Privatgymnasium Dr. Richter

Für die Eintracht auch mal ausgebüxt: Internatsschüler erinnern sich

Vor 50 Jahren machten sie am Privatgymnasium Dr. Richter ihr Abitur. Nun trafen sich Pennäler des Jahrgangs 68 wieder. 20 Ehemalige drückten noch einmal die Schulbank und erinnerten sich während eines Rundgangs mit Rektorin Marion Polydore an die alten Zeiten.

Das Klassenzimmer ist bis auf den letzten Stuhl besetzt. Vorne an der Tafel steht die Direktorin des Privatgymnasiums Dr. Richter, Marion Polydore. Fast wie in alten Zeiten sitzen die Ehemaligen nebeneinander, plaudern mit ihren Tischnachbarn und erinnern sich der Jugend. Im Jahre 1968, also den Jahren kultureller und gesellschaftlicher Wirren, zwischen Beat und Pille, machten rund sechzig Pennäler ihr Abitur in Kelkheim, um anschließend als Studenten oder Auszubildende den Berufsweg einzuschlagen.

Zwanzig ehemalige Richter-Schüler trafen sich dank der Organisation von Mitschüler Joachim Hasselmann in ihrer ehemaligen Lernstätte und erkannten, dass auch hier der Wandel der Zeit Einzug gehalten hat. „Wir hatten damals noch Holzbänke“, erinnert sich Dr. Ernst-Werner Lütteken, der als Mediziner Karriere machte. „Überhaupt hat sich vieles verändert, auch baulich“, gesteht Sitznachbar Michael Fischer. Beide sind auf die von Rektorin Polydore versprochene Schulführung gespannt.

„Damals gab es ja noch Fahrschüler, also diejenigen, die morgens und mittags hin- und herfuhren, und Internatsschüler. In den zwei naturwissenschaftlichen Klassen hatten wir rund die Hälfte Internatskinder, die dritte, sprachliche Klasse bestand zu einem Drittel aus Internatskindern“, erzählt Birgit Ortmayer. Sie habe die Schulzeit in Kelkheim sehr geliebt. „Ich war eines von drei Mädchen im Jahrgang. Die Jungs waren immer sehr nett und hilfsbereit, haben meine

Schwäche für Süßes

gekannt und mir auch mal eine Schokolade mitgebracht.“

Michael Fischer und sein Sitzpartner Ernst-Werner Lütteken genossen als Internatsschüler die Schulzeit in vollen Zügen. „Wir waren zu viert in einem Zimmer und hatten sogar einen Fernseher. Es war eine schöne Zeit, die den sozialen Zusammenhalt untereinander förderte“, so Lütteken. Neben dem gemeinschaftlichen Büffeln für Fächer, wie Latein und Mathe, bot das Freizeitprogramm viel Abwechslung.

„Die Schulregeln wurden liberal ausgelegt. Es gab weniger Kontrollen als in anderen Internaten. Ich weiß noch, dass wir oft unterwegs waren“, sagt Jochen Staadt, der zuvor ein Internat in Bad Schwalbach besuchte, „das wesentlich strenger war“.

Hin und wieder sei man auch mal mit den Kumpels aus dem Fenster geklettert und ausgebüxt. „Wenn die Eintracht spielte, sind wir erst mit der Bimmelbahn nach Frankfurt zum Hauptbahnhof gefahren und danach mit der Straßenbahn zum Stadion.“

Doch die Flucht aus dem Fenster wurde nicht nur für Sportereignisse genutzt. „Wir sind eher aus dem Fenster abgehauen, wenn eine Arbeit geschrieben wurde für die man nicht gelernt hatte“, sagt ein Ehemaliger.

Trotz solcher Ausrisse und Freizeit, kam das Lernen jedoch nicht zu kurz, so dass das Abitur erfolgreich absolviert wurde. Dr. Klaus Schurian hat 1968 gleich zwei Erfolge gefeiert. „Mein Abitur und die Geburt meiner Tochter.“ Noch heute wohnt der ehemalige Lehrer der Königsteiner Sankt-Angela Schule in Kelkheim.

Die meisten Mitschüler studierten, beruflich erfolgreich waren alle. So drückten noch einmal, wenn auch nur kurz, gestandene Chemiker, Ärzte, Politikwissenschaftler und Germanisten die Schulbank. Selbst wenn das Abitur bei manchem „nebenbei mitlief“ und die Bowlingbahn wichtiger als der Biounterricht war, erwies sich die Richter-Schule als wichtiges Sprungbrett für die Zukunft.

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