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Das Kelkheimer Museum: So soll’s jetzt weitergehen

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Von: Frank Weiner

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Aufgrund gestiegener Sanierungskosten wurden die Arbeiten am alten Pfarrzentrum Feldbergstraße im Juni gestoppt. Nachdem Einsparpotenziale ermittelt wurden, kann hier das Museumsprojekt wieder vorangetrieben werden - zunächst aber in abgespeckter Form.
Aufgrund gestiegener Sanierungskosten wurden die Arbeiten am alten Pfarrzentrum Feldbergstraße im Juni gestoppt. Nachdem Einsparpotenziale ermittelt wurden, kann hier das Museumsprojekt wieder vorangetrieben werden - zunächst aber in abgespeckter Form. © wein

Erster Stadtrat Dirk Hofmann ist verhalten optimistisch, denn die Preis-Lage am Bau habe sich zuletzt verbessert. Wann das Museumsprojekt im vollen Umfang umgesetzt wird, ist aber offen.

Kelkheim. Eigentlich hatte Dirk Hofmann in der wichtigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung betont, zum Thema Museum sei fast alles gesagt. Und der Erste Stadtrat hatte alles für die wichtige Abstimmung vorbereitet: Nachdem eine Vorlage für einen Vollausbau des alten Pfarrzentrums Feldbergstraße mit gestiegenen Kosten von rund 2,6 auf gut 3,5 Millionen Euro keine Aussicht auf eine politische Mehrheit hatte, arbeitete der CDU-Mann an einem Kompromiss.

Für „kleines Geld“ hatte er ein Fachbüro beauftragen können, noch einmal über die Kalkulationen zuschauen und nach Einsparpotenzialen zu suchen. Das gelang so weit, dass zwei wichtige Teile des Konzepts - der Ausbau des Kellers und des großen Saals - erst einmal gestrichen wurden. Zudem preiste das Büro aber neue Risiken - wie zum Beispiel einen möglicherweise feuchten Keller - ein, so dass Hofmann dem Parlament unter dem Strich eine Vorlage mit Kosten von rund 2,9 Millionen Euro als Kompromiss vorlegte.

Im Haupt- und Finanzausschuss war dieses Papier noch knapp durchgefallen, im Parlament aber gab es eine Mehrheit mit den Stimmen von CDU, SPD und Ivaloo Schölzel (fraktionslos, Freie Wähler). Die FDP und inzwischen wieder die UKW waren ebenso wie die Freien Wähler Kelkheim (FWK) dagegen. Für Hofmann war es an diesem Tag gleich ein Doppel-Erfolg: Denn auch sein erster vorgelegter Haushalt wurde angenommen, wenngleich er sich dort sicher noch etwas mehr Rückendeckung von allen Fraktionen gewünscht hätte. Doch gerade FDP und auch FWK hatten betont, wegen der Gelder fürs Museum eben auch den Etat kritisch zu sehen.

„Wenn man sagt, man will das Projekt haben und den Bürgerentscheid umsetzen, dann hat man keine andere Wahl“, sagt Hofmann auf Anfrage dieser Zeitung nun. Denn der Entscheid hatte Ende 2018 eine deutliche Mehrheit für den Erhalt des Pfarrzentrums samt Einrichtung eines Kulturzentrums mit Museum gebracht. Und es ist nun schon Erleichterung aus Hofmanns Stimme herauszuhören. Vor allem auch Zuversicht: Bereits im Parlament hatte er betont, dass die Lage bei den Baufirmen eine veränderte sei. Die Stadt erhalte auf Ausschreibungen wieder mehr Rückmeldungen, die Preise lägen zum Teil sogar unter den Schätzungen der Planer. „Es kommen wieder Angebote, ich bin überhaupt nicht hoffnungslos.“

So sei es nicht die schlechteste Variante, den Ausbau von Keller und Saal in die „Zukunft zu verlagern“ und zu schauen, dass sich die Preis-Lage weiter bessert. Natürlich gebe es hier Unwägbarkeiten auch mit Blick auf die Weltlage. „Das kann in zwei Wochen schon wieder anders aussehen.“ Deshalb hält sich der Erste Stadtrat auch mit offensiven Prognosen zu einem Zeitplan lieber zurück. Sicher wäre ein Start des neuen Museums im Frühjahr 2024 wünschenswert und vielleicht sogar nicht unrealistisch. „Ich nehme auch alles, was schneller geht“, sagt Hofmann. Doch aufgrund der vielen Fragezeichen steht auch hinter dem Fahrplan noch ein solches.

Mietverträge müssen verlängert werden

Das bedeutet aber für die Stadt, dass sie den Mietvertrag für die bisherigen Museumsräume an der Frankfurter Straße noch einmal verlängern muss. Der läuft bis Herbst 2023 - bis dahin sei die Sanierung des ersten Abschnitts an der Feldbergstraße keinesfalls möglich, weiß auch Hofmann, der nun die Gespräche mit dem Vermieter suchen wird. Aber er habe dort auch noch keine negativen Signale empfangen, dass eine kurzzeitige Fortsetzung nicht möglich wäre.

Gleich zur Jahresbeginn will sich Hofmann mit dem Bauamt und dem Architekten zusammensetzen, um die weitere Planung zu besprechen. Klar ist, und das hat auch das Fachbüro in seiner Analyse vorgeschlagen: Die noch nicht ausgebauten Räume sollen so weit vorgerüstet werden, dass spätere Arbeiten dort nicht bei Null anfangen. Wie das dann genau aussehen wird, ist noch offen. Hofmann kann sich aber zum Beispiel vielleicht auch eine Art „Industrie-Schick“ mit Wänden ohne Putz vorstellen. In jedem Fall aber muss die Planung der technischen Ausstattung im Gebäude an die neue, beschlossene Vorlage angepasst werden.

Klar ist, dass der Museumsverein sich für einen Ausbau des Foyers eingesetzt und dafür auch bereits 50 000 Euro aus seinen eigenen Sponsorengeldern zugeschossen hat. Klar ist auch, dass die Toiletten in den Keller verlegt werden. Der Aufzug soll für Personen nutzbar sein. Doch Hofmann sagt zur Kritik, dann könnten ja keine Möbel - ein Herzstück des Museums und für das Untergeschoss geplant - transportiert werden: Für die nicht ganz so großen Gegenstände wäre das sicher möglich. Und auch in den alten Räumen ganz ohne Lift haben es die Helfer geschafft, große Möbel auszustellen, vergleicht er.

Bewilligte Zuschüsse bleiben erhalten

Erleichtert ist der für die Kultur zuständige Dezernent, dass mit dem Votum der Politik die Zuschüsse fürs neue Museum erhalten bleiben. So habe der Hessische Museumsverband schon zugesagt, die bereits bewilligten Gelder zum Innenausbau auch in das nächste Jahr schieben zu können. Aus dem Investitionsfonds des Main-Taunus-Kreises hat die Stadt rund 480 000 Euro bewilligt und etwa 140 000 schon überwiesen bekommen. Diesen Betrag hätte sie zurückzahlen müssen bei einem „Nein“ des Parlaments zum Projekt, betont Hofmann und kündigt an, dass sich die Kommune 2023 wieder beim Fonds mit dem Museum bewerben werde. Im Zuge der Absage 2022 sei sie zumindest ermuntert worden, dies erneut zu tun. Der Erste Stadtrat sieht zudem mögliche andere Quellen im Bereich der Privatwirtschaft, möchte auf diese aber noch nicht näher eingehen.

Aber er äußert sich zum Verhalten von Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW), der ihm das Museumsprojekt erst übertragen hatte, nun seine Kompromiss-Vorlage aber nicht mittragen wollte. „Ich habe Verständnis für seine Position, weil es ja auch meine ist“, erläutert Hofmann. Denn eigentlich seien beide für den Vollausbau mit Keller und Saal - doch politisch musste eben jetzt dieser Weg her. Wobei die beiden Hauptamtlichen im Rathaus hoffen, dass es nur ein Umweg sein wird und die Stadt auch irgendwann das Kulturzentrum mit Museum haben wird - dann mit dem großen Saal für Veranstaltungen sowie dem Keller samt einem Jugendraum, einer Ausstellung und einem Archiv.

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