusätzlich den Wahlkampf von André Pabst, dem Direktkandidaten im Hochtaunus-Wahlkreis 176, organisieren, sagt Laslop. Die Folge: "Mein Terminkalender ist voll", sagt der Steinbacher, der für den Bundestagswahlkampf auch Urlaubstage einsetzen wird.

Dass er "kein Berufspolitiker" sei, anders als immerhin drei seiner acht Mitbewerber, hält der gelernte Koch aber eher für einen Vorteil. So sei er näher dran an den Menschen. Sich für andere einzusetzen, das ist für ihn zudem kein Neuland, denn Laslop macht sich schon viele Jahre als Betriebsrat für seine Kollegen stark. Mit ihnen hat er lange bei der Lufthansa Service GmbH gearbeitet, bis der Kampf um einen Verbleib im Konzern verloren ging. 2019 übernahm die Gategroup Holding, ein auf Bordverpflegung in Flugzeugen spezialisiertes, weltweit agierendes Unternehmen. "Vor dem Verkauf hatten wir 2400 Beschäftigte, jetzt sind es noch 1750", sagt Laslop, der seit 2006 Betriebsratsmitglied ist und seit 2008 als freigestellter Betriebsrat arbeitet. Seit 2020 ist der Vater von zwei erwachsenen Töchter, der auch schon ein Enkelkind hat, zudem Schwerbehinderten-Vertrauensmann in seinem Unternehmen.

"Ein Arbeiterkind" sei er, sagt der Sohn eines Bergmanns, der in der Tschechoslowakei (heute Tschechien) unweit der deutschen Grenze geboren wurde. 1968 siedelte die Familie nach Deutschland über. In Frankfurt ist Paul Laslop aufgewachsen, hat zunächst in Heddernheim dann bis 1990 in Hausen gelebt. Seit 1990 wohnt er mit seiner Familie in Steinbach, dessen verkehrsgünstige Lage er genauso schätzt wie die Nähe zur Natur, die er gern schon frühmorgens um fünf bei einem Spaziergang um den Ort genießt, bevor er sich auf den Weg zur Arbeit macht.

Für das Parteibuch der Linken hat sich Laslop entschieden, weil er "etwas zurückgeben" wollte. Als Betriebsrat habe er über Jahre die Erfahrung gemacht, dass es die Linke sei, die sich tatsächlich kümmere und immer wieder nachfrage und Unterstützung anbiete. Von der SPD ist der Steinbacher, dem Solidarität und Ehrlichkeit wichtig sind, in dieser Hinsicht dagegen komplett enttäuscht.

Zu einem guten Leben gehört für den Linken eine Arbeit, von der sich Menschen ernähren und sich auch mal einen Urlaub gönnen können, dazu. "Und auch eine gute Rente", sagt der Koch, der während seiner Ausbildung mal den Frankfurter Back-Wettbewerb gewann und bei einem Stück Kuchen übrigens auch heute noch schwach wird.

Dass ihm ein Sieg auch bei der Direktwahl gelingt, ist hochunwahrscheinlich. Der Wahlkreis 181 gilt als "schwarze Bank". Laslops Platz 12 auf der Landesliste der Linken, die von der Bundesvorsitzenden Janine Wissler angeführt wird, wird aller Wahrscheinlichkeit nach für den Sprung in den nächsten Deutschen Bundestag auch nicht reichen. Wenn er drin säße, würde Paul Laslop sich aber für "gute Jobs und faire Löhne" einsetzen wollen. Auch, weil er den Gewerkschaften in dieser Hinsicht nicht mehr viel zutraut. Bei Verdi sei er mittlerweile ein "sehr kritisches Mitglied", denn er finde, "es wird Zeit, dass sie auch mal wieder mobilisieren und nicht immer nur Zugeständnisse machen." Das generell wichtigste Thema für die Bundespolitik in den nächsten vier Jahren ist für den Linken der Klimawandel. Der Blick auf die Taunusberge und ihre "Wunden" durch Trockenzeiten und Borkenkäferbefall macht den 55-Jährigen traurig. Und motiviert ihn zugleich, sich politisch zu engagieren. Im Kreistag in jedem Fall. Und auch im Bundestagswahlkampf, in dem er zumindest eines will: "Flagge zeigen - darum geht's."

Extra: So will Paul Laslop Wahlkampf machen

"Vor die Betriebe gehen", nennt Paul Laslop als wichtigstes Vorhaben für seinen persönlichen Bundestags-Wahlkampf. Welche Unternehmen genau es sein werden, stehe aber noch nicht fest. Hier setzt der Steinbacher auf Unterstützung der Main-Taunus-Linken, die sich in diesem Teil des Wahlkreises einfach besser auskenne. Um Wähler zu erreichen, sich bekannt zu machen und Menschen davon zu überzeugen, dass sie ihm ihre Stimme geben, setzt Paul Laslop zudem auf Info-Stände auf belebten Plätzen in möglichst allen 15 Kommunen im Wahlkreis. Einen Flyer wird es bis zum Straßenwahlkampf auch geben - und Plakate mit seinem Konterfei. "Das wichtigste aber sind die Betriebe", bekräftigt der Linke. babs

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