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Ob er in seinem Büro gerade an seinen Job denkt? Gut möglich, denn Albrecht Kündiger ist gerne Bürgermeister in Kelkheim.

Bürgermeister Albrecht Kündiger

Bürgernähe, B 8-Protest und Boateng

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Albrecht Kündiger ist sehr gerne Rathauschef, kriegt manchmal zu wenig Schlaf, braucht derzeit aber keinen Ersten Stadtrat.

Heute wird Bürgermeister Albrecht Kündiger 60. Bekannt ist vieles über ihn. Hier der Versuch, die eine oder andere unbekannte Seite kennenzulernen. Kündiger über . . .

  . . .die 60: Sein Alltagsleben sei so vielfältig, dass er nie die Zeit hatte, darüber nachzudenken. „Man denkt da eher bei Anderen dran.“

  . . . seine Kindheit: „Ich hatte schon immer das Gefühl, ich müsste in Kelkheim was verbessern“, sagt er. Gerne denke er zurück an die vielen Freiflächen zum Spielen und Bolzen, etwa am Stückes oder an der Frankfurter Straße im großen Garten hinter dem Haus. Fußball habe schon damals eine große Rolle gespielt. Sei es beim Kicken auf dem Garagenhof oder beim Besuch der Eintracht für 1,50 Mark, wo er am Stadion noch die Spieler beim Aufwärmen treffen konnte.

  . . . die Initialzündung zur Politik: „Interessiert war ich immer schon – erstaunlicherweise, denn meine Eltern waren ja nicht in der Politik.“ Der Kampf für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in Kelkheim, das in der Alten Schule realisiert wurde, habe ihn aktiv dazu gebracht. Und zwar anfangs bei den Jusos – die sich damals gerade für Probleme jüngerer Leute eingesetzt haben. Als sich über die Friedens- und Anti-Atomkraft-Bewegung die Grünen aus verschiedenen Gruppierungen bildeten, habe er dort „sehr früh den Zugang gefunden“.

  . . . den Damm: Die Besetzung des Dammes bei Hornau als aktiver Protest gegen den Weiterbau der B 8 sei „prägend“ gewesen. Viele politische Mitstreiter hätten sich damals die Frage gestellt, Kelkheim zu verlassen. Für ihn sei das mit dem Damm kein Thema mehr gewesen. Zudem seien danach die Unabhängige Kelkheimer Wählerinitiative (UKW) sowie der Fußballverein Farblos Schneidhain entstanden. Einen derartigen Protest „kann man sich heute nicht mehr vorstellen“, nun gebe es neue Herausforderungen, die für die Jugend deutlich komplexer als damals seien.

  . . .seine Top 3 in Kelkheim: Da habe es schon eine Wandlung gegeben. Soziales und Umwelt seien früher die zentralen Themen gewesen und weiter wichtig. Er sei aber Bürgermeister „für alles“, werde „mit so vielen Alltagsthemen konfrontiert“. Wichtig sei ihm auch sein Wahlspruch der „Mitmachstadt“. Kündiger: „Ich suche das Gespräch mit den Bürgern. Es macht mir sehr viel Spaß, die Leute zusammenzuholen. Dass sie Stadtpolitik als eigenes Thema sehen.“ Für ihn sei samstags der Besuch auf dem Wochenmarkt einfach Pflicht. Und bei allen Entscheidungen sei ein „hoher Transparenzgehalt“ wichtig.

  . . . Minuspunkte: „Es gibt viele Dinge, da merkt man, dass die Macht des Bürgermeisters begrenzt ist.“ Zum Beispiel bei der Verkehrspolitik: Hier merke er, „dass Kelkheim keine Insel ist“ und „man Ziele deutlich herunterschrauben, sie aber weiter im Auge behalten muss“. Er selbst hinterfrage manche Entscheidung und räume ein, hier und da vielleicht nicht so ganz geschickt gehandelt zu haben: „Ich bin nicht glücklich über die Zuspitzung der Museums-Frage.“ Beim Grundstücks-Theater an der Richter-Schule hätte er sich eine „Konsens-Lösung eher gewünscht“.

  . . . den Bürgermeister-Traum: „Für seine Heimat an der entscheidenden Stelle mitgestalten zu können, ist schon eine tolle Sache und ein Privileg. Ich bin rundum zufrieden damit. Es ist ein gewisses Dankbarkeitsgefühl, dass man die Chance bekommen hat. Ich würde mir wünschen, dass es mir die Bürger anmerken.“ Die UKW habe ihre Ziele nie „kleingeredet“ und immer Verantwortung übernehmen wollen. Dass er und die Fraktion „die prägenden Strukturen ablösen würden, war so nicht zu erwarten“.

  . . . eine zweite Amtszeit: „Ich gehe davon aus, dass ich mit derselben Dynamik und Leidenschaft weitermachen werde. Und habe daher nicht vor, nach der ersten Amtszeit schon aufzuhören.“ Er räumt ein, 2015 auch wegen seines Bekanntheitsgrades gewählt worden zu sein. „Und es war die Stimmung für einen politischen Wechsel da.“

  . . . die größten Herausforderungen: Wichtig sei es, die sinkenden Gebühren der U 3-Betreuung „vertraglich festzumachen“. Er wolle den sozialen Wohnungsbau „weiter vorantreiben“, denn: „Ich möchte kein Kelkheim, wo es sich nur Bestverdiener leisten können zu wohnen.“ Schließlich wolle er weiter Impulse für eine andere Verkehrspolitik geben. „Der Autoverkehr wird so nicht mehr funktionieren.“

  . . .seine Bilanz: „Mit dem Erreichten bin ich nie zufrieden. Die Triebfeder, dass ich mehr erreichen will, wird es bei mir immer geben.“

  . . .einen Ersten Stadtrat: „Es funktioniert auch so. Die Belastung geht schon. Aber eben nur, wenn man vernünftige Mitarbeiter um sich herum hat. Die Verwaltung arbeitet sehr gut. Das war für mich als Quereinsteiger ein ganz großer Vorteil.“ Doch er räumt ein: „Es gibt schon Phasen, wo ich nicht ganz so viel Schlaf bekomme.“

  . . .das politische Klima: Das sei „sehr vernünftig“, in keiner Fraktion gebe es „irgendwelche Stinkstiefel“, alle arbeiteten für Kelkheimer Interessenten. Wichtig sei ihm, die Fraktionen früh einzubinden. „Die heftigen Debatten, die ich mir früher mit Bürgermeister Stephan geliefert habe, die wären heute wohl nicht mehr denkbar.“

  . . . seine Ratgeber: „Meine Kinder bremsen jegliche Gefahr des Abhebens.“ Für so manche Bürgermeister-Entscheidung müsse er sich zu Hause auch rechtfertigen – etwa bei Tempo 30 mit Blick auf bald oder schon Auto fahrende Töchter.

  . . . die Eintracht: „Als langjähriger Fan bin ich begeistert über die Entwicklung. Obwohl ich dachte als die den Boateng verpflichtet haben: Jetzt spinnen sie total.“

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