Barbara Riedels Büro ist überall

In aller Welt zu Hause

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Acht Monate war sie unterwegs – von Südamerika über die USA und Kanada bis nach Ozeanien und Asien. Dabei hat sie längst verlorene Verwandte wiedergetroffen, eine besondere Torte bekommen und vor allem als „digitale Nomadin“ in vielen Jobs gearbeitet. Am Sonntag liest sie im Museum.

Für ihren Beruf braucht sie meist nur einen Computer und Internet. Wo sie ihren Job meistert, das spielt nicht die Hauptrolle. Und so arbeitet Barbara Riedel in aller Welt, bezeichnet sich als „digitale Nomadin“. Sie verdient ihre Brötchen als Übersetzerin, Lektorin, Bloggerin, erstellt Internetseiten und ist Autorin. In letzterer Rolle kehrt die Weltenbummlerin am Sonntag, 13. März, in die Heimat zurück. Sie liest als Teil der neuen Reihe „Literatur on Tour“ um 17 Uhr im Museum, Frankfurter Straße 21, aus ihrem Buch „Meine Weltreise – ein Traum wird wahr“. Der Eintritt ist frei.

Barbara Riedel nimmt die Zuhörer dann mit auf eine Tour nicht nur durch ferne Länder, sondern auch in ihr neues Leben mit dem mobilen Büro. Nach dem Magister-Abschluss ihres Studiums in Romanistik, Klassischer Archäologie und Lateinamerikastudien sowie einem Master im Übersetzen packte die 29-Jährige im November 2014 die Koffer und machte sich auf den beruflichen und privaten Weg rund um den Globus. Schon damals verfasste sie Beiträge fürs Internet in einem Blog und hatte die Idee, alle Texte aus der Weltreise in einem Buch zusammenzufassen. Bald schon habe sie aber gemerkt, dass es so viele Geschichten und Anekdoten geben würde, so dass ihr analoges und digitales Werk voneinander getrennt laufen sollten.

So erzählt sie dem Kreisblatt per Mail, während sie auf den Kanaren für eine deutsche Firma Strände testet und zudem ein Buch übersetzt, einige ihrer Erlebnisse. Ganz besonders beeindruckt sei es gewesen, während der Weltreise fast verlorene Verwandte kennenzulernen, die bereits im Zweiten Weltkrieg ausgewandert waren. „Das war bewegend und unfassbar schön“, schreibt Barbara Riedel. Ebenso gerührt war sie in Chile: Dort hatte sie sich in ein Büro eingemietet, und die Kollegen hatten ihr zum Geburtstag eine Torte mit der deutschen und chilenischen Flagge gebacken. Dieses süße Kunstwerk möchte sie nun für die Lesung im Museum nachmachen. Auch ein Moment auf dem Zuckerhut („Wo mir klar wurde, dass diese Reise mein Leben verändern würde“) oder Begegnungen mit neu gewonnenen Freunden blieben ihr bestens in Erinnerung.

Kein Wunder: Barbara Riedel war acht Monate unterwegs, hat alle Kontinente kennengelernt. Zunächst flog sie nach Brasilien, durchstreifte fast ganz Südamerika mit Argentinien, Chile, Bolivien, Peru und Paraguay. Nach drei Monaten ging es in die USA mit einem Abstecher nach Kanada. Der nächste Flug führte sie über den Pazifik nach Australien und Neuseeland. Nach weiteren sechs Wochen verbrachte sie zum Finale noch mehr als zwei Monate in Asien mit Thailand, Kambodscha und Sri Lanka. Und die Höhepunkte? Sie nennt Brasilien mit Rio und den Iguaçu-Wasserfällen, Chile mit der farbenfrohen Kleinstadt Valparaíso und der Atacama-Wüste sowie Thailand.

Aus all diesen Eindrücken und vielen Fotos von entlegenen Orten hat Barbara Riedel das Buch „Meine Weltreise“ gemacht. Es soll nicht ihr letztes Werk gewesen sein. Einen Roman habe sie bereits angefangen, ebenso ein Kinderbuch, zudem sollen mehrere Sachbücher oder Ratgeber zum Thema Reisen folgen. „Und ich möchte gerne über meine zweite Heimat Sizilien schreiben“, sagt sie. Ein wirkliches Zuhause gibt es für sie als „Nomadin“ aktuell nicht. Die erste Heimat bleibt aber Kelkheim, wo sie aufgewachsen ist, ihre Eltern noch wohnen und sie früher beim Tanz-Sport-Club Fischbach aktiv war. Mit ihrem Zuhause verbindet die Schriftstellerin auch ihre Lieblingsautorin – Nele Neuhaus. Die Bestseller-Schreiberin aus dem Taunus ist ebenso ihr Favorit wie Cornelia Funke und Ken Follett. „Ich liebe Bücher“, schwärmt Barbara Riedel ganz allgemein. Leider bleibe ihr bei der vielen PC-Arbeit kaum Zeit dafür. Sie habe als Teenager schon Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben und erinnert sich an den einprägsamen Satz ihrer Deutschlehrerin: „Eigentlich hätte ich dir eine 5 geben müssen, weil du das Thema vollkommen verfehlt hast, aber dein Stil ist so gut, dass ich dir eine 3 geben musste.“ Und ergänzt: „Ich glaube, ich habe einfach schon immer gerne geschrieben, mir allerdings nie Gedanken gemacht, dass ich das beruflich tun könnte.“

Wenn sie nun in die Heimat zurückkehrt, ist die Freude groß – das Lampenfieber vor der Lesung aber ebenso. „Ich darf gar nicht darüber nachdenken.“ Doch wenn sie beim Lesen in die bereiste Welt zwischen Brasilien und Sri Lanka eintaucht, dürfte die Nervosität schnell verfliegen – zumal sie auf viele bekannte Kelkheimer Gesichter treffen wird.

(wein)

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