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Wie Dokumentarfilmer Peter Weinert für bedrohte Völker kämpft

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Nach rund 70 Filmen ist Peter Weinert im Ruhestand – allerdings führt er privat Gruppen noch rund um den Globus.

Die Pygmäen sind Waldmenschen im Grenzgebiet Kamerun-Kongo. Peter Weinert, langjähriger Kelkheimer Dokumentarfilmer, hat sie besucht. Obwohl der 68-Jährige in seiner Karriere rund 70 Filmreisen unternommen hat – diese Fahrt hat ihn berührt: „Sie wissen, dass sie gefährdet sind und ihr Lebensraum massiv zerstört.“ Einer der alten Männer habe gesagt: „Der Wald ist unsere Heimat. Wenn wir ihn verlassen oder der Wald stirbt, werden wir untergehen.“ Die Pygmäen, die nicht größer als 1,50 Meter werden, haben sich in den Dschungel zurückgezogen. Weinert erreichte sie mit dem Team nach einem mehrtägigen Fußmarsch durch Wasser und Schlamm. Er sagt: „Es ist zu befürchten, dass diese Pygmäen ihren Lebensraum verlieren werden.“

Peter Weinert versuchte in seinen fast 35 Berufsjahren einiges, um auf solche Schicksale aufmerksam zu machen. „Weiter Einfluss zu nehmen, ist nicht möglich.“ Aber er informiert. Demnächst als Mitglied des Lions Clubs Kelkheim. In seinem Vortrag „Völker dieser Erde“ reist er noch einmal zu sechs Gruppen, die er zwischen 1998 und 2006 in Filmen vorgestellt hat (siehe Text rechts). „Aufklären ist die einzige Möglichkeit“, weiß Weinert und war auch bei den Pygmäen in Gefahr. Er hat im Kongo heimlich im Sägewerk gefilmt, wo die Bäume, der Lebensraum des Volkes, zerstört werden. „Als die Leute das gemerkt haben, da durften wir aber laufen“, erinnert sich Weinert.

„Ich habe einige Male Angst in meinem Leben gehabt und auch viel geweint“, räumt der Filmer ein. In der Tropenklinik lag er, im Kongo geriet er sechs Wochen lang zwischen die Fronten des Bürgerkriegs, in der Türkei saß er drei Tage in einem Militärgefängnis und wurde verprügelt. Richtig eng wurde es in der äthiopischen Wüste, als ihm einen Stammeschef die Kalaschnikow in den Bauch hielt. Weinert und sein Team mussten ein hohes Lösegeld bezahlen, was nach schwierigen Telefonaten zum Glück klappte.

Aber im Rückblick möchte er seinen Beruf nicht missen. Er habe beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen Glück gehabt, dort mit eigenen Leuten gearbeitet. Heute werden solche Dokumentationen an private Produktionsfirmen ausgelagert, „da geht es nur um Kosten“. Weinert: „Da müsste ich mich verdingen. Das will ich nicht mehr.“ Deshalb hat er die Kamera an den Nagel gehängt. Dennoch ist er viel unterwegs, reist privat mit Gruppen in entlegene Winkel, zuletzt in die Provinz Mustang in Nepal, demnächst nach Bhutan. Ein Land, das er schon 1995 besucht hat und damals „im Mittelalter“ gesteckt habe. „Da habe ich die Entwicklung mitbekommen.“ Zudem hält Weinert Vorträge. Sich ganz zur Ruhe setzen? „Das geht nicht. Ich habe ja für den Rest meines Lebens auch noch etwas zu sagen und sehe das als Berufung an.“

Ein Schlüssel zum Erfolg des Filmers war stets sein Freund Wolfgang Uhl. Die Reiseziele hatte das Team von Weinert „theoretisch herausgesucht“. Uhl war es dann, der die meist entlegenen Orte vorab bereiste und die Völker auf die Kamera vorbereitete. „Ob sie es verstanden haben oder nicht.“ Ohne mindestens zwei Dolmetscher ging es für das Team nicht. Weinert atmet nach seiner weltumspannenden Karriere auf: „Wir haben immer einen Film hingekriegt.“ Auch wenn ihm sein Chef für einen möglichen Ausfall des Beitrages mal großzügig sagte: „Einen haben Sie gut.“

Nun genießt der langjährige Kelkheimer seinen Ruhestand. Und schätzt seine Freunde von den Lions, für die er schon gut 15 Reisen organisiert hat. „Hier habe ich ein bisschen meine soziale Heimat gefunden“, sagt der Vater einer Tochter, dessen Traum noch mal eine Tour in die Antarktis ist. Zwar wird Weinert schnell seekrank, doch mit Schlafmitteln bekomme er das in den Griff, erinnert er sich an die letzten TV-Aufträge über die Fähren in Sansibar und den Philippinen, die er auf diese Art meisterte.

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