So hat Architekt Schreiber geplant. Das Dach fällt nun weg.
+
So hat Architekt Schreiber geplant. Das Dach fällt nun weg.

Bauen:

Eppenhain: Atzelbergturm: kein Dach, aber ein zweiter Entwurf

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
    schließen

Petition überreicht, Modell vorgestellt

Eppenhain. 28 Meter hoch, in Stahl, zum Teil farbig lackiert, 10 gegenläufige Treppenabschnitte mit je 16 Stufen in einer Breite von 1,50 Metern, dazwischen Podeste, zudem blickdichte Gitterroste gegen Höhenangst: Das sind die Fakten eines Atzelbergturms. Allerdings nicht die aus dem bereits vom Parlament beschlossenen Entwurf von Architekt Detlef Schreiber. Sondern die eines neuen Turms, den der Ruppertshainer Bildhauer Christian Hack Bürgermeister Albrecht Kündiger im Modell präsentiert hat. Zudem hat die Eppenhainerin Sonja Thomsen eine Online-Petition übergeben mit 257 Unterstützern. Die Unterzeichner fordern ein optisch ansprechendes, sowie sicheres Bauwerk als neuen Eppenhainer Aussichtsturm.

Bauausschuss hat Entwurf abgesegnet

Doch die Planungen sind fortgeschritten: Der Bauausschuss hat sich nach dem Vorschlag der Verwaltung einstimmig dafür ausgesprochen, auf das geplante Dach zu verzichten. Der Grund für die Änderung: Eiszapfen und Eisplatten könnten sich darauf bilden und beim Herunterfallen zur Gefahr für Besucher werden. Der Ausschuss hat aber die grundsätzliche Planung von Architekt Schreiber gestützt.

Das hat Kündiger den beiden Bürgern deutlich gemacht. Er wolle das Thema "nicht klein reden". Vor der Sitzung schauten sich die Mitglieder des Bauausschusses noch den "kleinen Atzelbergturm" an. Damit meint Kündiger die neue Außen-Fluchttreppe am Schlosshotel Rettershof. Sie ist ebenfalls eine Wendeltreppe, mit ähnlich breiten Stufen wie in Eppenhain geplant. Zwei gestandene Personen wie er und Ausschuss-Chef Jochen Ballach hätten sich dort gut begegnen können. Im Anschluss im Ausschuss nahm Architekt Schreiber noch einmal Stellung zu den Bedenken der Unterzeichner der Petition. "Irgendwann muss man sich für ein Objekt entscheiden", betont Kündiger. Bei der Bürgerveranstaltung in Eppenhain zu diesem Thema habe es Anfang 2020 nur vereinzelte Kritik an der Breite der Stufen gegeben. Die Initiative der Bürger sei grundsätzlich zu begrüßen. Aber er habe sich an Beschlüsse zu halten. Einzig die Fraktionen können für eine Wende sorgen.

Mit der Politik wollen Hack und Co. nun noch einmal reden. Der Künstler würde sein Modell gerne auch den Bürgern vorstellen, um ein Meinungsbild zu erhalten. Er sieht Probleme mit einem möglichen "Drehschwindel" und den Begegnungen auf der Wendeltreppe. Deshalb hat Hack, der an der Folkwang-Schule Essen Industrial Design studiert hat, Zwischenpodeste geplant. Er wolle seine Lösung sachlich zur Diskussion stellen und hofft auf zeitlichen Aufschub durch die Politik. Es gibt noch eine weitere Planskizze des Fischbacher Architekten Hans-Joachim Gauger. In der Petition wird zudem gefordert, dass keine Mobilfunkantennen am künftigen Atzelbergturm montiert werden.

Sorgen um "Drehschwindel"

Dazu und zu anderen Punkten hat die Stadt in einer Vorlage Stellung genommen. Es seien keine Sendeanlagen geplant, letztlich aber müssen das die politischen Gremien in Zukunft entscheiden, sollten Anträge kommen, heißt es. Die Verwaltung informiert, dass die Treppenbreite im Vergleich zum Entwurf auf 1,10 Meter erweitert und ein zusätzlicher Handlauf auf der Innenseite geplant wird. Der Turm werde zudem als Sonderbau vom Kreis speziell geprüft. Bei der Sicherheit dürfe es auch "keine Rabatte geben", ergänzt Kündiger. Als weitere Rettungsmöglichkeiten können die Drehleiter der Feuerwehr oder die Höhenrettung des Kreises anrücken.

90 000 Euro wären futsch

Die Stadt verweist auf das Bürgertreffen Anfang 2020. Da sei "der ausdrückliche Wunsch nach Entwurfsalternativen zu der vorgestellten Variante nicht geäußert" worden. Die Stadtverordnetenversammlung hat den Entwurf dann einstimmig beschlossen. "Der Bauantrag wurde bereits eingereicht und die Statik erstellt. Die Prüfstatik ist weitestgehend abgeschlossen." Es seien bereits Kosten von rund 90 000 Euro angefallen.

Daher kommen die begrüßenswerten Initiativen "eigentlich zu spät", so Kündiger, der die jeweiligen Entwürfe nicht kommentieren will. Der Schreiber-Turm habe als getaufte "Rakete" trotz Kritik auch "seinen Stil". Und das Hack-Modell wird in ersten Reaktionen bereits unter anderem "Murmel-Bahn" genannt.

Das neue Turm-Modell von Christian Hack.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare