Lea Letzel (rechts) freut sich, dass Julia Cloot, Marianne Bopp, Albrecht Kündiger und Beate Matsche Freude an ihrer klangvollen Riesenschaukel haben.
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Lea Letzel (rechts) freut sich, dass Julia Cloot, Marianne Bopp, Albrecht Kündiger und Beate Matsche Freude an ihrer klangvollen Riesenschaukel haben.

Kunst-Installation

Eine Kur für Lunge, Seele und Ohren

  • VonEsther Fuchs
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Kölner Künstlerin untersucht die Geschichte der ehemaligen Lungenheilstätte mittels Klängen an den Tagen der Industriekultur. Noch bis Sonntag kann sie besucht werden, Samstag gibt es eine Führung.

Ruppertshain -In leuchtendem Zitronengelb sind sie komplementärer Kontrast zur grünen Wiese. Die beiden skulpturalen Objekte der Kölner Künstlerin Lea Letzel laden zum Verweilen und Ausruhen ein. Eine überdimensionierte Schaukel und das passende Pendant als Liege stehen noch bis Sonntag in der Gartenanlage des Zauberbergs. Bei ausreichend Wind erzeugen beide Ausstellungsstücke einen melodischen Klang, der die Seele verwöhnt, so die Idee.

Lea Letzel setzte sich anlässlich des Projekts "Klangkunst in der Industriekultur" im Rahmen der "Tage der Industriekultur 2021" künstlerisch, akustisch und historisch mit der einstigen Volks-Lungenheilstätte auseinander. Das geschichtsträchtige Gebäude ist einer der zehn Orte, die im diesjährigen Blickpunkt der "Kulturregion Frankfurt-Rhein-Main" stehen. Unter dem Motto "Liegekur" hat sich Lea Letzel der Geschichte und Akustik des Anwesens am Südhang des Taunus genähert. Fördermittel des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main unterstützten die Realisierung des Projekts. Die zitronengelben Installationen sind skulpturale Zeitzeugen des Hier und Jetzt, verknüpfen jedoch in Optik und Klang das Heute mit der Vergangenheit.

Der Zauberberg, der längst zu einem Zentrum für Kunst und Kultur unter dem Leitgedanken "Wohnen - Arbeiten - Freizeit" geworden ist, bringt Musik, Literatur, Malerei und Bildhauerei an einem Ort zusammen. Doch eigentlich war das 1895 eröffnete Gebäude die erste Volks-Lungenheilstätte Deutschlands.

Liegen und Ausruhen als Konzept

Lea Letzel verbindet Kunst und Historie. Bürgermeister Albrecht Kündiger, Creativ Concept Zauberberg-Geschäftsführer und Stadtrat Thomas Weck, Kulturreferentin Dr. Beate Matuschek, die stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main und Gäste aus Politik, Kunst und Kultur ließen sich die Einführung der Künstlerin in ihr Werk nicht entgehen.

"Ich habe mich mit der Historie der Volks-Lungenheilstätte befasst und dabei die Besonderheiten der hier genutzten Therapieformen entdeckt", erklärte sie. Künstlerin Lea Letzel recherchierte über die unter anderem nach dem ehemaligen Falkensteiner Arzt Peter Dettweiler benannte "Liegekur".

Ihre Installation befasst sich mit genau dieser Kur. Denn Liegen und Ausruhen war Sinn und Zweck des regenerativen Konzepts der Lungenheilstätte. Nach einer Tuberkuloseerkrankung sollten sich Arbeiterinnen und Arbeiter im Sanatorium bei Ruhe und guter Ernährung erholen. "Zehn bis zwölfstündige Ruhepausen wurden verordnet. Dazu kamen nahrhafte Mahlzeiten und gute Luft", so die Künstlerin.

Wind und Bewegung erzeugen Klänge

Auch die gelben Installationen ermöglichen das Ausruhen im Grünen. Der durch Wind und Bewegung erzeugte Klang begünstigt die Entspannung und unterstreicht die akustische Aura des historisch wertvollen Ortes.

Die Liege wippt auf zwei Stahlrohren, in denen Kugeln schwingen. Die Schaukel ist mit einer Windharfe ausgestattet. "Die ehemaligen Volks-Lungenanstalt, im Volksmund "die Hustenburg" bezeichnet, wurde auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 als Musterbeispiel vorgestellt", erläutert Dr. Beate Matuschek.

1983 wurde das Sanatorium aufgrund verbesserter Heilungsmethoden geschlossen und galt fortan als Übergangswohnheim für Aussiedler aus Osteuropa und ausgereiste DDR-Bewohner. Heute ist das denkmalgeschützte Bauwerk im Rhein-Main-Gebiet als "Zauberberg" in Anspielung auf den Roman von Thomas Mann bekannt. Das Rhein Main Gebiet verfügt über eine Fülle von imposanten und geschichtsträchtigen Orten der Industriekultur. Der Zauberberg gehöre zweifelsfrei dazu, so Dr. Julia Cloot.

Für morgige Führung anmelden

Im Anschluss an die Präsentation der Installation nahmen die Gäste an einer Führung mit Marianne Bopp teil. Noch bis zum kommenden Sonntag, 29. September, können Besucher die Installationen betrachten. Am morgigen Samstag findet von 15 bis 16.30 Uhr noch einmal eine Führung mit Marianne Bopp unter Anwesenheit von Lea Letzel statt. Anmeldungen zu der Führung nimmt Dorothee Sommer unter der Telefonnummer (0 61 74) 9 68 54 92 entgegen.

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