Das Bahnchaos im Main-Taunus-Kreis

„Katastrophalster Betreiberwechsel, seit es Linienverkehre in Deutschland gibt"

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Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert die beteiligten Unternehmen heftig wegen der Probleme im Busverkehr. Und fordert einen angemessenen Schadenersatz. Eine Entwarnung gibt es immer noch nicht.

Warum nicht umweltfreundlich und stressfrei mit dem Bus zum Weihnachtseinkauf ins MTZ – so hatte das Main-Taunus-Zentrum gerade erst geworben. Und dann das: Ausgerechnet an dem Tag, an dem die meisten Weihnachtsgeschenke verkauft werden, am Samstag nämlich, gab es auch auf den Strecken zum MTZ Probleme im Busverkehr. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs – im Busverkehr- im Hoch- und im Main-Taunus-Kreis sind am Samstag mehr als 300 Fahrten ausgefallen. Gestern entspannte sich die Situation – nach Angaben der DB Busverkehr Hessen gab es nur sechs Ausfälle auf der Linie 252. Dies dürfte aber damit zu tun haben, dass sonntags ohnedies nicht so viele Busse unterwegs sind.

Für den heutigen Montag jedenfalls wird damit gerechnet, dass die Probleme wieder zunehmen. Die DB kündigte gestern vorsorglich weitere Ausfälle an: „Insbesondere auf den Linien 251, 252 und 253 sowie auf der Linie 910.“ Aktuelle Auskünfte gebe es unter und unter der Hotline (06 41) 70 11 00. Inzwischen konzentriert sich der Ärger tatsächlich auf die Bahn-Tochter Busverkehr Hessen, die im Osten des Kreises fährt. Demgegenüber ist die Kritik an der Transdev abgeflaut – die Firma hatte vor allem mit dem Schülerverkehr in Eppstein Probleme. Geschäftsführer Max Kaiser hatte schon am Donnerstag dem Kreisblatt gegenüber erklärt, der Verkehr laufe inzwischen reibungslos. Dort waren zusätzliche Busse eingesetzt worden.

Transdev hatte im übrigen eingeräumt, das Verkehrsaufkommen in der Rhein-Main-Region unterschätzt zu haben. Überhaupt wirft der Fahrgastverband Pro Bahn den beteiligten Unternehmen vor, den Betreiberwechsel im Hochtaunus- wie auch im Main-Taunus-Kreis auf die leichte Schulter genommen zu haben. Ganz unschuldig sind dabei nach Einschätzung des Fahrgastverbandes Pro Bahn die regionalen Verkehrsgesellschaften RMV und MTV nicht. DB Busverkehr Hessen und Transdev hätten wohl auf deren Ankündigung gebaut, anfänglich eine gewisse Toleranz bei der Vertragserfüllung zu üben.

Herausgekommen ist dabei, so Pro Bahn, der „katastrophalste Betreiberwechsel, seit es Linienverkehre in Deutschland gibt.“ An den Fahrplänen könne es nicht liegen, steht für Pro Bahn fest, denn die hätten sich gegenüber November nur wenig geändert.

Eine konkrete Ursache benennt der Fahrgastverband in der Einstellung vieler Fahrer, „die der deutschen Sprache auch nicht nur annähernd mächtig sind.“ Diese seien in absehbarer Zukunft nicht in der Lage, Auskünfte zu erteilen, die komplizierten Tarife zu beherrschen, die Fahrscheine korrekt zu verkaufen oder in Notsituationen angemessen zu reagieren. Bekanntlich haben die Unternehmen für die Weihnachtsferien Nachschulungen ihrer Fahrer angekündigt. „Traurig und nicht nachvollziehbar ist“, kommentiert Pro Bahn, „dass eine Industrienation wie Deutschland sich bei der Organisation des ÖPNV auf den Stand von Schwellenländern herablässt.“

Aus Sicht des Fahrgastverbandes reiche es nicht, gegen Vorlage entsprechender Nachweise großzügig die Kosten für Taxi- und andere Ersatzfahrten zu erstatten, so wie es die DB Busverkehr Hessen angekündigt hat. Die meisten Fahrgäste, die umsonst auf einen Bus gewartet hätten, nutzten dieses Angebot ohnehin nicht. Pro Bahn fordert, dass Zeitkarteninhaber einen Monatsbetrag der Preisstufe zwei zurück bekommen. Für Erwachsene wären das 68,10 Euro, für Schüler und Auszubildende 53,10 Euro.

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