Immer einsatzbereit: Sonja Scheible ist die neue Leiterin der Kelkheimer Polizeistation.
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Immer einsatzbereit: Sonja Scheible ist die neue Leiterin der Kelkheimer Polizeistation.

Neue Polizei-Leitung

Die drei sichersten Orte im Main-Taunus-Kreis

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Sonja Scheible ist neue Leiterin der Kelkheimer Ordnungshüter. Sie will die Institution noch "sichtbarer" machen - und erzählt von ihrer ungewöhnlichen Biografie.

Kelkheim -In Niederrad hätte ihr beruflicher Weg zwei Richtungen nehmen können. Auf der Rennbahn war Sonja Scheible als Jockey aktiv, wurde mit 15 per Ausnahmegenehmigung eine der jüngsten Rennreiterinnen überhaupt und feierte mit einer schon abgeschriebenen Stute ihren größten Sieg. Doch die Trainerin habe gewarnt: Profi-Jockey zu werden, das bedeute eben, auch ein Leichtgewicht zu bleiben. Sonja Scheible entschied sich gegen diesen Beruf und für einen anderen besonderen Job, der mit Niederrad zu tun hat.

Dort lebte sie mit der Familie. Sie war etwa zehn Jahre alt, als im Haus eingebrochen wurde und sie erstmals in Kontakt mit der Polizei kam. Die Kollegen seien derart "kommunikativ, freundlich und offen" gewesen, dass sie bald danach wusste: "Ich will auch zur Polizei." Da ihr Vater beim Zoll war, wurde der positive Eindruck noch bestärkt - und Scheible machte Karriere bei den Ordnungshütern. Seit dem 1. Juli ist sie nun die neue Leiterin der Polizeistation in Kelkheim.

Ist sie nach einem Jahr wieder weg?

Freundlich und offen, wie ihre Vorbilder damals, so begrüßt sie den Reporter schon am Eingang. Und rückt gleich mit einem kleinen "Aber" heraus: Ihre Aufgabe sei zunächst auf ein Jahr ausgelegt, allerdings mit einer Option auf Verlängerung. Mittelfristig sieht die 50-Jährige schon ihre Perspektive wieder im Hochtaunuskreis, wo sie lange im Einsatz war - zuletzt als Stellvertretende Stationsleiterin in Bad Homburg und Leiterin für Einsatz und Organisation. Somit hat Kelkheim nach den recht kurzen Engagements von Jörg Schmidt (zwei Jahre), Uwe Schweizer (knapp ein Jahr) und Olrik Orzelski (zweieinhalb Jahre) nun wieder perspektivisch eine Leitung auf Zeit. Wobei Scheible dies sehr bewusst ist und das "für die Kollegen nicht einfach" sei. Deshalb wünscht sie der Station auf längere Sicht gesehen eine kontinuierliche Führung, denn "die ist sehr wichtig".

Sie will Aktionstage kreativ begleiten...

Für die zweifache Mutter aus Usingen, deren Tochter auch bei der Polizei ist, liegen allerdings die Wurzeln im Hochtaunuskreis. In Usingen wohnt sie. In Bad Homburg fing sie nach vier Jahren Elternzeit ihren ersten Job im Streifendienst an, war zeitweise in Oberursel, in der Direktion und in der Führungsgruppe. Auf Kelkheim freut sie sich dennoch sehr. Sie sei "sehr gut" aufgenommen worden. "Die Dienststelle ist sehr angenehm, die Mitarbeiter haben mich offen und herzlich empfangen", sagt Scheible über das "Highlight meiner Laufbahn".

Auch das Gebiet mit Kelkheim, Eppstein und Liederbach sagt ihr zu. Denn das sind seit Jahren die drei sichersten Orte im Main-Taunus-Kreis. "So soll das bleiben", sagt sie mit voller Überzeugung. Und möchte dafür mit ihrem Team von rund 30 Kräften einiges tun. Sie habe im Gebiet "keine Auffälligkeiten" festgestellt. So könnte es etwas Luft geben für präventive Projekte, die ihr sehr wichtig sind. Das soll bei Sonderaktionen der Polizei passieren, demnächst zum Beispiel mit der Woche zum Thema "Fahrrad und Co.". Die Station werde sich Initiativen überlegen, um das Bewusstsein für die Fahrradfahrer zu schärfen, kündigt sie schon an.

... un mit Jugendlichen ins Gespräch kommen

"Wir wollen das positive Bild von der Polizei wieder in den Vordergrund rücken", so Scheible. Dabei soll die Institution wieder "anfassbar sein für die Bürger". Das sei mit einem kleineren Personalstamm ein "hehres Ziel", weiß sie, hat aber bereits eine Vorstellung: So könnte eine Zusatzstreife ohne festen Auftrag im Gebiet unterwegs sein, sehr gerne auch zu Fuß - etwa an Marktplätzen, Schulen oder Treffpunkten von Jugendlichen. Gerade junge Leute zu "sensibilisieren", sie auf Themen wie Müll oder Sachbeschädigung anzusprechen - das wären vorstellbare Aufgaben.

"Wir wollen sie nicht vertreiben, sondern mit ihnen ins Gespräch kommen", betont sie und nennt wichtige Schlagworte ihrer Philosophie: "Kommunikation und Transparenz". Dass die Stadt Kelkheim mit Nachtstreifen ihren Teil beisteuert, "das wird von den Kollegen sehr positiv gesehen". Sie würden zum Beispiel bei Fällen von Ruhestörungen die Polizei sehr entlasten.

Ein oft propagiertes, negatives Bild der Polizei sei in Kelkheim im Team "nicht wirklich spürbar", sagt Scheible. Wenn 98 Prozent "ihre Arbeit richtig gut" machen, Vorurteile aber an den restlichen 2 Prozent hochkochen, "das frisst natürlich", weiß sie. In diesem Fall ist Scheible noch in einer Sonderrolle für die Kollegen im ganzen Polizeipräsidium Westhessen da. Sie gehört zu einem Team der internen Ansprechpartner für soziale Probleme, bietet eine Sucht- und Schuldnerberatung. "Da ist Handlungsbedarf", hat sie 2008 festgestellt, die Zusatzqualifikationen erworben und ist seitdem eine der erfahrensten Kräfte.

Früher war sie Jockey, heute Hobbyreiterin

Auch wenn sie eine Polizistin mit einer Doppelrolle ist - Scheible kann das vom Privaten trennen. Dort ist sie weiter als Hobbyreiterin unterwegs, fährt gerne Fahrrad und Ski, klettert und ist mit ihren Inlineskates auf Touren. Vor Jahren, im langen USA-Urlaub, vermischte sie Privates und Dienstliches mal kurz miteinander und ließ sich mit der Familie durch die Polizeistationen in Honolulu auf Hawaii und San Francisco führen. Zwei Kleidungsstücke an der Wand in ihrem neuen Kelkheimer Büro sind stille Zeugnisse dieser belebten Zeit.

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