Aufräumen in Flörsheim

Die junge Müllpolizei

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90 engagierte Flörsheimer sammeln zehn Kubikmeter Abfall – darunter Farbtöpfe, Autoreifen und Nummernschilder. Die Reiter haben sogar einen Brand verhindert.

Der Stadtputz in den Flörsheimer Stadtteilen ist immer wieder für Überraschungen gut: Ein Blick in den Container vor der Wickerer Goldbornhalle offenbarte am Samstag morsche Holzbretter, einen Plastikstuhl, Autoreifen und einen Begrenzungspfahl. Das waren nur einige der ungewöhnlichen Fundstücke, die die freiwilligen Helfer rund um Wicker aufsammelten. Innerhalb von drei Stunden trugen rund 90 Müllsammler etwa zehn Kubikmeter Abfall zusammen.

Die Mitstreiter der Reinigungsaktion sorgten diesmal nicht nur für Sauberkeit: Eine Gruppe des Reit- und Fahrvereins Hubertushof verhinderte während der Müllsuche sogar ein Feuer. Das Team war mit zwölf Kindern unterwegs, denen eine verdächtige Brombeerhecke im Feld unterhalb der Straße „Am alten Berg“ auffiel. „Da war ganz viel Rauch“, berichteten die aufgeregten Mädchen nach der Sammelaktion. Die Kinder überzeugten ihre erwachsenen Begleiter, die Feuerwehr zu alarmieren, die auch unverzüglich anrückte. Den Brandschützern gelang es schnell, die brennende Hecke zu löschen.

Der Reit- und Fahrverein beteiligte sich zum zweiten Mal am Stadtputz. „Bei solchen Veranstaltungen sind wir gerne dabei“, betonte der Vorsitzende Guido Naumann. Die Gruppe des Hubertushofs fand unter anderem Farbtöpfe, die achtlos in die Landschaft geworfen wurden. Außerdem entdeckte der Vorsitzende eine Geldbörse samt dazugehöriger Ausweise. „Die wurde wahrscheinlich gestohlen“, vermutete Naumann beim anschließenden Mittagessen in der Goldbornhalle. Unverständlich fand der Chef des Reit- und Fahrvereins, warum gerade in Wicker so viel Großmüll entlang der Straßen und Wege zu finden ist. „Wir habe die Mülldeponie doch direkt vor der Tür“, sagte Naumann. Die kurze Fahrt bis zum Deponiepark sei vielen Leuten aber wohl zu weit. „Die fahren lieber irgendwo rechts ran“, meinte der Vorsitzende.

Umwelt- und Naturschutz hört auch für die Jugendlichen des Angelsportvereins nicht an den Grenzen des Vereinsgewässers auf. Im Gegenteil: Schon seit vielen Jahren gehören Aufräumaktionen entlang des Wickerbachs und des Mains ebenso zum Naturschutz-Engagement, wie die regelmäßige Teilnahme am Umwelttag. 13 Jugendliche waren dieses Mal dabei. „Wir haben Flaschen, Autoreifen, Zaunreste, leere Kanister von Pflanzenschutzmitteln und jede Menge Papier und Verpackungen aufgesammelt. Am Ende waren es rund 25 Säcke“, berichtete Andreas Valkanis vom Einsatz zwischen Landwehrweg und Flörsheimer Warte. Zu den ungewöhnlicheren Funden zählten zwei Autokennzeichen aus Offenbach und Hanau, die der Stadtverwaltung übergeben wurden.

Erster Stadtrat Sven Heß ist mit dem Zuspruch zufrieden. Die Aktion läuft im jährlichen Wechsel in den Stadtteilen. In Wicker beteiligten sich unter anderem Mitglieder der Feuerwehr sowie Vertreter der Flörsheimer Ahmadiyya-Gemeinde. Die Helfer waren auf unterschiedlichen Routen unterwegs und legten die gefüllten Müllsäcke am Straßenrand ab, wo sie von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs eingesammelt wurden. Ortsvorsteher Christopher Willmy begrüßte es, dass viele Kinder unter den freiwilligen Helfern waren. „So sehen die Kinder auch mal, was alles in Wicker rumliegt und machen sich ihre Gedanken“, erklärte Willmy.

Die Aktion wird seit Jahren vom früheren Feldschütz Horst Hieronimus koordiniert. Der Sindlinger war im Vorfeld mit dem Fahrrad durch die Gemarkung gefahren und hatte auffällige Müllablagerungen gesucht. Dabei war ihm auch aufgefallen, dass viele alte landwirtschaftliche Fahrzeuge im Wickerbachtal stehen. Hieronimus reagierte mit einer Idee: Um die Landschaft ansehnlicher zu gestalten, könne man die Maschinen auf einem einzigen Acker sammeln, schlug der 77-Jährige vor. Dabei hat er eine Unterstützung durch den Historischen Verein Wicker im Sinn. Der Verein solle sich um einen neuen Farbanstrich und die Ausstellung der landwirtschaftlichen Geräte kümmern, regte Hieronimus an.

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