Die Leitung des Passionskonzerts in der Thomaskirche oblag Markus Stein. 	Foto: Hans Nietner
+
Die Leitung des Passionskonzerts in der Thomaskirche oblag Markus Stein. Foto: Hans Nietner

Thomaskantorei

Kantor setzt Akzente

Die Antritts-Aufführung war ein idealer Auftakt zum musikalischen Programm der Passions- und Ostertage.

Von Lutz Riehl

Ein Neubeginn zieht stets alle Aufmerksamkeit auf sich, weshalb es auch nicht verwunderte, dass am Sonntagnachmittag freie Plätze in der Thomaskirche Mangelware waren. Nach der erfolgreichen 25-jährigen Tätigkeit von Karl-Christoph Neumann als Leiter der Thomaskantorei präsentierte sich der neue Hauptverantwortliche Markus Stein in seinem ersten Konzert. Dass für seinen Antritt Kantaten von Johann Sebastian Bach und Dietrich Buxtehude auf dem Programm standen, dürfte mehrere Gründe haben. Ein Blick in die Vita des neuen Chorleiters verrät, dass sich Markus Stein intensiv mit der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts befasst hat, neben einem Studium als Organist und Chorleiter kann er auch auf eine Ausbildung als Cembalist sowie eine reiche Erfahrung in Ensembles für Alte Musik zurückblicken. So ließe sich dieses erste Hofheimer Konzert durchaus als „Heimspiel“ betrachten, was allerdings bei weitem zu kurz gegriffen wäre. Denn darüber hinaus bilden die beiden Hauptwerke dieses Programms eine ideale musikalische Ergänzung zum Auftakt der Passions- und Ostertage.

Sieben Meditationen

Dietrich Buxtehude (1637-1707) ist heute vor allem als Komponist von Orgelwerken und Lehrer Bachs im Gedächtnis geblieben, hinterließ aber auch eine Reihe von Kantaten. Hierzu gehört auch der Zyklus „Membra Jesu nostri“ (Die Glieder Christi), mit dem das Konzert eröffnet wurde. Sieben Meditationen für Soli, Chor und Orchester über die durch die Kreuzigung gepeinigten Gliedmaßen Christi, deren lateinische Texte auf die „Rhytmica oratio“ von Bernard von Clairvaux zurückgehen. Der feingliedrigen, in den Chorpassagen oft concertohaften Musik zeigte sich das Ensemble bestens gewachsen, dies galt nicht nur für die Mitwirkenden der Thomaskantorei sowie das wunderbar agierende Neumeyer-Consort, sondern auch für das Solistenquartett, bestehend aus Radoslava Vorgic (Sopran), Ludovica Bello (Alt), Patrick Siegrist (Tenor) und Johannes Hill (Bass), die sowohl einzeln als auch im Ensemble überzeugten. Hier wurde ein hörenswerter musikalischer Schatz geborgen.

Johann Sebastian Bachs Kantate „Himmelskönig, sei willkommen“ (BWV 182) wurde für den Palmsonntag 1714 komponiert und bildet Bachs erste Kantatenkomposition am Weimarer Hof. Verglichen mit zahlreichen anderen Werken, die Bach für diese Gattung geschaffen hat, kommt diese Komposition verhältnismäßig leise und klein besetzt daher. Die karge Orchesterbesetzung wirkt eher kammermusikalisch, auch trumpfen die Arien und die Chöre nicht mit großen Klanggewalten auf, wenngleich sie nicht weniger kunstvoll gestaltet sind. So ist die eröffnende instrumentale Sonata sehr schlicht gehalten, der Form und dem Ausdruck nach erinnert sie an jene Klänge, mit denen in Versailles der Einzug des Königs begleitet wurde. Und eben dieser steht im Mittelpunkt der Kantate: Jesu Einzug in Jerusalem, wo er als Himmelskönig gefeiert wird. Letztlich, so legt es der Kantatentext nahe, soll dieser König aber vor allem in die Herzen der Gläubigen einziehen. Diese, von Bach anschaulich in Musik gesetzten Aussagen, wurden von Markus Stein gut nachvollziehbar umgesetzt. Die Mitwirkenden der Thomaskantorei verstanden es bei den groß angelegten Fugen des Eröffnungschores und des Schlussabschnittes („So lasset uns gehen in Salem der Freuden“) Gutes zu leisten. Die nicht weniger anspruchsvolle Choralbearbeitung „Jesus, deine Passion“ wurde als ausgewogenes Solistenquartett präsentiert. Als Zugabe zelebrierte das Ensemble einen feierlichen Choral aus Bachs Johannes-Passion.

Mutmacher

Ohne Zweifel hat Markus Stein mit diesem ersten Konzert klare Akzente für seine Tätigkeit gesetzt. Sicher wird man in Sachen Alter Musik von der Thomaskantorei noch hören. Der Beifall des Publikums sollte Markus Stein dafür Mut machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare