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Auf der B 519 vor der Einfahrt nach Kelkheim gilt Tempo 60. Im Bereich der Kreuzung könnte ein fester Blitzer installiert werden.

Jeder Zweite viel zu schnell

Nach einer Reihe tödlicher Unfälle auf B519: Kommt jetzt ein fester Blitzer?

Zwei tödlicher Unfälle innerhalb weniger Monate sind das Fazit für die B 519 bei Kelkheim. Und jetzt liefern Geschwindigkeitskontrollen ein erschreckendes Ergebnis: jeder Zweite ist zu schnell unterwegs.

Kelkheim - Der tödliche Unfall vor zwei Wochen auf der Altkönigstraße hat Erinnerungen wieder aufgewühlt. Schon am 19. Januar war ein Mensch in der Stadt Opfer eines Unfalls geworden. Auf der B 519, an der Ausfahrt nach Kelkheim (Höhe Hauptfriedhof), kam ein 21 Jahre alter Motorradfahrer nach einer Verkettung unglücklichster Umstände ums Leben. Lichter, Blumen und ein Bild erinnern weiterhin an den tragischen Tod des jungen, in Kelkheim bekannten Mannes.

B 519: Zwei tödliche Unfälle innerhalb weniger Monate

Die Behörden haben danach reagiert. Wenige Tage später ordnete der Main-Taunus-Kreis an, das Tempolimit auf der B 519 aus Richtung Hofheim kommend an dieser Stelle von 80 auf 60 abzusenken. Aus Richtung Königstein gilt es bereits. "Weitere Schritte sollen folgen", hieß es damals. "Wir wollen alles tun, um für sichere Straßen im Kreis zu sorgen", erklärte der Erste Kreisbeigeordnete Johannes Baron.

Und seitdem hat sich tatsächlich etwas getan - eine große Lösung für diesen Bereich rund um die Ausfahrt nach Kelkheim deutet sich an. Zuletzt hatte es ein Treffen mit den Protagonisten gegeben - Kreis, Polizei, Hessen Mobil, Stadt. Im Verkehrsausschuss deuteten Bürgermeister Albrecht Kündiger und Ordnungsamtsleiter Torsten Kleipa an, wohin die Reise gehen könnte. Favorisiert ist offenbar ein fest installiertes Blitzgerät, das die Autofahrer aus beiden Richtungen ins Visier nimmt. Vielleicht wäre der schlimme Unfall damit gar nicht passiert, gaben die Vertreter der Stadt im Ausschuss zu bedenken. Wie diese Zeitung erfahren hat, gibt es möglicherweise Erkenntnisse, wonach ein Unfallbeteiligter zu schnell unterwegs gewesen sein soll. Doch offiziell bestätigen wollen dies alle Seiten wegen der noch laufenden Ermittlungen nicht.

Gerät für 100 000 Euro wird diskutiert

Sollte es ein Blitzer werden, müsste ihn die Stadt bezahlen. Kündiger geht von 100 000 Euro aus und würde die Sache lieber heute als morgen angehen. Klar ist für ihn, dass dieses Gerät in beide Richtungen messen soll. Und dass er dabei nicht mit privaten Betreibern extern zusammenarbeiten möchte, so wie es etwa Liederbach oder Eppstein tun. Im Verkehrausschuss wurde kurz auch über einen Kreisel an dieser Stelle gesprochen. Doch das geht auf der stark befahrenen B 519 kaum. Auch einen mobilen Blitzer schließt Kündiger eher aus. Es werde ja schon regelmäßig an dieser Stelle gemessen, so Kleipa.

Viele Autos waren viel zu schnell - 200 km/h und mehr

So auch in der Woche vor und nach Ostern. Da hatte der Regionale Verkehrsdienst der Polizei zehn Tage lang einen Messapparat fest an der B 519 installiert. Laut dem Stellvertretenden Leiter Arne Krummel registrierte das Gerät die Fahrzeuge und deren Geschwindigkeiten, blitzte aber nicht. Das Ergebnis ist dennoch erschreckend: Gut die Hälfte der Fahrzeuge in beide Richtungen sei zu schnell unterwegs gewesen, bestätigt Krummel. Das sei umso schlimmer, da alle, die an dieser Kreuzung nach Kelkheim abbiegen wollen, ohnehin langsamer fahren und abgezogen werden müssten. Dann wäre der Anteil der Raser noch höher. Zwar sei die Straße breit und verlocke zum zügigen Fahren. Doch das rechtfertige die Raserei dort nicht. Wenn an Ostern am helllichten Tag ein Fahrzeug mit über 200 Kilometer pro Stunde erwischt werde, "dann weiß ich nicht, was in diesem Verkehrsteilnehmer vor sich geht", sagt Krummel. Es sei schade, dass viele Autofahrer "nur durch Überwachung zum Einsehen bewegt werden".

Eine Entscheidung ist nach seiner Auskunft noch nicht gefallen. Ein Kreisel falle aber raus, weil die Straßenarme (B 519/Zufahrt nach Kelkheim) vom Verkehrsaufkommen zu unterschiedlich seien. Aber auch eine Ampel sei im Gespräch. Der Kreis hält sich zurück. "Eine Entscheidung steht noch nicht fest. Wir sind mit den anderen beteiligten Kommunen und Behörden im Austausch. Wir werden mitteilen, wenn eine Lösung gefunden ist", so Sprecher Johannes Latsch dazu.

von Frank Weiner

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