Karriere

Wie Christian Barde zum Sicherheits-Spezialisten wurde

Christian Barde wollte eigentlich Maschinenbau studieren. Dann erfuhr er von der Schließung von Eisenwaren Westenberger und trat das Erbe über Umwege an.

„Schlüssel machen wir auch.“ Christian Barde sagt es fast beiläufig. Denn längst machen die kleinen Helfer, zumindest in Privathaushalten bis heute unerlässlich, nur noch einen kleineren Teil des Umsatzes von Schlüssel Barde aus. Doch der Name sei eine Marke, wissen Barde und seine Frau Sabine, weshalb sie ihn auch keinesfalls ändern wollen. Wie der Chef auch mit den Geschäften derart zufrieden ist, dass es genau so weiterlaufen könne. Es läuft – und zwar fast auf den Tag genau ein Vierteljahrhundert. Vor 25 Jahren eröffnete Christian Barde hier in der Stadtmitte Süd sein Geschäft. Das soll nun am Samstag groß gefeiert werden.

Dazu haben Barde und sein einziger Mitarbeiter Roland Schmidt auch allen Grund. Denn sie sind gut im Geschäft, haben Kunden in ganz Deutschlandund viele Projekte: Am Frankfurter Flughafen hat Barde ein Zentral-Gebäude mit der Schließanlage ausgestattet, zudem ein Einkaufszentrum in Hanau, ein Hotel in München und ein großes Flüchtlingsheim in Düsseldorf. Auch in seinem Heimatort Kelkheim ist er sehr präsent. Mit den Schlossereien hier, die das Thema zum Teil abdecken, arbeitet er kollegial Hand in Hand. „Damit die Kundschaft hier in Kelkheim bleibt“, ist dies dem 49-Jährigen wichtig. Mit Service und Fachwissen kann der bei Mercedes Benz gelernte Automobilmechaniker auch dem Internet trotzen. Nach einer Phase der „Geiz ist geil“-Mentalität, höre er seit einigen Jahren zum Glück wieder den Satz der Kunden: „Ich brauche auch Menschen vor Ort, die ich fragen kann.“ Deshalb gab es in den 25 Jahren nie wirklich bange Momente, lief die Firma, konnte sogar lange wachsen.

Personell allerdings nicht: „Ich habe mir geschworen, nie größer zu werden“, überrascht Barde mit einer deutlichen Aussage. Mit seinem Kollegen und viel Enthusiasmus sei das zu meistern, weiß Sabine Barde, die beim Thema „Kreatives Büromanagement“ und ein wenig bei der Buchhaltung hilft. Die Töchter Franziska (15) und Paulina (14) hatte Barde früher immer mal mit dabei, wenn es um die Türöffnungen ging. Hätte er noch einen Jungen, flachst der Chef mit Blick auf seinen Schlüssel-Job, „dann hätten wir ihn Dietrich genannt“.

Türen im Notfall öffnet die Firma nicht mehr. Da hat Barde schon zu viel Ärgerliches erlebt, das sei „eine undankbare Sache“. Es gebe nämlich jede Menge schwarze Schafe in der Branche, die Wucherpreise verlangen. Barde verweist Kunden lieber an seriöse Kollegen. Er hat sich längst anders aufgestellt, wobei ihm das veränderte Bewusstsein der Gesellschaft in die Karten gespielt hat. „Sicherheit ist ein sensibles Thema, die Kunden schätzen ihre Privatsphäre“, weiß er. Gewachsene Kontakte seien da wichtig. So kenne er sicher einen guten Teil der Kelkheimer Häuser. Und in seinen Kundenmappen stecken hunderte Visitenkarten. Ebenso wichtig sei es, mit der Zeit zu gehen. Er zeigt einen Chip für digitale Schließanlagen, mit denen inzwischen viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ausgestattet haben. Der gute alte Schlüssel hat hier ausgedient. Eine der ersten digitalen Anlagen hat die Firma zum Beispiel im Vereinshaus Hornau eingebaut.

In der Stadt ist Barde längst heimisch. Geboren in Freiburg, landete er hier als sechs Jahre alter Bub. Nach der Ausbildung wollte er Maschinenbau studieren, da erfuhr er von der Schließung von Eisenwaren Westenberger (Bahnstraße). Barde erinnerte sich, dass viele seiner Familienmitglieder selbstständig waren – etwa als Kaufleute und Braumeister in Hamburg.

Das wollte er auch. Zwar klappte es mit der Nachfolge in Westenbergers Laden nicht, doch er erhielt Räume in der Stadtmitte Süd – und konzentrierte sich auf die Bereiche Schlüssel, Tresore, Sicherheit. Die Eisen- und Haushaltswaren des Vorgängers wurden aussortiert. Jeden Montag fuhr er nach Köln, um von einem alten Haudegen im Schlüsseldienst zu lernen. Mit Hilfe seines Vaters, eines Produktmanagers, knüpfte er Kontakte. Nach und nach kamen neue Dinge dazu. 2003 wurde mit dem Nachbarladen die Ausstellungsfläche verdoppelt. Wer hereinkommt, sieht Fenster und Türen, Fahrradschlösser neben Schweizer Taschenmessern, Taschenlampen, Briefkastenanlagen, Kassen, Stempel, Feuerlöscher, Batterien und kleine Anhänger. Weil er bei einem Kleinteil so gut sortiert ist, habe ihm ein Kunde mal den Auftrag für 8000 Schließzylinder gegeben, erinnert er sich.

Das Familien-Motto „Carpe diem“ („Nutze den Tag“) gilt auch privat. Sie haben Patenschaften für Tiere im Opel-Zoo übernommen. Ein Ausgleich seien die Sanierungen der Ferienwohnungen seiner Frau im Rheintal und im Schwarzwald, dann viel Sport (Skifahren, Mountainbiken, lange auch Fußball). Für die CDU sitzt Barde seit acht Jahren im Stadtparlament. Ein Wunsch? Bei guter Konjunktur könne die Gewerbesteuer ruhig etwas runter. Gut findet er, dass es in der Stadtmitte Süd keinen Leerstand gibt und bei den Kunden „fast immer Bewegung da ist“.

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