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Chaos bei Taunusbahn, RB 12 fährt recht stabil

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Von: Frank Weiner

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In Kelkheim fahren noch Diesel-Züge wie dieses neuere blaue Modell. Die alten Wagen (links) sind hier zum Teil geparkt.
In Kelkheim fahren noch Diesel-Züge wie dieses neuere blaue Modell. Die alten Wagen (links) sind hier zum Teil geparkt. © wein

Aber neue Wasserstoffzüge rollen im MTK noch nicht.

Kelkheim/Taunus. Im Hochtaunuskreis hat es schon Krisen-Gipfel gegeben und jede Menge Unmut der Bürger. Landrat Ulrich Krebs hat sich eingeschaltet und von den Vertretern der beteiligten Unternehmen Verbesserungen auf der Regionalbahn-Linie 15 von Brandoberndorf nach Bad Homburg gefordert. Nach diesen Gesprächen wurde angekündigt, dass alle Fahrten mit Ferienende und Schulbeginn möglich gemacht werden sollen - wenn nötig, mit Ersatzbussen. Das Chaos bei der Taunusbahn erhitzt seit Wochen die Gemüter.

Anders bei der Regionalbahn 12, die auch die Main-Taunus-Kommunen Kelkheim und Liederbach bedient. Hier ist bisher das große Durcheinander ausgeblieben. Es sei aktuell nicht so ein zentrales Thema wie im Hochtaunuskreis, weiß Bürgermeister Albrecht Kündiger. Allerdings wolle er die Sache „auf keinen Fall schönreden“. Ihn erreichen ebenfalls Beschwerden über Probleme mit der Beförderung - die aktuell aber nicht so massiv seien wie bei der Taunusbahn.

Dass es „nicht rund“ laufe auch mit dem neuen Betreiber Start Deutschland für die Hessische Landesbahn ist dem Rathauschef aber nicht verborgen geblieben. Immer mal waren Züge wegen Krankheiten bei den Lokführern ausgefallen. Verspätungen seien „an der Tagesordnung“, weiß Kündiger. Das Material müsse aber vorhanden sein. Der Bürgermeister bezieht sich auf Züge älteren Datums, die im Kelkheimer Bahnhof „geparkt“ stehen.

„Die RB 12 lief und läuft ohne wesentliche Probleme stabil“, teilt Kristina Hallmeier, Sprecherin der Regionalverkehre Start Deutschland GmbH, auf Anfrage mit. Wasserstoffzüge seien auf der Strecke noch nicht im Einsatz, hier werden herkömmliche Diesel-Wagen vom Typ Lint als Ersatzfahrzeuge eingesetzt. Aber der Blick geht schon voraus: „Je nach Verfügbarkeit der Wasserstoffzüge werden alle betriebenen Strecken damit befahren. Bis dahin verkehren die Wasserstoffzüge ausschließlich auf der RB 15“, teilt Hallmeier mit.

Durch den Taunus sollte ab Mitte Dezember eigentlich die größte Wasserstoffzug-Flotte der Welt rollen. Aber viele Wagen wurden nicht rechtzeitig geliefert, etliche Verbindungen im Hochtaunuskreis fielen aus. Beim ersten Krisentreffen mit Landrat Krebs wurden mehr Schienenersatzverkehr, bessere Fahrgastinformation und der Einsatz von Servicekräften beschlossen. Nun gab eine zweite Runde mit Zughersteller Alstom, Start Deutschland, Hochtaunuskreis und RMV. „Nach Abschluss der Baumaßnahmen Ende Februar muss jede Fahrt, die für die RB 15 im Fahrplan steht, auch mit einem Zug gefahren werden“, sagt RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Zudem sollen Ende Februar dann ausschließlich die neuen Wasserstoffzüge fahren.

Takt-Studie kommt in politische Gremien

Ziel sei es gewesen, „die desolate Betriebsqualität auf der Linie RB 15 unverzüglich zu verbessern“, vor allem mit Blick auf den Schulbeginn. Zu den fehlenden neuen Zügen kommen ab Mitte Januar dort Bauarbeiten. Für Unmut sorgte noch „die derzeit mangelhafte Fahrgastinformation“. Am ersten Tag nach den Ferien sei das Ersatzkonzept auf der Taunusbahn „deutlich besser angelaufen als erwartet“, sagt Landrat Krebs nach einer Stippvisite.

Nach Angaben des RMV wurden von den bestellten 27 Wasserstoffzügen bislang wegen Engpässen bei der Herstellung nur 8 geliefert. Alstom habe angekündigt, alles in Bewegung zu setzen, um „baldmöglichst eine vollständige und zuverlässige Fahrzeugflotte zur Verfügung zu stellen“. Ursprünglich sollten zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember emissionsfreie weiß-blaue Bahnen auf vier Strecken an den Start gehen. Zeitweilig fuhr im Hochtaunus nur jeder dritte Zug der gelieferten Flotte. Es gab viele Probleme, die bei den Testfahrten im Vorfeld nicht absehbar gewesen seien, teilten Start und RMV mit. Eigentlich sollten rote Züge der Deutschen Bahn dann die noch fehlenden Wasserstoffzüge erst einmal ersetzen. Laut RMV waren sechs dieser Wagen wegen Defekten nicht im Einsatz.

Auf der ruhigeren RB 12-Strecke ist hingegen die Machbarkeitsstudie, die RMV, der Kreis und die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft in Kelkheim und Liederbach vorgelegt haben, ein vieldiskutiertes Thema. Die Untersuchung hält einen schon seit Jahren geforderten 15-Minuten-Rhythmus für machbar. Allerdings sind Umbauten nötig: in Liederbach ein Ausweichgleis für den Begegnungsverkehr der Züge zwischen den beiden Bahnhöfen, in Kelkheim-Mitte ein drittes Gleis mit Bahnsteig. Denn nur bis Kelkheim-Mitte soll der neue Takt gelten, sonst wäre das Nadelöhr als Bahnübergang direkt dahinter noch länger dicht.

Kündiger berichtet, die Studie geht nun zur Beratung in die politischen Gremien in Kelkheim und Liederbach. Ziel soll eine Grundsatzentscheidung sein, den Takt umzusetzen. Insgesamt werde es eine Verbesserung geben, auch wenn die neuen Züge nicht länger seien, so Kündiger. So aber werden die Kapazitäten auf mehrere Zeiten verlagert. Die Stadt Kelkheim will eine Unterführung der Bahnlinie für Fußgänger und Radfahrer bauen lassen. Das müsste sie weitgehend selbst zahlen. Ein höherer Zuschuss der Bahn wäre möglich, wenn die Kommune dafür einen Übergang verschwinden lässt. Gut möglich wäre dies an der Gustav-Adolf-Straße, der Überweg ist immer mal in der Kritik, einen Todesfall hatte es gegeben. Zudem nehmen einzelne Pendler von hier den gefährlichen Weg an den Gleisen zum Bahnsteig, um sich viele Meter zu sparen.

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