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Mit einer Drehleiter versuchten die Wehrleute von oben die Reste des Feuers in dem schon verkohlten Dachstuhl zu löschen.

Kinder gerettet

Brand auf dem Rettershof: Zwei Pferde sterben auf der Flucht

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Der Brand auf dem Rettershof hat weit über das historische Hofgut hinaus für Aufregung gesorgt. 40 Tiere können gerettet werden.

Der Wind wehte aus nordwestlicher Richtung am gestrigen Vormittag. Bis hinunter in den Kelkheimer Stadtteil Münster roch es verbrannt, sogar im benachbarten Liederbach konnte empfindliche Nasen den Geruch noch wahrnehmen. Dass es sich um ein großes Feuer handeln musste, das musste allen klar sein, die in der Nacht die Sirenen gehört hatten, und das waren nicht nur die Kelkheimer. Denn relativ schnell wurden Einsatzkräfte aus den Nachbarorten herbeigeholt. Feuerwehren aus praktisch allen Nachbarorten kämpften auf dem Rettershof mit den Flammen, auch aus dem Hochtaunuskreis kam Unterstützung. Im Einsatz waren auch die Tierrettungsgruppe und die Höhenrettungsgruppe des Main-Taunus-Kreises, das Technische Hilfswerk und der Malteser Hilfsdienst.

Im Blickpunkt aller steht zuerst immer die Rettung von Menschenleben. Zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren, die im Heu übernachtet hatten, konnten das Gebäude selbstständig und unverletzt verlassen. Zwei Mitarbeiter der G&G Reitsport GmbH wurden leicht verletzt, als sie die 40 Pferde aus dem Erdgeschoss des brennenden Gebäudes holten. Die Bewohner von zwei Wohnungen in dem Gebäudekomplex wurden evakuiert und im benachbarten Schlosshotel untergebracht. „Unter den Feuerwehrleuten gibt es keine Verletzten“, freut sich Feuerwehrsprecher Stefan Kunisch.

Für die 42 Pferde kann man das nicht sagen – die in Panik geflüchteten Tiere hielten die gesamte Umgebung in Atem. Eines stieß mit einem heraneilenden Feuerwehrauto zusammen und kam dabei ums Leben, das Feuerwehrauto ist fahruntüchtig. „Ein weiteres Pferd erlag auf der Flucht seinen Verletzungen und konnte nur noch tot auf einem Acker aufgefunden werden“, so gestern Polizeisprecher Johannes Neumann. Sechs Tiere wurden in die Hattersheimer Pferdeklinik gebracht, ihnen geht es aber inzwischen wieder gut.

Alle Pferde sind mittlerweile auch wieder eingefangen. Die Tiere seien anfangs sehr aufgeregt gewesen, hätten sich aber schnell wieder beruhigt, so Reitstall-Betreiber Erich Geier. Es war aber ein langer Weg, bis alle in irgendwelchen Ställen untergebracht waren. Bei der Suche war sogar ein Polizeihubschrauber eingesetzt worden. In Eppstein wurden Tiere aufgefunden, andere in Königstein, unter anderem auf dem Friedhof und bis hinauf zur Billtalhöhe. Straßen um den Rettershof waren gesperrt worden, um Kollisionen von Pferden mit Autos zu verhindern.

„Das ist das schlimmste was einem Pferdestall passieren kann“, ist Betreiber Geier genauso schockiert wie die Pferde selbst. Er ist zwar froh, dass alle Tiere versorgt sind, und auch wild entschlossen, dass es am Rettershof weiter gehen soll mit dem Reitbetrieb. Womöglich könnten sogar die Einstellboxen im Erdgeschoss des Gebäudes bald wieder genutzt werden, hofft er. Auch die Feuerwehr geht nicht zwingend davon aus, dass der Gebäudetrakt komplett abgerissen werden muss.

Zunächst aber muss die Bausubstanz untersucht werden. Daran war gestern noch nicht zu denken; vielmehr war die Feuerwehr damit beschäftigt, glimmende Heuballen aus dem Gebäude zu ziehen und abzulöschen. Derweil gingen aus dem ganzen Kreisgebiet schon lobende Worte über den Einsatz der Feuerwehren und erschrockene Reaktionen auf das Schicksal des Gebäudes und der Pferde ein. Zahlreiche Hilfsangebote hat es gegeben, vor allem zur Suche nach den Pferden und deren Versorgung. „Ich bin ganz entsetzt“, schrieb die Schriftstellerin Nele Neuhaus, die den Rettershof ja auch zu einem Schauplatz einer ihrer Romane gemacht hatte.

Reagiert haben auch die Veranstalter des Rheingau-Musik-Festivals, das regelmäßig auf dem Rettershof zu Gast ist. Sie haben die für den 13. und 14. Juli geplanten Veranstaltungen in die Hofheimer Stadthalle verlegt. Dass der Rettershof mit seinem Ambiente eines Tages als Veranstaltungsort wieder zur Verfügung steht, darum müsste sich die Stadt Kelkheim kümmern. Freilich beginnt dies mit Gesprächen mit der Versicherung – und die sollen schon im Falle des abgebrannten Atzelbergturmes nicht einfach gewesen sein.

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