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Grüne Abwechslung der Tour: Diskussion auf der ehemaligen Stromtrasse in der Nähe vom "Reis".

Rundgang

UKW-Tour zu möglichen Trassen einer derzeit diskutierten "Fischbach-Spange"

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Just am 40. Jahrestag der Dammbesetzung bat die Wählerinitiative zu einer Wanderung. Es war einiges los, darunter viele UKW-Anhänger und wenige Bürger.

Kelkheim - Geschichte und Gegenwart verknüpft Maximilian Alter mit einem kleinen Sprung nach oben: Plötzlich steht der junge UKW-Stadtverordnete auf dem Gedenkstein, der an die Dammbesetzung gegen die B 8 vor 40 Jahren erinnert. Dieses Jubiläum ist ein Grund, weshalb die UKW die Kelkheimer zu einer Wanderung eingeladen hat. Der andere ist die Gegenwart: Denn derzeit wird in Kelkheim erneut über eine Umgehungsstraße diskutiert - die "Fischbach-Spange". Und deren angedachte Trassen will die UKW mit interessierten Bürgern ablaufen.

Brücken-Fotomontage

Vom Gedenkstein herab, betont Alter kurz, dass die Fraktion die Einschnitte in die Natur zeigen wolle, die eine solche Straße mit sich bringe. Sein Fraktionskollege Wolfgang Coy bleibt lieber am Boden. Doch in die Höhe reckt er eine Fotomontage. In ein Bild der Stadt mit dem Liederbachtal hat er eine mögliche Brücke in Ansätzen skizziert. So mancher der rund 30 Teilnehmer, darunter aber viele UKW-Anhänger, bekommt einen kleinen Schreck. Laut Coy ist eine Brücke unvermeidbar, um die Höhenunterschiede vom B 8-Ausbauende über den Liederbach und die Bahnlinie bis hoch in Richtung "Reis" in Hornau auszugleichen. Für einen von Befürwortern immer wieder angesprochenen Tunnel müsse es schon "schwerwiegende" Gründe geben. Und an eine schnelle Lösung zu denken, das sei ebenso "Unsinn", ist Coy überzeugt.

"Man kann froh sein, wie sich die Natur hier wieder gut entwickelt und sich das Gebiet zurückerobert hat", sagt Bürgermeister Albrecht Kündiger. Vor 40 Jahren sei hier ein bis zu 15 Meter hoher und 20 Meter breiter Damm aufgeschüttet gewesen, um die weitere B 8 vorzubereiten. Zudem sei der Liederbach durch eine Betonröhre gelaufen. Mit dem Hüttendorf verhinderten Protestler wie Kündiger und Coy die "Taunus-Autobahn". Da sei "kein Grashalm" mehr gewachsen, so BUND-Naturschützer Manfred Guder. Er habe mit dafür gesorgt, dass sich ein "wunderbares Schmetterlings-Biotop" entwickelt hat.

Nach dieser kleinen Einführung geht die Tour los - nicht aber ohne eine kleine Stärkung am UKW-Kuchenbüfett, das die Mitglieder spontan arrangiert haben. Auch Guder schließt sich ein kurzes Stück an. Damals wäre der BUND mit einem sehr guten Anwalt bestens auf Klagen gegen die B 8 vorbereitet gewesen. Auch für die "Fischbach-Spange" kündigt er Gegenwehr der Naturschutzverbände an und betont: Eine solche Straße könne keiner bezahlen, zudem werde der Verkehr nur verlagert, belaste dafür andere Orte wie Eppstein und Schneidhain zusätzlich.

Diskussion im Ginster

Das alles sieht Horst Schmidt-Böcking nicht ganz so. Der SPD-Parlamentarier ist einer von wenigen Straßen-Befürwortern, die sich der Tour anschließen. Er glaubt an eine Tunnel-Möglichkeit und kraxelt mit seinen 80 Jahren plötzlich einen Hang hinauf zu einer kleinen Lichtung, auf der unter anderem unzählige Maiglöckchen wachsen. Hier sei die ehemalige Stromtrasse, hier könnte eine Straße ohne riesigen Flurschaden durchaus entstehen, es sei doch nur Ginster zu beseitigen, so Schmidt-Böcking. Da entwickelt sich mitten im Grün eine Diskussion. "Das willst Du alles platt machen?", fragt UKW-Fraktionschefin Doris Salmon. Und Coy betont, auch eine gewisse Abwechslung im Wald zwischen Baum- und Freiflächen sei wichtig. Solches Grün sei oft sogar "wertvoller".

Viele Wanderer können sich hier mitten im Wald eine Straße gar nicht vorstellen. "Das ist so utopisch, dass man gar nicht denkt, dass es kommt", findet UKW-Stadtverordnete Barbara Kilb. "Aber dennoch muss man etwas dagegen tun." Und Alternativen suchen. An erster Stelle wird während der Tour immer wieder der Ausbau des ÖPNV genannt. Gerade dafür setzt sich Coy in einer Initiative ein, weiß aber, dass dies "ein dickes Brett" sei. Eine andere kleine Idee hat die Hornauerin Monika Schlosser, die mal wieder autofreie Sonntage auch in Kelkheim vorschlägt. Dann hätten auch die in Fischbach geplagten Anwohner etwas Ruhe.

Von ihnen hat sich Heike Campana ein Stück mit auf den Weg gemacht. Die Initiatorin einer Bürgerinitiative an der Fischbacher Straße wünscht sich, dass Alternativen wie die Umgehung geprüft werden und nicht gleich Brücken als "Schreckgespenst" angekündigt werden. "Ich höre mir auch die anderen Seite an, ist doch klar." Sie hoffe, dass alle "mit Respekt und Toleranz" in weitere Gespräche gehen.

Knackpunkt Kickelbach

Die Wanderung jedenfalls wird friedlich fortgesetzt. Der Tross streift das Wochenendgebiet Fischbach, das eine Spange nördlich oder südlich mit dem Anschluss an die B 455 tangieren würde. Unterhalb ist das Naturschutzgebiet "Kickelbach". Vor allem sei das für den Schmetterling Ameisenbläuling sehr wichtig, betont Coy. Diese Trasse würde zudem den Fischbacher Sportplatz streifen und besonders nah an die Bebauung heranrücken, berichtet UKW-Mann Alter.

"Was hier draußen alles betroffen ist, das hat man nicht vor Augen", findet er den Rundgang wichtig. Trotz der eher spontanen Idee sei die UKW zufrieden - nach knapp zwei Stunden und einem Abstecher zum "Reis" mit den Sportanlagen, die ebenfalls betroffen sein könnten, endet die Tour. Ob sich UKW-Nachwuchskraft Alter ebenfalls ein Hüttendorf vorstellen kann, wenn's ernst würde? "Ich bin Rechtsanwalt. Ich habe da andere Waffen", sagt er schnell. Trotz Hochachtung vor den Dammbesetzern vor 40 Jahren findet er: "Vielleicht braucht auch jede Generation ihre eigene Antwort." Und im Zweifel könne sich eine solche Initiative ja immer noch Tipps von den Baumeistern von damals holen . . .

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