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Gut gelaunt, aber mit viel Arbeit unter dem Arm: Das charakterisiert die drei Jahre von Bürgermeister Albrecht Kündiger gut.

Rathauschef

Albrecht Kündiger: Bürgermeister ist „der schönste Job“

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Nüchtern zieht der 60 Jahre alte Rathauschef Bilanz: Vieles hat er in den ersten drei Jahren seiner Amtszeit geschafft, und er hat noch eine Menge vor. 2021 will er sich zur Wiederwahl stellen.

„Ich vollbringe keine Wunderdinge.“ Das hat Albrecht Kündiger vor drei Jahren kurz nach seiner Wahl zum Bürgermeister im Interview mit dieser Zeitung gesagt. Nun ist Halbzeit seiner ersten Amtszeit – und der 60-Jährige berichtet zumindest über die kleinen „Wunder“, die er in Kelkheim angepackt hat. Dabei hatte der UKW-Mann sein „Bergfest“ gar nicht so recht auf dem Schirm. Aber sein Zettel mit Stichpunkten ist beim Interview schon voll.

Wobei Kündiger vorausschickt: „Es besteht kein Anlass, sich zurückzulehnen und Bilanz zu ziehen. Es kommen ja immer neue Ideen hinzu.“ Nun gönnt sich Kündiger mit der Familie aber erst einem Urlaub – obwohl noch Berge von Arbeit zurückblieben. „Das ist der schönste Job, den man sich vorstellen kann. Ich habe eine gewisse Dankbarkeit, dass ich diese Chance noch einmal bekommen habe“, schwärmt er zwar. Doch räumt er auch ein, dass es „gelegentlich anstrengend“ sei. Der 60-Jährige ist immer auf Achse, viel unter Strom. Weshalb er privat schon hier und da Hinweise bekomme, mal etwas mehr Sport zu treiben und auf die Gesundheit zu achten.

Wenn die stimmt, dann wird Albrecht Kündiger auch 2021 bei der nächsten Bürgermeisterwahl in der Möbelstadt wohl noch einmal antreten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich den Job von mir aus aufgeben werde. Habe keinen Zweifel daran, dass ich das noch einmal anstrebe. Diese Frage stellt sich überhaupt nicht. Ich bin voller Tatendrang.“ Dass er dann am Ende einer möglichen zweiten Amtszeit 69 Jahre alt wäre – „das ist im Zeitalter von Jupp Heynckes kein Thema“, spielt der Fußball-Fan und aktive Schiedsrichter auf den Bayern-Trainer an.

„Es gab nicht einen Tag, wo ich gequält ins Rathaus gekommen bin“, sagt Kündiger. „Man weiß morgens nicht, mit welchem Thema man konfrontiert wird.“ Natürlich seien bei Anfragen der Bürger auch Eigeninteressen dabei, aber es gebe auch viele, die sich für das Allgemeinwohl einsetzen. Sie trifft Kündiger bei den vielen Veranstaltungen, auf denen er präsent ist. Das seien die „permanenten“ Bürgersprechstunden“, das ist ihm wichtig. Und er weiß: „Als Arbeit kann man viele Dinge nicht sehen, da ist auch viel Vergnügen dabei.“ Wie zuletzt beim Feuerwehrfest Hornau mit dem Schubkarrenrennen, als Kündiger mit seinem Stellvertreter Stefan Thalheimer munter mitmischte. Natürlich könne er dann der Familie nicht immer ganz gerecht werden. „Aber sie weiß ja, worauf sich der Vater da eingelassen hat.“

In seinem Wahlkampf vor drei Jahren hat Kündiger gerade das Motto der „Mitmachstadt“ geprägt. „Ich versuche schon, die Leute mitzunehmen. Gelegentlich ist es ein etwas längerer Weg“, sagt er drei Jahre später. Und räumt ein, dass einige Dinge nicht so ganz gelungen sind. Ganz vorne dran ärgert er sich über die Entwicklung zum Privatgymnasium Dr. Richter. Der Streit um eine Erweiterung mit den Anwohnern und um die Veränderungssperre der Stadt ist vor dem Verwaltungsgerichtshof Kassel gelandet. Das Mediationsverfahren läuft, Fortschritte gibt es zumindest vor den Kulissen nicht. „Ich denke schon darüber nach, ob man es hätte anders machen können. Das ist noch nicht gelöst.“

Ebenfalls noch offen ist die Zukunft des alten Feuerwehrareals in Münster. Diese „Hängepartie“ hätte sich Kündiger lieber erspart und es längst mit Wohnungen bebaut. Auch hier räumt er ein: „Vielleicht hätte man die Gespräche anders führen, die Anwohner stärker mit einbinden sollen.“ Damit zusammen hängt die Zukunft des Museums. Denn UKW und FDP wollen das Feuerwehrgrundstück verkaufen, dafür das alte Pfarrzentrum Feldbergstraße abreißen und dort unter städtischer Regie bezahlbaren Wohnraum schaffen. Eine Bürgerinitiative will aber per Entscheid am 28. Oktober das Gebäude erhalten und das Museum dort einrichten. Dass diese Themen die Warteschleifen drehen, kann Kündiger nicht freuen. Er sagt aber: „Beide Positionen haben etwas für sich. Die Sache ist prädestiniert für einen Entscheid.“ Es sei aber „nicht die allerwichtigste Frage“ in Kelkheim.

Da nennt er auch die Finanzen, wo er die Stadt auf einem guten Weg sieht. Mit dem Projekt Hessenkasse können die 22 Millionen Euro Kassenkredite wohl angebaut werden. Und er werde weiterhin „keinen Etat vorlegen, der nicht ausgeglichen ist“. Gleich zu seinem Beginn die Grundsteuer zu erhöhen, war wichtig, aber „nicht leicht“. Bei guter Konjunkturlage geht er aktuell davon aus, „dass die Steuerzahlen, die wir angesetzt haben, auch eintreffen“.

Etappenziele sieht der Bürgermeister auch bei anderen wichtigen Themen erreicht. In der Kinderbetreuung wurden einheitliche, deutlich niedrigere Elternbeiträge beschlossen – eines seiner Wahlversprechen. Die Integration der Flüchtlinge sei sehr gut gelaufen – auch dank einer Funktionsstelle im Rathaus, die er installierte. Wohnungen für Menschen mit Bleiberecht schuf die Stadt mit einem „Kraftakt“. Beim bezahlbaren Wohnraum sieht Kündiger trotz der beiden Häuser am Gagernring noch erheblichen Nachholbedarf. Allerdings nicht auf den Flächen am Ortsausgang Münster in Richtung Liederbach. Dort möchte er nun doch weiches Gewerbe ansiedeln – eine der wenigen Flächen, die der Stadt hier noch bleiben. Überhaupt ärgert sich Kündiger, wenig eigene Grundstücke für mögliche Projekte in der Hand zu haben. Gut wiederum findet er die personelle und strategische Umstrukturierung der Städtebaulichen Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft. Und die Versorgung der Stadt mit kulturellen sowie sportlichen Angeboten. Hier stimme die Infrastruktur. Bei manchem Konzert am Rettershof habe auch er als Freund des Sports „noch etwas dazu lernen können“.

Ganz schwierig ist weiterhin das Thema Verkehr. Das müsse mehr hin zum ÖPNV, weg vom Gedanken einer Umgehungsstraße. Mit den Kirchen und Schulen sieht er sich wiederum im sehr guten Kontakt – doch die Enge mancher Schulbetreuung ist ihm ein Dorn im Auge.

Bliebe noch die Frage nach einem Ersten Stadtrat. „Es geht so“, betont er. Da habe ihm sein Vorgänger Thomas Horn „personell ein gutes Haus übergeben“. Die Kooperation mit den Fraktionen sei gut, politisch ein solcher Posten aktuell nicht gewollt. Überhaupt sieht er keine Mehrheit im Parlament. Was für ihn kein Drama ist: „Man kommt mit allen ganz gut aus. Keiner arbeitet bewusst daran, Sand ins Getriebe zu streuen.“

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