Das atmet die 1960er Jahre: Die gefundenen Drehorte setzt Manfred Döring passend in Szene. Zum Beispiel dieses Haus, das er für einen Teil der deutschen Kultserie "Tatort" ausgesucht hat.
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Das atmet die 1960er Jahre: Die gefundenen Drehorte setzt Manfred Döring passend in Szene. Zum Beispiel dieses Haus, das er für einen Teil der deutschen Kultserie "Tatort" ausgesucht hat.

Film

Der passende Hintergrund für einen Mord

Der Fischbacher Manfred Döring sucht Drehorte und gestaltet Szenen für bekannte TV-Formate.

Fischbach -Er gestaltet alles im Bild außer Make-Up und Kostüme. Die Drehorte in und um Frankfurt kennt er so gut wie seine Westentasche. Seine beiden letzten Filme, der Frankfurter Tatort "Wer zögert ist tot" und "Die Ferien des Monsieur Murot" zeigten die vielfältige Schönheit des Rhein-Main-Gebiets. Manfred Döring wohnt in Fischbach. Seinen Beruf empfindet er als Passion - Döring ist als Szenenbildner erfolgreich.

"Ich mache das im Film, was der Bühnenbildner am Theater macht", erklärt der 1966 in Frankfurt geborene Hesse. Der Szenenbildner ist neben dem Produzenten und der Regie einer der ersten, die Zugriff zum Drehbuch haben. Sobald Döring ein solches Drehbuch in seinen Händen hält, arbeitet sein Kopfkino.

Altbauvillen und Wolkenkratzer

"Dann beginnt es zu rattern. Ich kann eine Geschichte romantisch, mondän, kalt, kindlich, bunt oder blass erzählen", sagt der Fischbacher und ergänzt: "Sehen Sie, Frankfurt hat schillernde Ecken, Altbauvillen oder kalte Wolkenkratzer. Je nachdem welche Drehorte man wählt, erscheint die Story in einem anderen Licht."

Den Taunus mag Döring besonders gerne. "Da findet man das Mondäne und das Bodenständige. Da sind tolle Villen. Da gibt es den Rettershof, den ich übrigens immer sehr gerne einbaue."

In Rhein-Main treffen Moderne und Tradition aufeinander, so Döring. Alles kann im Film abgebildet werden: Neureiche Finanzjongleure. Alteingesessener Finanzadel. Firmenmogule, Landwirte.

Döring ist alter Hase der Branche. Seit 25 Jahren ist er im Geschäft. Der Hessische Rundfunk (HR) engagiert ihn regelmäßig. Die berufliche Laufbahn begann bei der Madbox, einer kleinen Produktionsfirma in Frankfurt, "die klassische Stopp-Motion-Filme für das Kinderfernsehen produzierte." Dort arbeitete Döring sechs Jahre. Die Arbeit im Studio führte ihn ein in die Welt der Puppenanimation und Trickfilme.

Erfahrungen, die er bis heute nicht missen möchte, er denkt gerne an diese Zeit zurück. Kreativ veranlagt war Döring schon immer. Er habe an der Technischen Universität in Darmstadt Architektur studiert. "Mittlerweile gibt es allerdings auch spezifische Studiengänge für meinen Job. Ich habe mich damals während des Studiums in Richtung Theater, Film, Kino orientiert." Seine Abschlussarbeit befasste sich mit dem Wiederaufbau eines Opernhauses.

Das Architekturstudium und der Berufsstart in der Trickfilmindustrie machen Döring zu einem breit aufgestellten Branchenkenner mit vielen Kontakten. Geheimtipps lassen den Szenenbildner mit Hilfe seiner Locationscouts originelle Drehorte aufspüren. In Königstein und Kronberg mietete man kürzlich alte Villen in elitärer Wohnlage. Und auch in Kelkheim wurde man im schicken Viertel "Adolfshöhe" fündig.

"Die Villen in Königstein und Kelkheim standen leer. Die Erben genehmigten den Dreh." Die Häuser passten in ihrem Look zu den Filmen. Innen musste man jedoch Hand anlegen. "Da werden dann schon mal Fliesen rausgeklopft, Böden und Wände verändert und alles ganz anders gestaltet."

Die Wahl der Einrichtung obliegt ebenso wenig dem Zufall. Jedes Detail muss stimmen. Die Kunstwerke im letzten Krimi-Haus stammen aus den Händen des Kelkheimer Künstlers Utz Schoris. "Seine besonderen Bilder passten einfach hervorragend", sagt Döring. Häuserschluchten, Penthouse-Wohnungen und Glasfassaden machten einen Film kalt und ungemütlich. Altbauwohnungen im Frankfurter Westend vermittelten Mondänität. Die exklusiven Taunusvillen vereinen Wohlstand und Historie.

Einfach mal nur ein Dixi-Klo

Die Filmausstattung sei nicht nur bei Krimiproduktionen interessant. Manfred Döring war auch für die atmosphärische Ausgestaltung der letzten drei "Die wilden Kerle"-Kinofilme verantwortlich. Er betreute fünf der sechs Kinofilme "Die fünf Freunde". Dreharbeiten führten ihn in entlegenste Destinationen Tunesiens.

Seine Arbeit beschreibt der "Filmarchitekt" als spannend und herausfordernd zugleich. "Es gibt immer wieder Dinge, da denkst Du, wie soll ich das umsetzen?" Ein Einsatz an der Ostsee fällt ihm dabei ein. "Das Fünf-Freunde-Hauptquartier sollte ein altes Schiffswrack an der Küste der Ostsee sein. Da war Fantasie gefordert." Letztlich fügte man aus mehreren Drehorten - im Wasser, an Land und in einem Hafen - das Gesamtbild zusammen.

Zurzeit arbeitet Döring an Land. In Frankfurt. Auf die imposante Frankfurter Skyline verzichtet er diesmal. "Alles spielt in einem Dixi-Klo". Auch diese Location wird der Szenenbildner bestimmt meisterhaft in Szene setzten.

Wie man während der Pandemie fürs Fernsehen dreht

Auf die Dreharbeiten rund um die Covid-19-Pandemie befragt, antwortet Döring: "Das war alles sehr schwierig. Im März 2020 kam zunächst einmal alles ins Stocken. Da gab es den abrupten Stopp." Erst im Sommer habe man dann wieder langsam und unter strikten Hygieneauflagen die Filmarbeiten aufgenommen. Bis heute dürfen sich die Mitarbeiter nur in kleinen Gruppen am Drehort aufhalten. Die Kommunikation mit Mitarbeitern, die man nicht mehr so einfach am Set trifft, läuft per Zoom, Telefon und Whatsapp. Finanziell sei er dank seiner Zusammenarbeit mit dem HR-Fernsehen noch recht gut durch die Pandemie gekommen, so Döring. Doch auch er spricht von rund 50 Prozent Einkommenseinbußen. "Ich darf mich aber nicht beklagen. Es gibt Kollegen in der Kunst- und Kulturszene, die ihre Möbel verkaufen, um sich von dem Geld Lebensmittel kaufen zu können." Er findet, dass Kultur- und Kunst zu lange vergessen wurden. Neben der Politik sieht er wohlhabende, erfolgreiche Kollegen in der Pflicht. "Warum schaffen sie keinen Fonds, um denen, deren Existenz bedroht ist, zu helfen?"

Manfred Döring kennt die besten Drehorte.

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