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Die Statue Justizia. Foto: Peter Steffen/Archiv

Prozess

Audifahrer rammt VW Bus und leugnet – Gutachter entlarvt ihn

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Immer wieder sagen Unfallflüchtlinge, dass sie nichts bemerkt haben und deshalb weitergefahren sind. Gutachter widerlegen das bisweilen, wie auch jetzt bei einem Parkrempler in der Kelkheimer Innenstadt.

Bereits zum zweiten Mal musste sich das Königsteiner Amtsgericht mit einer Unfallflucht in Kelkheim befassen. Beim ersten Mal hatte die Beweislage nicht ausgereicht, jetzt gab es beim Gericht keine Zweifel mehr daran: Der 45-jährige Österreicher hat beim Einparken in der Wilhelm-Dichmann-Straße am 13. März 2017 einen VW-Bus gerammt, dabei einen Schaden von 1400 Euro verursacht und sich danach aus dem Staub gemacht.

Klarheit hatte aber erst die Hinzu-ziehung eines Unfallanalytikers ge-bracht. Der war zu dem Schluss gekommen: Gesehen haben muss der Fahrer den Zusammenstoß zwar nicht. In jedem Fall aber musste er ihn hören und vor allem spürbar. Das Gericht konnte der Experte damit überzeugen, den Angeklagten und seinen Verteidiger dagegen nicht. Letzterer war aber ziemlich verschnupft, weil seine Forderung, das Verfahren einzustellen, bei der Amtsanwältin kein Gehör gefunden hat. Er hat sogar, was ziemlich einmalig sein dürfte, wegen der Aussicht auf Misserfolg auf sein Plädoyer verzichtet.

Gleichwohl hatte der Angeklagte noch Glück: Üblicherweise werden bei Unfallflucht mit Fremdschäden ab 1400 Euro Führerscheine entzogen. Weil die Sache aber schon ein Jahr zurückliegt und der Mann in der Flensburger Punktekartei zwischenzeitlich nicht erneut aktenkundig geworden ist, müsse nicht mehr zwingend von einer Ungeeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeugen ausgegangen werden, so dass auch ein Fahrverbot von drei Monaten ausreichend ist, urteilte das Gericht. Dazu kam eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 85 Euro (5100 Euro). Diverse Voreintragungen wegen zu hurtiger Gangart mit Fahrverboten missfielen dem Gericht jedoch sehr. Die Einträge des Mannes im Fahreig-nungsregister zeigten, dass er sich „nicht all zu doll an die Verkehrsre-geln hält“, sagte die Amtsanwältin.

Der Angeklagte hatte eingeräumt, am fraglichen Tag zur fraglichen Zeit in der Wilhelm-Dichmann-Straße von links in den „Schrägparker“ eingebogen zu sein, vor dem VW-Bus und hinter einem Handwerkerauto. Er will „ganz normal“ eingeparkt haben, danach in eine nahegelegene Drogerie gegangen und danach weggefahren sein. Dabei könne er sich noch an einen Handwerker erinnern, der an seinem Auto gestanden und „in ein Brötchen gebissen habe“. Wenn es zu einem Unfall gekommen wäre, hätte der ihn wohl angesprochen.

Das hat der Zeuge in der Tat nicht und er weiß auch nicht, warum er den Audi-Fahrer nicht angesprochen hat. Gehört habe er den Unfall nämlich sehr wohl. Auch will er gesehen haben, dass der Fahrer ausgestiegen sei und sich die hintere linke Ecke des VW-Busses und die rechte Front seines Audi angeschaut hat und danach zum Einkaufen gegangen ist. Außerdem berichtete der dem Gericht sehr glaubwürdig erscheinende Zeuge auch, dass der Angeklagte nicht nach links in die enge Parklücke eingebogen ist, sondern nach rechts.

Das hat später auch Unfallsachverständiger Alexander Scheiber anhand der Spurenkarten der Polizei festgestellt. Mehr noch: Er sagte, dass Schäden, wie die am VW-Bus, selbst in einem Wagen der

Oberklasse

nicht überhört werden können. Der Fahrer müsse den Anprall zwar nicht zwingend gesehen haben, wenngleich es ihm bei seiner langjährigen Fahrerfahrung nicht verborgen geblieben sein dürfte, dass die Lücke für den breiten Audi A6 Kombi schon recht eng war. Auch wenn es letztlich kein schwerer Zusammenstoß gewesen sei, so habe er doch zwingend Querbeschleunigungskräfte entwi-ckelt, die man mit dem Gleichge-wichtsorgan und durch die Massen-trägheit des Körpers einfach spüren müsse. Gutachter sprechen hier gerne vom „Popometer“, dem so etwas in der Regel nicht entgeht.

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