Verkehrsberuhigte Zone

Anwohner freuen sich über neue Hauptstraße in Kelkheim

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Die Hauptstraße, die nun eine verkehrsberuhigte Zone ist, erhält für die Optik und den Zeitplan großes Lob. Doch es gibt auch schon Verbesserungsvorschläge wie Details bei den Parkplätzen und der Beschilderung.

Ben (8) und sein Bruder Tim (6) sind glücklich. Endlich können sie vor ihrer Haustür mal Rad fahren – mit den gleichen Rechten wie ein Autofahrer. Denn die Hauptstraße ist seit wenigen Wochen eine verkehrsberuhigte Zone, dort gilt Schrittgeschwindigkeit und ein Miteinander von Autofahrern, Radler sowie Fußgängern. Ben findet das klasse: „Hier kann man nun besser mit dem Roller und dem Rad lang fahren.“ Außerdem sei sein Schulweg nun sicherer. Fachmännisch hat der Bub aber einen Verbesserungsvorschlag: „Die Parkplätze auf beide Seiten setzen, weil die Autos hier immer noch so viel Platz haben, um da lang zu brettern.“ Seine Eltern nicken, die verkehrsberuhigte Zone „werde noch nicht so beachtet“, wissen Michael und Kevin Preis. Der kleine Tim findet es aber schon gut, „dass man hier nicht so schnell fahren kann“.

Doch das haben längst nicht alle Fahrer begriffen. Einige Kelkheimer müssten sich noch an die Schrittgeschwindigkeit „gewöhnen“, sagt Bürgermeister Albrecht Kündiger beim kleinen Einweihungsfest bei Bretzeln, Saft und Radler. „Da werden wir noch ein bisschen nachhelfen“, kündigt er Kontrollen des Ordnungsamtes an. Ansonsten ist Kündiger mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Straße mit grauem Betonpflaster wurde vier Monate früher fertig, hat 1,1 Millionen Euro gekostet, wovon die Stadt dank der Lage im Sanierungsgebiet nur etwa ein Drittel zahlen muss. „Und es hat so gut wie nie Konflikte gegeben“, lobt er die Kooperation mit der Baufirma. Dass zuvor die Bürger beteiligt wurden und auf ihre Anregung die verkehrsberuhigte Zone entstanden ist, sei ein gutes Verfahren gewesen. Noch dazu gab es neue Wasserleitungen und Kanal-Hausanschlüsse, ohne dass die Anwohner einen Anteil zahlen mussten, betont Kündiger.

Die meisten Anwohner können ihm zustimmen, vor allem die Optik der Straße kommt an. „Sie gefällt mir gut“, sagt Sabrina Kraus. Allerdings sei es ärgerlich, wenn oft die Einfahrten zugeparkt werden. Zu viele Raser sieht sie nicht: „Die fuhren früher 50, heute wenigstens nur 30.“ Auch Martina Liebisch-Jünger ist zufrieden. Sie wohnt in der kleinen Seitenstraße, der ehemaligen Tränkgasse. Dort seien Löcher gewesen, der Kanal zerfallen und ein Sanierungsfall. „Das Stadtbild hat gewonnen“, lobt sie und wünscht sich wie viele andere Bürger noch etwas mehr Grün. Bei der Befragung der Bürger war die Resonanz aber zu gering, um separate Pflanzinseln an der Straße zu pflegen. Martina Liebisch-Jünger wurde sich zum Beispiel um Pflanzen auf dem Platz an der Stadtkapelle kümmern.

Der ist nicht nur Treffpunkt beim Einweihungsfest, sondern auch noch ohne Namen. Bürgermeister Kündiger ruft die Kelkheimer auf, Vorschläge zu machen. Zwei gibt es schon beim Fest. Birgit Gröger schlägt „Peter-und-Paul-Platz“ vor, weil die Kapelle ihnen geweiht ist. Stadtarchivar Dietrich Kleipa wiederum kann sich „Kadelcamp-Platz“ gut vorstellen. Das ist die erste Bezeichnung Kelkheims um 880 – und die Fläche hier mit früher Rathaus, Schule sowie heute der Kirche sei ja so etwas wie die „Keimzelle“ des Ortes.

Gröger indes trauert der Idee nach, im ehemaligen Polizeigebäude am Platz das Museum unterzubringen. In diesem Zuge gab es auch die Idee, die wenig genutzte Kapelle zu profanisieren und als Ausstellungsraum zu nutzen. Die Pläne sind vom Tisch, die Kirche bleibt wie sie ist, weiß Norbert Weck aus dem Pfarrgemeinderat. Schließlich sei hier mittwochs der Wochentagsgottesdienst mit den meisten Besuchern, regelmäßig über 30, kann er berichten. Von der Optik durchaus angetan sind auch Katja Will und Michael Klewinghaus. Mit einem Haken: Vor einigen Häusern hat der Planer kleine Zwischenflächen mit Kopfsteinpflaster gesetzt. Das sehe nicht schön aus und sei schwerer zu reinigen, finden sie. „Es war vor allem etwas anderes beschlossen“, verweist Klewinghaus auf das Votum der Politik, lobt aber ebenso die Arbeit der Firma und vor allem deren Tempo.

Gegen diese Flickschusterei kann der Bürgermeister nichts mehr machen. Dafür sollen aber noch Sitzgelegenheiten auf den Platz kommen, während eine neue Farbe für die Parkplatz-Markierungen auf dem Boden wohl nicht sinnvoll scheine. Auch die Kritik, die verkehrsberuhigte Zone sei gerade an der Kreuzung Mittelweg nicht so zu erkennen, teilt Kündiger nicht.

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