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Yvonne Fricke und Jorge Rojas geben unter anderem Cocktails und exotische Säfte aus, die sie selbst mischen. Sie versprühen karibische Atmosphäre. Die beiden beteiligen sich erstmals am Altstadtfest.

Karibische Lebensfreude

Altstadtfest: Viele neue Stände und üppiges Angebot

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Schwülwarm war es, aber trocken: Gestern ist das Schwalbacher Altstadtfest eröffnet worden. Unter den Teilnehmern ist ein Verein, der jahrelang von der Bildfläche verschwunden war.

Schwalbach- Der Stand von Yvonne Fricke und Jorge Rojas ist so gut sortiert wie ein kleiner Laden. Der Verkaufsschlager: karibische Lebensfreude. "Es gibt bei uns verschiedene Cocktails, exotische Säfte, Marmeladen aus tropischen Fruchtsorten, Metallkunst aus Haiti und noch einiges mehr", zählt Yvonne Fricke auf.

Viel Arbeit für zwei Leute

Das Schwalbacher Ehepaar - sie Deutsche, die jahrelang in der Karibik gelebt hat, er aus der Dominikanischen Republik - ist das erste Mal beim Altstadtfest dabei. Ihr liebevoll geschmückter Stand neben dem Parkdeck in der Sauererlenstraße kommt am gestrigen Abend gut an bei den zahlreichen Besuchern, die sich bei schwülem, aber doch trockenem Wetter in den Altstadt-Straßen drängen. Dass Privatleute mitmachen, ist eine kleine Besonderheit, denn der überwiegende Teil der diesmal 42 Stände wird von Vereinen, Kirchengemeinden und anderen Gruppen betrieben. Kein Wunder: "Es ist schon viel Arbeit, das alles zu zweit zu organisieren", räumt Yvonne Fricke ein. Beide sind erst vor eineinhalb Jahren nach Schwalbach gezogen und sehen ihre Teilnahme am Altstadtfest als gute Möglichkeit, sich ins Stadtleben zu integrieren.

Beim Blick auf den Standplan fällt auf, dass neben den zahlreichen alten diesmal gleich sieben neue Betreiber dabei sind - und das in Zeiten, in denen viele Vereine mit Nachwuchssorgen zu kämpfen haben. Der neue Zulauf habe "auch damit zu tun, dass es in einigen Vereinen Vorstandswechsel gab und dort nun vielleicht jüngere Leute an der Spitze stehen, die das Fest nutzen wollen, um ihre Arbeit publik zu machen", glaubt Kerstin Sterling von der Kulturkreis GmbH.

Zu den "Neuen" gehört der Stand der Albert-Einstein-Schule. Katharina (17), Nina (17), Gloria (16) und weitere künftige Abiturienten verkaufen schräg gegenüber der Kirche Obstsalat, Kuchen und veganes Bananenbrot. "Wir haben uns das bestehende Angebot vorher angeschaut und extra etwas ausgewählt, das es bisher so nicht gab", erklärt Nina ihr Marketing-Konzept. Die Jugendlichen machen beim Altstadtfest mit, um Geld für ihren Abiball zusammenzukriegen. Der soll 2020 stattfinden und beeindruckende 25 000 Euro kosten.

Basteln statt wegwerfen

Weitere neue Teilnehmer sind der Seniorenbeirat, der Kleintierzuchtverein H101 und ein im Ort ansässiges Transportunternehmen. Achim Lürtzener vom Jugendbildungswerk ist mit einem Basteltisch vertreten, an dem die jungen Teilnehmer unter der fachkundigen Aufsicht von Bastelexpertin Yvonne Schneider alte Saftkartons in Geldbörsen und aussortierte Autoreifen in Schlüsselbünde verwandeln. "Upcycling" heißt der umweltbewusste Trend, bei dem aussortierte Dinge nicht weggeworfen, sondern zu etwas Neuem verbastelt werden. "Das ist noch besser als Recycling, weil man etwas Neues schaffen kann", findet Marc (13). "Vieles, was wir wegwerfen, hat eigentlich noch Potenzial." Nebenbei informiert Lürtzener noch über das gerade im Entstehen begriffene Schwalbacher Jugendparlament, für das interessierte Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren gesucht werden (siehe auch www.jupa-schwalbach.de).

Nicht zum ersten Mal, aber nach einer jahrelangen Pause wieder neu dabei ist übrigens auch der Radfahrverein Gemütlichkeit, der in der Schulstraße hessische Leckereien anbietet. "Unser Verein ist leider überaltert, es ist schwer, Nachwuchs zu finden", sagt Mitglied Siegfried Bergemann. Um den Club wieder bekannter zu machen und junge Leute anzuziehen, will der Verein sich künftig wieder öfter an öffentlichen Festen beteiligen.

Kerstin Sterling von der Kulturkreis GmbH hofft, dass im kommenden Jahr noch mehr Vereine und Privatleute den Schritt wagen und mitmachen. Am Platz soll es jedenfalls nicht scheitern: Wenn das Interesse noch größer werde, könne man das Festgebiet auch noch ausdehnen, zum Beispiel wie früher in die Taunusstraße.

INFO

Das Schwalbacher Altstadtfest geht am heutigen Samstag in die zweite Runde. Das Festgelände im alten Ort ist von 15 bis 24 Uhr geöffnet. Von 15.30 bis 19 Uhr laufen die Hingucker "Leila & Lola", mannsgroße Puppenfiguren, herum. "Koljas Puppenbühne" spielt gegenüber dem "Haus der Vereine" Märchen. Live-Musik mit verschiedenen Stilrichtungen gibt es ab 19 Uhr auf drei Bühnen - hinter dem "Haus der Vereine", an der katholischen Kirche und gegenüber der "Mutter Krauss". Die städtische Kulturkreis GmbH veranstaltet das Fest. 42 Stände waren gemeldet. Vereine, soziale Einrichtungen, Privatleute und andere Gruppen beteiligen sich. ask

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