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16-Jährige von Zug überfahren

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Von: Frank Weiner

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Wie es zu dem tragischen Vorfall kam, ist nicht geklärt. Der Überweg ist in der Stadt kein unbekanntes Thema.

Die beiden Mädchen sind 16 Jahre alt und unterhalten sich eifrig über den schrecklichen Unfall, der sich hier am Bahnübergang Gustav-Adolf-Straße erst vier Stunden zuvor ereignet hat. Dass ein Mensch von einer Bahn erfasst wurde und zu Tode kam, wissen sie bereits. Dass das Opfer aber eine ebenfalls 16 Jahre alte Jugendliche war, ist den Schülerinnen neu und schockiert sie sichtlich. „Das finde ich krass. Zumal ich selbst hier täglich drüber gehe“, sagt eines der Mädchen. In der Eichendorffschule sei die Nachricht von dem Unfall schon bekannt gewesen.

Dass die 16-Jährige ebenfalls in die Gesamtschule in Münster ging, bestätigte Schulleiter Stefan Haid gestern Abend. Heute werde den Schülern dort ausreichend Raum zur Anteilnahme gegeben, etwa in einem Kondolenzbuch, sagt er. Ob die Schülerin gestern Morgen gegen 8.45 Uhr auf dem Weg zum Unterricht war, ist aber unklar. Polizeisprecher Daniel Kalus bestätigt zwar, dass die junge Frau in Kelkheim wohnte und eine Tasche mit Schulsachen dabei hatte. Sie kam aber von der Garagenzeile an der Parkstraße und ging in Richtung Gustav-Adolf-Straße. Als sie den offiziellen Übergang queren wollte, habe sie die Bahn – die aus Richtung Frankfurt kam – offenbar übersehen, sagt Kalus. Ob sie Kopfhörer trug oder anderweitig abgelenkt war, sei noch unklar.

Fast gespenstisch ruhig ist es gestern Mittag an der Unfallstelle. Rot-weiße Gitter bremsen Fußgänger oder Radler auf ihrem Weg über die Gleise ab. Die gerade Bahnstrecke ist hier gut einzusehen – trotz einiger Büsche drumherum. „Doch ich habe schon einige gefährliche Situationen miterlebt“, erzählt eine der beiden dort plaudernden Schülerinnen. Nicht immer hupe der Zug rechtzeitig. Sie berichtet von einer Situation, als zwei Radfahrer vor der Bahn über die Gleise gehuscht seien, sie dahinter aber noch rechtzeitig anhalten konnte.

30 Einsatzkräfte

Das kleine Licht am Gleisbett stammt allerdings nicht von Angehörigen oder Freunden des Mädchens. „Da ist ein Hund überfahren worden“, weiß die Schülerin. Sie hat vom Unfall über eine Freundin und einen Klassenkameraden erfahren, der bei der Feuerwehr ist. Deren Pressesprecher Stephan Armagni war gestern Morgen mit rund 30 weiteren Einsatzkräften von Brandschützern, Polizei und Rettungsdiensten an der Unfallstelle. Die Kameraden haben die Unfallstelle abgesichert und abgeschirmt, zudem den Kollegen geholfen. Auch Stunden später muss der Brandschützer immer noch schlucken, tragische Einsätze wie diese bleiben selbst erfahrenen Rettern im Halse stecken.

Zumal nicht nur Armagni der Bahnübergang ein Dorn im Auge ist. Er wohnt ganz in der Nähe und beobachtet viele brenzlige Situationen: „Es vergeht kein Tag, wo nicht der Zug schon einen Kilometer vor Einfahrt hupt.“ Und zahlreiche Fußgänger bringen sich selbst in Gefahr, in dem sie neben den Gleisen entlang bis zum Bahnsteig spazieren – so wie ein junger Mann gestern Mittag. Das Thema ist nicht neu, schon 2010 hat die Hessische Landesbahn auf Antrag der Kelkheimer Politik die Möglichkeiten eines zweiten offiziellen Bahnsteigzugangs prüfen lassen – es aus technischen und rechtlichen Gründen jedoch abgelehnt. Erst vor wenigen Monaten scheiterte ein erneuter Anlauf der Lokalen Agenda.

Ob das mit dem Unfall in Verbindung steht, ist unwahrscheinlich. „Wie es zu dem verhängnisvollen Zusammenstoß kam, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt völlig unklar“, sagt Kalus. Die junge Frau sei, nachdem sie der Zug erfasst hatte, noch an der Unfallstelle gestorben. Der Zugführer erlitt einen Schock und musste psychologisch betreut werden. Die Bahnstrecke wurde für zwei Stunden gesperrt.

Die Polizei sucht nun mögliche Zeugen. Sie können sich an die Kripo Hofheim unter (0 61 92) 20 79-0 wenden.

(wein)

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