1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus

Irritationen über Grundstücksverkauf am Gagernring

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Frank Weiner

Kommentare

Damit auf dem Grundstück am Gagernring gebaut werden kann, muss der Bebauungsplan geändert werden.
Damit auf dem Grundstück am Gagernring gebaut werden kann, muss der Bebauungsplan geändert werden. © Knapp

Auf einem Grundstück gegenüber der Straße „Am Flachsland“, wo derzeit noch Wohnwagen abgestellt sind, sollen zwölf Sozialwohnungen entstehen. Das Parlament hat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan abgesegnet.

Bei der umfangreichen und emotionalen Diskussion über das Projekt auf dem ehemaligen Feuerwehrgrundstück in Münster ist in der Stadtverordnetenversammlung ein ebenso wichtiges Bauvorhaben vollkommen in den Hintergrund gerückt. Denn auch am Gagernring sollen weitere zwölf Sozialwohnungen entstehen – das wären sogar noch vier mehr als an der Zeilsheimer Straße. Ohne Diskussion hat das Parlament den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Am Flachsland“, zu dem das Grundstück zählt, jetzt abgesegnet. Nimmt das Papier seinen Lauf ohne größeren Widerstand, könnten Anfang 2017 der Plan Rechtskraft haben und die Baugenehmigung vorliegen, dann würden die Bagger anrollen, und im Sommer soll schon der Rohbau stehen.

Kleine Irritationen hat es jetzt bei diesem Projekt um die Rolle der Stadt gegeben. Die CDU fragte offiziell und schriftlich an, ob der Kommune das Areal bereits vor der Projektgesellschaft Horn zum Kauf angeboten worden sei. Angeblich habe die Stadt diesen Erwerb abgelehnt und damit möglicherweise eine gute Chance vertan, fragt sich die CDU, nachdem sie darauf angesprochen wurde. „Denn es wäre dann ein Geschäft gewesen, das eigentlich die Stadt hätte machen können“, sagt Unions-Fraktionschef Dirk Hofmann.

Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW), der selbst in Hornau wohnt, hat von solchen Spekulationen nichts mitbekommen. Und er betont für den Magistrat, dass der Stadt dieses Grundstück nie zum Kauf angeboten worden sei – „folglich haben wir das auch niemals abgelehnt“. Im Gegenteil: Er sei „ständig auf der Suche nach neuen Grundstücken“, erklärt Kündiger.

„Keiner wusste etwas“

Günter Horn, Chef der Projektgesellschaft, die das Areal erworben hat, berichtet vom tatsächlichen Verlauf: Der Münsterer Bauträger errichtet derzeit am Gagernring ohnehin sechs Mehrfamilienhäuser. Da das Areal direkt an der Bahn liegt, wurde eine Lärmschutzwand gebaut. Dafür habe die Projektgesellschaft beim bisherigen Eigentümer des Wohnwagengrundstücks, der Rhein-Main-Wohnen GmbH, als Nachbar eine Genehmigung einholen müssen, blickt Horn zurück. Und hier sei dann direkt das Grundstück zum Kauf angeboten worden, weil es als kleinere Teilfläche nicht ins Portfolio des großen Unternehmens passe. „Keiner wusste etwas, auch der Bürgermeister nicht“, betont Horn. Erst nach dem Kauf hat der Unternehmer den Rathauschef eingeschaltet und ihm das Projekt mit den Sozialwohnungen angeboten. Diesen „Prototyp“ mit dem Mehrfamilienhaus für zwölf Wohnungen mit 30 Jahren Sozialbindung habe die Projektgesellschaft schon vorher entwickelt und wolle sie nun auch anderen Kommunen anbieten, kündigt der Firmenchef an.

Damit sich das neue Vorhaben aber rechnet, hat Horn das Grundstück in Hornau zum Preis einer Parkplatzfläche bekommen. So können die Wohnungen dann für 7,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden – ebenso wie die zwölf Einheiten am unteren Ende das Baugebiets. „Billig“ bauen will der Unternehmer allerdings nicht. Es sind zum Beispiel dreifach verglaste Fenster oder eine Anbindung an das Blockheizkraftwerk des Neubaugebiets geplant.

Für das Projekt muss allerdings der Bebauungsplan geändert werden, der bisher eine Fläche für Gemeinschaftsgaragen und -stellplätze festlegt. Die Rhein-Main-Wohnen GmbH hatte sie an Privatpersonen vermietet. Die Wohnwagenbesitzer müssen sich nun eine neue Stellfläche suchen. Die Stadt Kelkheim weiß allerdings, dass nur etwa die Hälfte dort vermietet und belegt sei – obwohl es immer wieder Klagen der Anwohner über zu wenig Parkmöglichkeiten in diesem Quartier gebe.

Unterdessen läuft am Gagernring der Verkauf für die 62 Wohnungen im freien Markt bestens. 50 Einheiten seien schon vergeben, berichtet Horn. Er rechnet damit, dass die Projektgesellschaft „in drei Monaten ausverkauft“ sei. Die Rohbauten für sämtliche Gebäude sollen im Sommer 2017 stehen.

Auch interessant

Kommentare