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Trübe Aussichten für das zugewucherte Areal vor dem Schlosshotel: Dort sollte ein weiteres Restaurant entstehen, das baufällige Haus rechts abgerissen werden. Daraus wird aber nichts.

Kosten gestiegen

Kein weiteres Restaurant am Schloss: Aufsichtsrat stoppt Projekt für Gastronomie und Kochschule

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Die Betreiber hatten schon ein „Ja“ vom Aufsichtsgremium. Das ist nun zurückgerudert.

Es war nur eine kurze Mitteilung am Donnerstagabend im Haupt- und Finanzausschuss. Aber eine, die der Stadt 1,4 Millionen Euro spart. Wie Bürgermeister Albrecht Kündiger berichtete, wurde das sogenannte Multifunktionshaus vor dem Schlosshotel am Rettershof vom Aufsichtsrat gestoppt. Dort wollten die Hotelbetreiber Daniela Schwarz und Hans-Jürgen Laumeister ein Restaurant für österreichische-böhmische Speisen samt Kochschule einrichten. Vor einigen Tagen hat sich das Gremium nach einer ersten Zustimmung, die sogar schriftlich fixiert war, nun doch dagegen entschieden. Klar ist aber, dass der Tennisplatz am Hotel weg kommt, das Lagerhaus davor soll aber vorerst noch bleiben – auch wenn es abbruchreif und kein Ruhmesblatt für die Anlage ist.

Keller sollte her

Die Gründe präzisiert Kündiger auf Anfrage: Demnach habe die Bauaufsicht des Kreises für das Projekt im Außenbereich Vorgaben gemacht, das Haus sollte unterkellert werden. So sollte laut Schwarz der Blick auf das Schloss nicht verbaut werden – eine Vorgabe vom Denkmalschutz. Es war eine Umplanung auf die alte Grundfläche nötig, auch das trieb die Kosten. Laut Kündiger liegen sie nun bei gut 1,4 statt 1 Million Euro. Das sei für den Aufsichtsrat so finanziell nicht mehr darstellbar gewesen. Zumal die Million schon eine Schmerzgrenze gewesen sei.

„Es ist schon enttäuschend“, sagt Daniela Schwarz zum Aus. Zweieinhalb Jahre sei „um den heißen Brei“ herumgeredet, aber keine Entscheidung getroffen worden. Wichtig sei es doch, den Wirtschaftsbetrieb für die Zukunft aufzustellen. Nach dem ersten, schriftlichen „Ja“ wurde sogar schon ein Küchenchef eingestellt. Die neue Chance sei nun verpasst worden. Schwarz und Laumeister haben noch zwei Jahre Vertrag. Eine Verlängerung mit Pachtanpassung nach oben wäre mit dem Multifunktionshaus möglich gewesen, nun liegt das auf Eis. Daniela Schwarz zieht auch den Vergleich mit dem neuen Kelkheimer Museum, das ebenfalls eine Millionensumme kosten soll: „Womit verdient die Stadt Geld? Über das Museum oder das Hotel?“ In der Tat gibt es in der Stadt Stimmen, die beide Projekte gegeneinander ausspielten. Kündiger möchte so etwas nicht bewerten.

„Nicht aus dem Kopf raus“ ist für das Duo Schwarz/Laumeister aber eine Erweiterung des Hotels. Es gebe externe Berechnungen, dass das Schlosshotel erst ab 50 Zimmern richtig rentabel sei. Aktuell sind es 36 Räume. Nicht selten müsse sie etwa für Tagungen absagen, weil nicht genügend Zimmer zur Verfügung stehen. So liege die Auslastung auch nur bei 55 Prozent – was ausbaubar sei. Die Konkurrenz in Frankfurt werde durch weitere Hotel-Bauten größer. Daher gibt es längst Pläne für einen Anbau mit weiteren Zimmern. So etwas sei gut in die Natur zu integrieren, hat sich das Duo bei einem Kollegen der „Romantik-Hotel“-Kette in Kiel von dessen Ausbauprojekt überzeugt. Mit weiterem Frühstücks- und Tagungsraum kommen so etwa Kosten von 3 Millionen zusammen.

Neue Zimmer auf Eis

Kündiger kann die Enttäuschung nachvollziehen: „Sie machen einen tollen Job. Wir haben großes Interesse, mit ihnen weiterzuarbeiten.“ Daher müsse sich die Stadt überlegen, wie sie das Schlosshotel noch attraktiver machen könne. Die Erweiterung um neue Zimmer gehöre aktuell aber nicht dazu, betont er. Das Bauen im Außenbereich an einem historischen Gebäude sei doch sehr problematisch. Auch das haben die Betreiber schon mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen. Schwarz aber weiß: „Das Geld verdient man mit den Zimmern.“

 

Das „Café Paris" auf der Fressgass' ist das zweite gastronomische „Baby" der jungen Schlosshotel-Eltern

„Wie die Jungfrau zum Kinde“, seien sie zum „Café Paris“ gekommen, erzählt Daniela Schwarz. Mit ihrem Partner Hans-Jürgen Laumeister hat sie das Restaurant Mitte August auf der Frankfurt Fressgass’ eröffnet. Über einen bekannten Architekten sei der Kontakt vermittelt worden, auf einmal der Anruf gekommen: „Wollt ihr ein Projekt in Frankfurt machen?“, erinnert sich Schwarz, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich andere Prioritäten hatte: Anfang des Jahres wurde das erfolgreiche Rettershof-Duo Eltern von Zwillingen. Dennoch schauten sie sich das ehemalige Sternerestaurant „Zarges“ an. Da das Hamburger „Café Paris“ über Franchisenehmer in Deutschland expandieren wollte, schlugen beide als erste Partner dieser neuen Marke zu.

Daniela Schwarz und Hans-Jürgen Laumeister haben nun auch das „Café Paris“ auf der Frankfurter Fressgass’ übernommen.

Wichtig sind ihnen Synergieeffekte mit dem Schlosshotel. Dort wird das Café auch in der GmbH mit geführt und die Gewerbesteuer gezahlt. In Kelkheim gebe es immer wieder Besucher, die etwas in Frankfurt suchen, weiß Schwarz. Auch das Marketing könne gemeinsam laufen, wie zuletzt bei den Weihnachtsfeiern. Im Schlosshotel sind es rund 50 Mitarbeiter, in Frankfurt nun weitere 30. Je 140 Sitzplätze innen und außen gibt es im Café, dessen Bandbreite von Austern über Tartar bis zum französischen Frühstück reicht.

Ihr Partner Laumeister sei viel im Café Paris, um „Struktur reinzubringen“, sagt Schwarz. Denn es gibt Tücken, wie die Küche im ersten Stock oder das schlechte W-Lan. „Es läuft gut an, aber es ist noch Luft nach oben.“ Schwarz und Laumeister wollen einen „Ausflug nach Paris“ mitten in der Mainmetropole bieten, eine „lebhafte Brasserie“ auf der Fressgass’ eben.

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