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Keine Lehrer auf dem Markt im MTK

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Von: Barbara Schmidt

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Eine Schülerin meldet sich im Unterricht. An immer mehr Grundschulen im MTK gibt es aber offenbar Probleme, qualifizierten Unterricht zu garantieren.
Eine Schülerin meldet sich im Unterricht. An immer mehr Grundschulen im MTK gibt es aber offenbar Probleme, qualifizierten Unterricht zu garantieren. © Felix Heyder (dpa)

Die Schülerzahlen steigen, die Zahl der ausgebildeten Lehrer hält sich dagegen in Grenzen. So kann selbst der Pflichtunterricht nur mühsam abgedeckt werden. Kommen hohe Krankenstände dazu, bekommen die Grundschulen massive Probleme.

Die Meldung, dass das Land Hessen so dringend Grundschul- und Förderschullehrer braucht, dass das Kultusministerium Pensionäre reaktivieren will, hat im Januar für Aufsehen gesorgt. Ob der Lehrermangel auch die Schulen im Main-Taunus-Kreis plagt, haben wir daraufhin im zuständigen Schulamt in Rüsselsheim nachgefragt.

Amtsleiterin Birgitta Hedde hatte eher allgemeine Antworten parat. Das Thema sei nicht ganz neu, schon im vergangenen Sommer habe man Schwierigkeiten gehabt, geeignetes Personal zu finden. Es sei aber schwierig, die Frage zu beantworten, wie viele Lehrer fehlten. Da komme es zum Beispiel darauf an, ob eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung zugrunde gelegt werde, oder die 104-prozentige, die der hessischen „Unterrichtsgarantie plus“ entspricht.

„Bezogen auf eine 104-prozentige Versorgung haben wir natürlich Bedarf“, sagt Hedde. In vielen Fällen, etwa bei einer Schwangerschaft, brauche man nur Vertretungskräfte. Diese zu finden, sei aber „fast unmöglich“, fasst die Schulamts-Chefin die Erfahrung der Grundschulen zusammen. Wer qualifiziert sei, nehme lieber eine Festanstellung an, als sich auf kurzfristige Verträge einzulassen.

Die Möglichkeit, Pensionäre zu beschäftigen, werde schon eine ganze Weile genutzt, sagt Hedde. Sie ist so neu also gar nicht. „In der Regel“ gelinge es ganz gut, die 100-prozentige Unterrichtsversorgung sicherzustellen, besondere Probleme an bestimmten Schulen seien ihr zumindest „nicht bekannt“.

Elternbeirat will Überblick

Die Nachfrage beim Kreis-Elternbeiratsvorsitzenden Matthias Bormann ergab, dass der Mangel an Grund- und Förderschullehrern die Elternvertreter im Kreis schon lange beschäftigt. „Wir als Kreiselternbeirat machen gerade eine Umfrage bei den Grundschulen im Kreis, um einen belastbaren Überblick über den Mangel zu erhalten und werden uns dann damit an das Schulamt und das Kultusministerium wenden“, lässt Bormann wissen. Er wisse von Problemen unter anderem an der Hofheimer Heiligenstockschule und an der Robinsonschule in Hattersheim.

Der Schulelternbeiratsvorsitzende der Robinsonschule, Gerhard Dietrich, kann die Probleme an der Grundschule bestätigen. Zwei schwangere Lehrerinnen mit Beschäftigungsverbot müssen derzeit ersetzt werden. Zudem fällt der Schulleiter längere Zeit aufgrund von Krankheit aus. Mitarbeiter der „verlässlichen Schule“ seien eingesprungen, das Kollegium engagiere sich ebenfalls stark, etwa durch doppelte Klassenführungen.

Für eine der schwangeren Lehrerinnen habe sich mittlerweile eine qualifizierte Lehrkraft befristet gefunden. Für eine weitere Langzeit-erkrankte Kollegin ist eine Pensionärin in die Schule zurückgekehrt. Das reicht aber nicht aus. Die Schule hat eine Stellenanzeige auf ihrer Internetseite veröffentlicht, selbst die Stadt Hattersheim hat eine solche auf ihre Homepage gestellt.

Der Schulelternbeiratsvorsitzende bemängelt, das Budget, das der Schule für kurzfristige Vertretungen zur Verfügung stehe, sei „deutlich zu niedrig“. In den beiden vergangenen Kalenderjahren sei das Geld nicht dagewesen, um den „extrem hohen Krankenstand“ mit Vertretungen auszugleichen. Zum Jahresbeginn hätten der Robinsonschule Lehrkräfte „mit einem Stundenumfang von rund 70 Wochenstunden“ gefehlt.

Bedarf steigt weiter

Auch aktuell habe man noch ein Defizit. Im kommenden Schuljahr werde aufgrund steigender Schülerzahlen eine zusätzliche Klasse gebildet werden müssen. Dafür brauche man eine weitere Lehrkraft. Dietrich ist nicht sonderlich zuversichtlich, dass sie gefunden werden kann. „Die Anzahl der tatsächlich zur Verfügung stehenden Menschen passt einfach nicht zum Bedarf – gerade im Rhein-Main-Gebiet“, sagt der Elternvertreter.

Die Konrektorin der Robinsonschule, Monika Strauch, kann die Ausführungen von Gerhard Dietrich nur bestätigen. „Wir haben natürlich alle möglichen Gremien um Hilfe gebeten, das Schulamt unterstützt uns, wo es kann, es gibt aber keine Lehrer auf dem Markt“, sagt Strauch.

Der Pflichtunterricht, der abgedeckt werden müsse, werde erteilt. Auf der Strecke blieben aber alle Zusatzangebote. So seien sämtliche Förderkurse gestrichen worden, „wir haben nichts Zusätzliches mehr“. Was dem Kollegium möglich sei an Mehrarbeit, mache es auch. Vertretungen brächten immer das Problem, dass die Qualität auch im Pflichtunterricht nicht voll gegeben sei.

Langfristige Fehlplanung

Das sprechen auch die Lehrerinnen an, die in der vergangenen Woche an der Otfried-Preußler-Schule in Bad Soden für eine bessere Bezahlung der angestellten Lehrkräfte und eine Verringerung der Wochenarbeitszeit demonstriert haben. An der nagelneuen Grundschule sei die Schülerzahl sehr stark gestiegen (von 180 Anfang 2015 auf jetzt 240 Kinder). Es werde ebenfalls viel mit Vertretungen gearbeitet.

Im laufenden Schuljahr könnten 70 Stunden nicht durch ausgebildete Lehrerinnen oder Lehrer erteilt werden, so die Personalräte. Im nächsten Schuljahr werde es wieder eine Klasse mehr geben. Die demonstrierenden Lehrerinnen waren sich einig: „Das ist eine langfristig angelegte Fehlplanung“, die sich so schnell nicht beheben lasse. Um Abiturienten für den Beruf Grundschullehrer zu interessieren, müssten erst einmal attraktivere Bedingungen geschaffen werden.

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