Kolumne

Kajos Wochenschau

Herzlichen Glückwunsch, liebe Hofheimer Kommunalpolitiker! Sie haben es in dieser Woche geschafft, in ernst zu nehmende Konkurrenz zu Ihren Eschborner Kollegen zu treten.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Hofheimer Kommunalpolitiker! Sie haben es in dieser Woche geschafft, in ernst zu nehmende Konkurrenz zu Ihren Eschborner Kollegen zu treten. Die Politik am Schwarzbach ist zwar noch Lichtjahre vom beklagenswerten Zustand der Politik am Westerbach entfernt, aber immerhin sind zwei führende Repräsentanten jetzt ins Visier der Frankfurter Staatsanwaltschaft geraten. Gegen Bürgermeisterin Gisela Stang und Stadtrat Wolfgang Winckler (beide SPD) wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, nachdem der Ex-Genosse und heutige Stadtverordnete der Linken, Bernd Hausmann, sie angezeigt hat. Nun konnte ich bisher weder bei Stang noch bei Winckler kriminelle Neigungen entdecken, aber beide werden der Polizei Antworten geben müssen in einer Angelegenheit, die zum Himmel stinkt. Und zwar bessere Antworten als jene, die bisher bekannt sind. Geneigte Leser kennen den Fall Rosenberg, aber ich muss die haarsträubende Geschichte doch noch einmal kurz erzählen. Auf Betreiben des Magistrats hat die Stadt Hofheim im Jahre 2006 ihr 6000 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem das Hotel am Rosenberg steht, für 700 000 Euro an den damaligen Hotelbesitzer Hans-Josef Vogler verscherbelt. Das Areal liegt am Waldrand, bietet einen phantastischen Blick auf Taunus und Main und war nicht nur deshalb ein Schnäppchen der Extraklasse. Zur Begründung für den unterirdischen Preis führte Baustadtrat Wolfgang Winckler stets an, dass das Gelände ja schließlich mit einer extrem wertmindernden Erbpacht belegt sei. Wie schön für Hans-Josef Vogler, dass der Pächter ausgerechnet Hans-Josef Vogler hieß. Im vergangenen Jahr jedenfalls verkaufte HJV das ehedem städtische Gelände für rund sechs Millionen Euro an einen Bauinvestor. Das sind mehr als 750 Prozent Gewinn für Herrn Vogler. Chapeau! Das allein ist schon hammerhart, aber der Magistrat, dessen Chefin nun einmal Gisela Stang ist, hatte im Jahre des Herrn 2010 einen weiteren Blackout. In angeblichem Vertrauen darauf, dass Vogler das Hotel, wie von der Stadt gewünscht, modernisiert und erweitert, erließ man ihm vorzeitig die eine Million Euro Strafzahlung, die fällig geworden wäre, wenn er sein Versprechen nicht hält. Vogler hielt es nicht. Der kugelrunde Filou jammerte über schlechte Geschäfte, böse Behörden und ließ sämtliche Pläne platzen, und die Stadt stand mit popeligen 700 000 Euro da. Im Zusammenhang mit dem Erlass der Strafzahlung gibt es einen weiteren skandalösen Vorgang: In einer ersten Magistratsvorlage für die Stadtverordneten hatte es einen ausdrücklichen Hinweis gegeben, dass Experten in der Stadtverwaltung davon abraten, Vogler die Million zu ersparen. Noch am gleichen Tag, das fanden die Grünen im Akteneinsichtsausschuss heraus, gab es eine neue Vorlage – ohne die Warnung. Genau hier ist der Punkt erreicht, an dem man nicht mehr Blauäugigkeit, sondern Kalkül unterstellen darf. Wer auch immer die Vorlage durch das Weglassen einer wichtigen Information frisiert hat, wird dies dem Staatsanwalt erklären müssen.

Nun haben die dubiosen Vorgänge rund um den Rosenberg-Deal bereits öfter in dieser Zeitung gestanden, aber erst Bernd Hausmanns Strafanzeige hat auf Basis der Grünen Recherchen das neue Ermittlungsverfahren in Gang gesetzt. Der Hass der Hofheimer Genossen ist Hausmann sicher; sie sprechen von einem Rachefeldzug, den er gegen seine frühere Partei, die SPD, führe. Selbst wenn es so wäre, der Linke hat recht gehandelt. Auch den Grünen sei Dank, während die schwarz-rote Koalition im Akteneinsichtsausschuss „Hotel am Rosenberg“ zu so sensationellen Erkenntnissen kommt wie, dass der „Zustand der Akten und ihre Aktenführung akzeptabel ist“.

Wie auch immer die Ermittlungen der Anklagebehörde ausgehen: Der Verkauf des Edel-Grundstücks am Rosenberg ist das schlimmste Geschäft, das die Stadt bisher tätigte. Zumindest von denen, die mir bekannt sind.

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In Eschborn habe ich jegliche Hoffnung auf Besserung aufgegeben. Ununterbrochen fliegen die Dreckklumpen der Akteure, beschmutzen mal den amtierenden Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) und mal seinen Vorgänger Wilhelm Speckhardt und dessen sich früher allmächtig fühlende CDU. Richtig sauber ist inzwischen keiner der Beteiligten mehr, nur Gute und nur Böse gibt es in dieser Schlammschlacht nicht. Immerhin: Von den zahlreichen juristischen Verfahren, die die Kombattanten in Gang gesetzt haben, dürfte eines beendet sein. Die fünf Kündigungen, die Geiger gegen die Speckhardt-Vertraute Sabine Dalianis wegen angeblicher Weitergabe vertraulicher Daten ausgesprochen hatte, hat das Arbeitsgericht Frankfurt allein schon aus formalen Gründen kassiert. Dalianis wird an ihren Arbeitsplatz im Rathaus zurückkehren. Dass die Zusammenarbeit der Leiterin der Stabsstelle Stadtentwicklung mit dem Bürgermeister gedeihlich sein wird, kann ich mir nicht vorstellen. Ebenso ist es Mathias Geiger, der im Rathaus heimlich Akten fotografiert hatte, bisher nicht gelungen, das Vertrauen seiner Mitarbeiter zurückzugewinnen. Die Stadtverordnetenversammlung hat Geiger am Donnerstag eine Missbilligung für seine Fotografiererei ausgesprochen. Er habe den bereits angeschlagenen Ruf der Stadt Eschborn weiter nachhaltig beschädigt. Damit kann sich Geiger seine Rolle als Saubermann endgültig abschminken. Der hätte er sein können, wenn er die von ihm beklagten Ungereimtheiten unter Speckhardts Amtsführung rechtzeitig der Staatsanwaltschaft gemeldet hätte. Wie Bernd Hausmann in Hofheim eben.

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Nach so viel Finsternis freue ich mich mit Ihnen auf die Frühlingssonne.

Ein schönes Wochenende!

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