Denk-Labor von Anwohnern

Ideen gegen den Verkehrsinfarkt in der Höchster Altstadt

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Trotz aller Spannungen ging es beim „Runden Tisch“ zur Verkehrsproblematik in der Höchster Altstadt recht gesittet zu. Die meisten Anwohner haben begriffen: Eine Patentlösung gibt es nicht; es werden Ideen gesucht.

Die zum Teil heftig geführten Diskussionen um den Poller in der Storchgasse haben in den letzten Sitzungen des Ortsbeirats gezeigt, wie eine einzige kleine Veränderung im fragilen Gefüge der Verkehrsführung in der Höchster Innenstadt, zwischen Bahndamm und Main, zwischen Leunastraße und Scriba-Dreieck, zur Eskalation eines lange schwelenden Konflikts führen kann: Anwohner aus der Bolongarostraße und Seitengassen beschwerten sich darüber, nun den viel weiteren Weg um das Scriba-Dreieck fahren zu müssen, um in Richtung Osten – etwa zum Leunakreisel – zu kommen. Das dauere, etwa in Zeiten großer Verkehrsbelastung, bis zu 40 Minuten; Mitschuld hat daran die ohnehin durch die Großbaustelle am Bahnhofsvorplatz angespannte Situation, die Staus provoziert.

Ein Teil der Anwohner kämpfte für den Poller, um den Durchgangsverkehr und damit hauptsächlich gegen die Regeln verstoßende Autofahrer aus ihrer Gasse herauszuhalten; andere Anwohner hingegen sind von Autofahrern, die das Sackgassenschild ignorieren und dann vor dem Poller wenden, genervt und verweisen zudem darauf, dass manche Rettungsfahrzeugbesatzungen keinen Schlüssel für den Poller haben oder der gar – wieder von mutwilligen Regel-Ignoranten – zugeparkt wird; es müsse mehr kontrolliert werden.

Die Mitglieder des Ortsbeirats 6, die in den vergangenen Monaten in der Schusslinie standen, weil sie erst den Poller beschlossen und dann ob der Kritik für seinen Abbau stimmten, beriefen kurzerhand einen „Runden Tisch“ im Foyer des Neuen Theaters ein: Es sollte nicht nur um den berühmten Poller, sondern um die Verkehrsgestaltung für den kompletten Innenstadtbereich gehen. Unter Gesprächsführung von Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU) und den Ortsbeiräten Alexander Schott (SPD) und Uwe Eisenmann (parteilos) wurden in drei Gruppen Ideen gesammelt. In einer ging es vorrangig um Maßnahmen für die Storchgasse; hier kristallisierte sich eine Mehrheit dafür heraus, den Poller wegzunehmen, die Storchgasse aber durch eine Reihe von bremsenden Maßnahmen wie Blumenkübel und Parkplätze zu beruhigen. Allerdings warnte ein Vertreter der FES, dass die Müllabfuhr, aber auch die Feuerwehr durchkommen müsse.

Eine Gruppe, die mittelfristige Lösungsvorschläge erarbeitete, ist dafür, zur Verkehrsberuhigung der Höchster Innenstadt gebührenpflichtiges Anwohnerparken einzuführen, Zufahrten aufzupflastern, das Parkleitsystem zu verbessern (für die Parkhäuser an der Emmerich-Josef-Straße und am Gleisdreieck), die Süwag-Parkplätze am Wochenende zu öffnen und am Dalbergkreisel für besseren Verkehrsfluss wieder Ampeln zu installieren. Kontrovers diskutiert wurde über die Ideen, die Fußgängerzone zur Durchfahrt in Richtung Norden zu öffnen, die Fahrtrichtung der Kasinostraße zu drehen oder auf der Zuckschwerdtstraße zwischen Bolongaro- und Ludwig-Scriba-Straße Gegenverkehr zuzulassen.

Den Befürwortern der Öffnung der Fußgängerzone ist selbst klar, dass diese Idee bei den dortigen Anwohnern oder Geschäftsleuten auf Widerstand stoßen wird. Allerdings: Schon heute fahren, gerade in den Abendstunden, ständig Autos in die Fußgängerzone ein: „Der Rewe ist ein Drive-in“, kritisierte etwa Bernd Scheu: „Das Flair dieser Straße ist mehr als beschämend.“

Die Gruppe, die nach langfristigen Ideen suchte, forderte, den Verkehr in Richtung Frankfurt über die Leunabrücke um Höchst herumzuleiten und durch Bolongaro- und Emmerich-Josef-Straße keine Langbusse mehr, sondern kurze Ringbuslinien fahren zu lassen, die am neuen Busbahnhof beziehungsweise an der Zuckschwerdtstraße verbunden werden. „Die Busse sind meistens halbleer“, sagte Anwohner Alf Steinebach, der auch von der Idee des „shared space“, also der Gleichberechtigung von Autos, Radfahrern und Fußgängern angetan ist, aber weiß, dass es nicht überall funktioniert. Blitzer, mehr Radwege, aber vor allem: eine besser durchdachte Verkehrsführung, das wünschen sich die meisten Anwohner. Ein neues Verkehrskonzept für Höchst hatte der Ortsbeirat in den vergangenen Jahren mehrfach gefordert; passiert ist nichts. Zumindest am Bolongaropalast soll die Bolongarostraße umgebaut werden – nach 2020, wenn der Palast mal fertig sein sollte.

Das meiste wird via Ortsbeirat als Arbeitsauftrag an die zuständigen Ämter gehen. Für die Storchgasse wollen die Fraktionen einen Antrag formulieren, der nach der Sommerpause am 7. August beschlossen werden soll.

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