Von Bürgermeisterin Gisela Stang gab es einen Blumenstrauß für Inge Sternberger.
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Von Bürgermeisterin Gisela Stang gab es einen Blumenstrauß für Inge Sternberger.

Außenstellen-Mitarbeiterin geht in den Ruhestand

„Die Inge“ kennt in Wallau jeder

  • vonManfred Becht
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Bürgermeisterin Gisela Stang hat Inge Sternberger gestern offiziell als städtische Mitarbeiterin verabschiedet. Der Wallauer Außenstelle bleibt sie aber verbunden.

Wer war wohl der groß gewachsene Mann im schwarzen Ledermantel, der eines Tages mit irgendeinem Anliegen in der Wallauer Außenstelle der Stadtverwaltung erschien? Inge Sternberger, die seit 22 Jahren die Außenstelle gehütet hat, hätte schon ganz gerne eine Antwort auf diese Frage bekommen. Denn als sie den Herrn nach seinem Personalausweis fragte, erklärte dieser, das Papier aus seinem Auto holen zu wollen. Wiedergekommen ist er allerdings nicht mehr.

Inge Sternberger dagegen wird wiederkommen, wenn auch nicht mehr so häufig. Bislang betreute sie an jedem Werktag von 9 bis 12 Uhr die Wallauer Außenstelle, hauptamtlich, als städtische Bedienstete. Von der nächsten Woche an ist sie nur noch mittwochs da, als ehrenamtliche Außenstellenleiterin. Pass- und Meldeangelegenheiten kann sie dann aber nicht mehr erledigen, das dürfen nur hauptamtliche Mitarbeiter. Dass Sternberger dann nur noch Müllsäcke verkaufen und die städtischen Räume vergeben kann, hatte Proteste der Wallauer provoziert; allerdings ohne Erfolg.

Sternberger geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Die Außenstelle war mein zweites Wohnzimmer“, sagt sie, und ganz offensichtlich hat sie den Job mit viel Engagement gemacht. Jemandem einmal ein Formular ins Haus zu bringen, und dies auch außerhalb der Dienstzeit, das gehörte bei ihr dazu. Dafür kennt sie jeder in Wallau. Wenn es in Wallau „die Inge“ heißt, dann weiß man, wer gemeint ist. „Geht nicht, gibt’s nicht“, nennt Bürgermeisterin Gisela Stang das Motto Sternbergers.

Am zweiten Tag in der Außenstelle hatte sie schon gedacht, ganz schnell wieder draußen zu sein, erinnerte sie sich. Ein Bürger kam herein und verlangte umgehend einen Erläuterungszettel zu einem Verwaltunsgvorgang – den sie aber nicht auftreiben konnte. Eine Zusendung per Post akzeptierte der ungeduldige Mann nicht, er drohte mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde. Gekommen ist es dazu nicht. „Und so bin ich 22 Jahre geblieben“, sagt Sternberger.

22 schöne Jahre seien es gewesen, sagt sie, die mit Schreibmaschine und Telefon angefangen hat und den Einzug von Fax, Computer und Internet erlebte. Jetzt kann sie neue Schwerpunkte setzen – seit fünf Wochen ist sie stolze Großmutter einer Enkelin. Sicherlich fortsetzen wird sie ihr Engagement bei den Landfrauen, wo sie den Chor mit dem Akkordeon begleitet. Außerdem ist sie ehrenamtlich mit dem „Wallauer Spiegel“ beschäftigt. Und ganz vollständig ist der Abschied ja nicht, mittwochs ist die Außenstelle weiter geöffnet. Und wer weiß, vielleicht taucht ja der Mann im schwarzen Ledermantel wieder auf. Die Dienstaufsichtsbeschwerde des ungeduldigen Herrn dürfte ihr nicht mehr viel anhaben können . . .

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