Seit dem Krieg verbunden: 1943 lernten sich Helma und Helmut Ruppert beim Tanzkurs kennen. Die ehemalige Friseurin und der frühere Verwaltungsbeamte feiern heute ihre Gnadenhochzeit, ein Jubiläum, das nur wenigen Paaren vergönnt ist.
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Seit dem Krieg verbunden: 1943 lernten sich Helma und Helmut Ruppert beim Tanzkurs kennen. Die ehemalige Friseurin und der frühere Verwaltungsbeamte feiern heute ihre Gnadenhochzeit, ein Jubiläum, das nur wenigen Paaren vergönnt ist.

Gnadenhochzeit

Eine Liebe für die Ewigkeit

  • Frank Weiner
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Das Münsterer Ehepaar Helma und Helmut Ruppert ist seit 70 Jahren verheiratet

VON FRANK WEINER

Münster -Eine goldene Hochzeit ist schon etwas ganz Besonderes. Ein halbes Jahrhundert verheiratet zu sein, das schaffen nicht viele. Helma und Helmut Ruppert haben dieses Jubiläum auch gefeiert - allerdings schon vor 20 Jahren. Heute begehen die beiden einen Jubeltag, der bei Paaren absoluten Seltenheitswert hat: die Gnadenhochzeit. Bemerkenswerte sieben Jahrzehnte sind die beiden 94-Jährigen glücklich verheiratet. Am 7. April 1951 war der Tag der standesamtlichen Trauung, einen Tag später der besondere Moment in der Kirche.

Natürlich läuft gesundheitlich nicht mehr alles so rund, seit zwei Jahren haben sie Hilfe im Haushalt und werden von ihren beiden Kindern Andrea Göndöcs und Joachim Ruppert mehrmals wöchentlich betreut. Auch die vier Enkelkinder sind im Familienverbund involviert: Enkel Mario hilft bei den Gartenarbeiten und im Herbst beim Heckenschnitt, Tatjana übernimmt die besonderen Wünsche von Oma Helma im Haus, die technischen Probleme hat Julian bei Telefon, Funk und Fernseher im Griff. Und Carolin hat inzwischen das zweite Urenkelkind bekommen und besucht Oma und Opa regelmäßig mit Nicolas (5) und Emilio Maxim (5 Monate). "Das sind dann immer ganz besondere Highlights für Uroma und Uropa, die bringen Sonnenschein und Freude in den Alltag", weiß ihre Tochter Andrea und betont: "Wir sind sehr froh, dass beide geistig noch so fit und einigermaßen beweglich sind - und einander haben." Das Jubelpaar freut sich heute auf eine Andachtsfeier mit Pfarrer Klaus Waldeck zu Hause. Ein größeres Fest soll nach Corona dann möglichst nachgeholt werden.

1943 lernten sie sich kennen

Natürlich blicken beide mit den Familien heute auch auf ein besonderes Leben zurück. Helma Ruppert ist ein Kind des Möbelhauses Graf in Kelkheim, lernte aber Friseurin. Sie betrieb ihren eigenen Salon zu Hause in der Küche und machte Hausbesuche mit dem Fahrrad. Ihr Mann Helmut war 46 Jahre im Wahlamt der Stadt Kelkheim beschäftigt, hat 27 Wahlen verantwortet und galt im Rathaus als das "Mädchen für alles": Ruppert hielt Sprechstunden in der Außenstelle Ruppertshain ab, führte Buch über den Obstbaumverkauf, kümmerte sich um die Aktenverwaltung. Als Lehrling musste er mal 72 000 Mark von der Sparkasse abholen und bat dafür erfolgreich um Polizeischutz.

1943 lernten sie sich kennen. Der Münster Bub ging zum Tanzkurs nach Kelkheim - ausgerechnet dorthin, wo er bei den "Cowboy- und Indianer-Spielen" jenseits der "Grenze" immer gefesselt worden sei, wie er berichtete. Doch an Tanzen war im Krieg wegen des Verbots nicht mehr zu denken. Helma Ruppert durfte auch nicht mehr als Friseurin arbeiten, musste zum Reichsarbeitsdienst, war später Luftwaffenhelferin. Helmut Ruppert wurde an die Front berufen, musste sogar drei Jahre in französische Gefangenschaft.

Das Paar bereiste halb Europa

Doch beide fanden in der Möbelstadt wieder zusammen, 1949 war Verlobung, 1951 die Hochzeit. Das war damals notwendig, denn sonst hätten sie ihre erste eigene Wohnung nicht bekommen. Ab dem Tag ihrer Hochzeit bezogen sie übrigens auch das Höchster Kreisblatt. Bei der eisernen Hochzeit vor fünf Jahren verrieten beide auch das Rezept für eine lange Ehe. "Man muss nicht immer das letzte Wort haben wollen", sagte Helma Ruppert. Gegenseitige Hilfe und Zufriedenheit "mit dem, was wir hatten", ergänzte ihr Mann. Er spielte früher für die SG Kelkheim Fußball, wandte sich später dem Skat zu. Sie trafen sich oft in der Freizeit mit alten Schulkameraden zum Plausch, Helma Ruppert war auch in der Pfarrgemeinde aktiv. Und sie haben halb Europa bereist. Ihr größter Wunsch aber bleibt: So lange wie möglich im eigenen Haus zu leben.

Das Paar bei der Hochzeit im April 1951.

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