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Auch engagiert für die Leberecht Stiftung: Joachim Schorb, Petra Gansmann, Judith Moog, Monika Bedekowic und Tim Fliege.

City-Club

Eine Disco mit dem Charme der 70er

Es ist die einzige Diskothek im Main-Taunus-Kreis. In sechs Jahren kann dann das 50. Jubiläum gefeiert werden. Und immer neue Stammgäste sorgen dafür, dass der City-Club am Wochenende voll ist.

City-Club in Kelkheim. Der Laden ist Kult. Nicht nur, weil Alt-Bürgermeister Thomas Horn der Diskothek nach einem ausgiebigen Besuch der Tanzfläche mit Ehefrau Norgard das schriftlich bestätigte. Auch nicht, weil der jetzige Rathauschef Albrecht Kündiger im Wahlkampf genau dort die jungen Wähler ansprach. Schon eher, weil der damalige Kelkheimer Bürgermeister Dr. Winfried Stephan sich Anfang der 1970er Jahre tatsächlich mit einer namhaften Delegation auf den Weg nach Rüsselsheim machte, um das von einer Mitarbeiterin vorgeschlagene Pächterpaar für den geplanten Tanzpalast unter die Lupe zu nehmen. Obwohl die hohen Herren zunächst wegen Überfüllung abgewiesen wurden, stand am Ende die Entscheidung: Damit Kelkheim nicht vollkommen zur Schlafstadt mutiert, sollen Rosi und Walter Braun im ehemaligen Kino an der Frankfurter Straße eine Diskothek auf 500 Quadratmetern Fläche eröffnen.

Das war 1973. Danach wurde in Eigenleistung fleißig ausgebaut und gewerkelt und schließlich am 30. April 1974 der City-Club eröffnet. Mit viel Wohlwollen seitens der Stadt, wie ein Blick in die Annalen zeigt. Am 10. Juli 1974 heißt es da: „In der dreimonatigen ,Probezeit’, in der seitens des Magistrats darüber entschieden werden sollte, ob die Diskothek ,City-Club’ endgültig eine Nachtkonzession (bis 3 Uhr in der Früh) an den Tagen Freitag und Samstag erhalten kann, häuften sich die Beschwerden der lärmgeschädigten Anwohner bei Polizei und Stadtverwaltung. Inzwischen hatte der Magistrat zugunsten des City-Clubs entschieden. Es blieb bei der Nachtkonzession.“

Damals öffnete der Club noch täglich – bis 1 Uhr. Heute nur noch freitags, samstags und vor Feiertagen. Dafür dann von 22 bis 5 Uhr.

Dann wird für ein Eintrittsgeld von 6 Euro plus 3 Euro Pflichtverzehr ausgelassen getanzt und gefeiert. Bei Cocktails für 8 Euro mit oder 7,50 Euro ohne Alkohol oder Softdrinks ab 3 Euro. Natürlich Bier, Wein und Co. und wer es krachen lassen will, kann Schampus für 110 Euro die Flasche ordern. Und wer sein Fläschchen nicht auf einmal trinken mag, kann es im Schließfach, das anmutet wie die Sparkästchen längst vergessener Zeiten, deponieren.

Keine Frage: Vieles erinnert heute noch an die 70er Jahre. Anderes wurde modernisiert. Die Chill-Lounge-Möbel etwa oder das gesamte Bistro. Auch die Licht- und Musikanlage. Das Ambiente aber haben Judith Moog und Achim Schorb, die den City-Club am 2. Juni 1998 übernahmen, über die Jahre gerettet. Noch immer steht ihr Tanzpalast für seinen gemütlich-rustikalen Stil mit den Tischen aus Weinfässern und den alten Wagenrädern an den Wänden. Ganz so, als sei die Zeit stehen geblieben. „Never change a winning Team“, lacht Achim, der den City-Club als Gast und dort auch seine Judith, die dort arbeitete, kennenlernte, auch mit Blick auf sein Team: Mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, pro Nacht elf oder zwölf, sorgen für das Wohl der Gäste – jetzt im Sommer meist um die 300, im Winterhalbjahr auch schon mal mehr als 1000. Alles 450 Euro-Kräfte, die sich neben dem Beruf etwas dazu verdienen und wie Petra (seit 16 Jahren) meist schon lange dabei sind.

So wie die Gäste, die sich inzwischen ja schon in dritter Generation über die Tanzfläche schieben. Klar: So mancher aus Kelkheim oder der Umgebung feiert dort längst als Ehepaar seinen Kennenlerntag. Den ersten Kuss. Ja, auch den ersten Rausch und den ersten Liebeskummer. Und der City-Club hat vieles andere – wer erinnert sich heute noch an die Flughafen-Disco Dorian Gray? – überlebt. Dank vor allem auch des vielleicht für manchen etwas angestaubten, aber allemal erfolgreichen Konzepts von Achim und Judith.

Die beiden führen ihren City-Club – sie auch mit Erfahrung aus der Gastronomie, er mit dem großen Herzen eines Schaustellers, der bis zum vergangenen Jahr auf allen großen Volksfesten mit seiner Euro-Tombola deutschlandweit unterwegs war, mit der gleichen Leidenschaft, mit der sie vor 20 Jahren angefangen haben. Sonst wäre das Powerprogramm bis in den frühen Morgen wohl auch kaum durchzuhalten. Schon gar nicht mit 61. „So um 2 Uhr habe ich oft einen toten Punkt, aber die Erfahrung macht’s. Nur am Sonntag geht dann gar nichts mehr“, sagt Achim, der seit dem vergangenen Jahr auch im Sommer da ist. Bis dahin hat Judith den City-Club in den Sommermonaten allein geführt.

Das Erfolgsrezept: „Wir haben immer die Qualität gehalten. Uns angepasst, aber nicht verbogen. Auch die Tatsache, dass die Stammgäste von früher irgendwann zu Hause geblieben sind, weil man im Rentenalter nicht mehr so oft nach 22 Uhr ausgeht, haben wir dank Judith aufgefangen. Bei uns wird die Musik der 80er und 90er gespielt. Damit sind wir doch wieder absolut in. Wobei es schon auf die Qualität der DJs ankommt“, strahlt Achim und hat auch schon für die eigene Zukunft einen Plan: „Wenn wir mal aufhören, wird Tim Fliege, ein wirklich guter alter Freund, der sich schon heute unglaublich einbringt, übernehmen. So in 20 Jahren“, grinst Achim und unterstreicht: „War ein Scherz. Tim ist schon jetzt für die Technik zuständig ist und übernimmt auch die Urlaubsvertretung. Ohne ihn hätte ich schon aufgehört“.

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