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Die Mutter des Staufen-Riesen und Bleistift-Königs

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Von: Frank Weiner

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Zufriedene Jubilarin: Uta Franck liest auch immer mal wieder gerne in einem ihrer bekanntesten Bücher: „Sagenhafter Main-Taunus“ aus dem Societäts-Verlag.
Zufriedene Jubilarin: Uta Franck liest auch immer mal wieder gerne in einem ihrer bekanntesten Bücher: „Sagenhafter Main-Taunus“ aus dem Societäts-Verlag. © wein

Die Kelkheimer Autorin Uta Franck hat bereits 18 eigene Bücher geschrieben. Auch am 80. Geburtstag ist sie voller Tatendrang.

Kelkheim -„Es ist wahr und es ist nicht wahr, vor langer Zeit wohnte auf dem Staufen ein mächtiger Riese, der das Gebiet rings um seinen Berg beherrschte. Sein Einfluss reichte weit über die Königsteiner, die Eppsteiner Burg hinaus.“ Eines Tages ergriff er Friederike, das schöne Fräulein von Falkenstein, und hielt sie am Berg gefangen. Keiner traute sich, sie zu retten - nur ein mutiger Ritter, der aber vom Riesen zu Stein gezaubert wurde. Deshalb heißt eine Staufen-Erhebung heute Mannstein. Friederike aber nutzte die Verwirrung zur Flucht.

Es ist eine typische Sage, die sich rund um Kelkheim rankt. Und es gibt viele mehr davon im Main-Taunus. Die Frau, die solche Erzählungen für die Nachwelt festgehalten hat, heißt Uta Franck. 18 eigene Bücher hat sie geschrieben, dabei einen Schwerpunkt auf die Märchen und Sagen gelegt. „Märchen sind das Erste, was ich selbst gelesen habe.“ Viel habe es nach dem Krieg nicht gegeben, ein Märchenbuch schon. Heute feiert Franck ihren 80. Geburtstag und kann sagen: „Märchen sind unglaublich vielseitig, sie enthalten alle Themen des Lebens.“ Der Weg sei hier die Lösung - auch für die Autorin, denn hier könne sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. So wie in ihrem ersten Märchen „Das neugierige Nichts“, in dem aus dem kleinen Mädchen, das eigentlich „Nichts“ darstellte, mit viel Mut und freien Gedanken eine Prinzessin samt Hochzeit im Schloss wird. In ihrem Band „Sieben Tage, sieben Nächte“ greift sie mit dem Märchen „König Bleistift“ sogar den Klimawandel aktuell auf.

Autor Karl Krolow wurde Francks „väterlicher Berater“

Eine schwere Zeit, eine „Lebenskrise“, wie sie offen sagt, war es vor knapp 40 Jahren, die Franck zum Schreiben brachte. Sie hatte den Drang, alles aufzuschreiben, „das hat mir geholfen“. Die ersten Gedichte entstanden, so wie jenes der mutigen Königin, die in ihr erstes Buch „In mir ist eine Königin“ mündeten. Franck hatte ihre Leidenschaft gefunden und begann, mit Mitte 40 Germanistik zu studieren. Vormittags arbeitete sie als Lehrerin. „Da gibt man ab vom eigenen Wissen.“ Beim Studieren habe sie einfach zuhören können. Ihren Beruf aber wollte sie nie missen, hatte Biologie und Geografie studiert, war mehr als 30 Jahre am Kelkheimer Privatgymnasium Dr. Richter beschäftigt. Sie sei eine Lehrerin gewesen, die Fleiß belohnte, betont die Jubilarin. Bekannt wurde sie in Kelkheim aber vor allem als Autorin. Der Darmstädter Dichter Karl Krolow wurde ihr Mentor. Sie kannte seinen Namen, stand eines Tages einfach vor seiner Haustür und klingelte. Als „väterlicher Berater“ habe er sie stets bestärkt. „Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich wieder aufgehört“, sagt Franck heute.

Viele ihrer Leser werden aufatmen, dass es nicht so gekommen ist. Als Höhepunkte ihrer Karriere sieht sie schon den Band „Kelkheimer Märchen und Sagen“ sowie das Werk „Sagenhafter Main-Taunus“, in dem sie im Kreis Geschichten sammelte und mit ihrer eigenen Note erzählte. Das jüngste Buch ist der Gedichtband „Lerne mich selbst nicht zu sehr auswendig“ von 2020. Doch mit 80 wird es keine Zäsur geben: Ihr aktueller Roman hat den Arbeitstitel „Ritter Blaubart in der heutigen Zeit“ und könnte 2023 erscheinen. Sie sei „voller Tatendrang“, habe die eine oder andere Idee und schon angefangene Manuskripte. „Das hält ja auch jung. Der Verstand ist ja noch wendig.“

Die Gründerin der Kelkheimer Autorengruppe denkt nicht ans Aufhören

Das wird die Kollegen freuen, denn Franck ist die Gründerin der Kelkheimer Autorengruppe, die seit 33 Jahren besteht. Die Leitung hat sie abgegeben an Volker Erdelen, doch sei das Team „lebendiger denn je“. Einmal in der Woche schreiben die Mitglieder spontane Geschichten zu einem eingeworfenen Thema und besprechen sie. Zudem hat sie mit Paul Pfeffer und Regina Berlinghoff lange das „Ost-West-Sofa“ präsentiert, auf dem Autoren aus den alten und den neuen Bundesländern Platz nehmen durften.

Heute feiert Franck mit ihren Mitstreitern der Autorengruppe auch den runden Geburtstag. Was sie sich wünscht? So gesund zu bleiben, „dass es mit dem Schreiben weitergeht“. Denn sie führe ein zufriedenes Leben mit ihrem Partner Peter Beuchelt, selbst Künstler und einer ihrer ersten Kritiker, sowie der Familie mit zwei Kindern und zwei Enkeln. Geboren ist sie in Meldorf in Holstein in einer Lehrerfamilie - ihr Vater, der noch vor ihrer Geburt im Krieg fiel, die Mutter und deren zweiter Mann, allesamt waren sie Pädagogen. Dass es auch schwere Jahre waren, schildert Franck in ihrer Autobiografie „Im Land zwischen den Meeren“.

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