Sie begutachten die Funde von Schlacke im Eppenhainer Wald (v. l.): Jäger Gerd Amir Saraf, Thomas Zellhofer (Verein "Stimme für Ruppertshain") und Julian Wirth (Stadtarchivar). Fotos: wein
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Sie begutachten die Funde von Schlacke im Eppenhainer Wald (v. l.): Jäger Gerd Amir Saraf, Thomas Zellhofer (Verein "Stimme für Ruppertshain") und Julian Wirth (Stadtarchivar).

Geschichte:

Eppenhain: Dem "roten Gold" auf der Spur

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Aktuelle Schlacke-Funde belegen Spuren des Erzabbaus.

Eppenhain. Der kleine Tross spaziert ein Stück den Wald hinein, die Stimmung ist gut, das Wetter ordentlich. Die Laune von Thomas Zellhofer wird gleich noch besser: Der promovierte Chemiker wird auf ein bekanntes Material stoßen. Abseits des schon schmalen Pfades führt ihn Jäger Gerd Amir Saraf zu einem mit Ästen begrenzten Steinhaufen. Es handele sich hier nicht um gewöhnliches Material, sieht Zellhofer sofort. Sondern um Eisenerz, "FE2O3", kommt er mit der chemischen Formel gleich um die Ecke. Dass der Stein leicht rötlich gefärbt ist, bestätigt die These.

Doppelter Zufall führt zu den Steinhaufen

Der Spaziergang, an dem auch Kelkheims Stadtarchivar Julian Wirth teilnimmt, hat seinen Grund: Mit Zellhofer erhofft sich der Historiker neue Hinweise auf den Erzabbau in Eppenhain. Den hat es gegeben, wie der aktuelle Fund und der Beitrag im Buch "Eppenhain im Taunus" vom ehemaligen Bürgermeister Franz Caspar Fischer belegen. Eigentlich wollte sich Zellhofer in seiner Funktion als Vorsitzender des Bürgervereins "Stimme für Ruppertshain" um Hügelgräber in dem Gebiet kümmern. Doch die gebe es dort nicht, erfuhr er von Wirth. Statt dessen stieß das Duo auf Hinweise zum Erzabbau.

Von Wirths Vorgänger, dem langjährigen Archivar Dietrich Kleipa, erhielt Zellhofer eine Karte mit markierten Schlacke-Funden. Und so machte sich der Ruppertshainer mit seiner Frau auf den Weg in den Wald in Richtung "heimliche Wiese". Wen traf er da zufällig? Gerd Amir Saraf. Er habe einen Mann mit Hammer im Forst gesehen, erzählt der Jäger. So kamen beide ins Gespräch. Siehe da: Saraf hatte Wochen zuvor zwei andere Schlacke-Funde gemacht. Sie zeigt er nun dem kleinen Tross. Zellhofer kann sich vorstellen, mal eine Infotafel zum Erzabbau aufzustellen - was dann über den Naturpark Taunus laufen muss.

Allerdings dürfen Interessenten nicht allzu viel erwarten. Laut Archivar Wirth sei der Ertrag damals "kärglich" gewesen. Es habe sich wohl um kleine Waldschmieden gehandelt, die nach dem 30-Jährigen Krieg hier entstanden seien. Die Eppenhainer machten aus dem Erz in kleinen Hütten Dinge für ihren eigenen Bedarf: Nägel, Hufeisen, Werkzeuge.

Unter dem Titel "Erzfund in Eppenhain" beschreibt Fischer in seinem Buch, wie sich das abgespielt haben könnte. Es gibt ein Dokument von 1770, wonach die Suche nach Erz in der Region nichts ergeben habe - nur zwischen Fischbach und Ehlhalten eine "wenige Spur" von mutmaßlichem Berg-Erz. In einer Rechnung von 1693 war ein Bergwerk am Silberbach erwähnt. Es wurde irrtümlich "Schinderhanneshöhle" genannt, der Eingang ist nicht bekannt. Wobei Jäger Saraf eine mögliche Stelle in Richtung Vockenhausen entdeckt haben könnte. Das Pulver für dieses Silberbergwerk wurde in der Mühle zu Königstein gemischt - aus Salpeter, Schwefel und Kohle. 1703 flog diese Pulvermühle sogar in die Luft, wurde neu aufgebaut.

Doch zurück zum Erz: In einer Mitteilung für Eppenhain heißt es, im neu angelegten Keller des Schulmeister-Hauses sei Erz gefunden worden. Die Hofkammer in Mainz untersuchte die Proben und ermittelte nur 40 Pfund Blei in einem Zentner. "Der Gehalt sei so gering befunden worden, daß man sie keiner Ausbeute würdig achtete", heißt es. "Der Schulmeister sei in seinem Bauwesen nicht weiter zu behindern."

Dennoch hielt das in der Folge die Erz-Sucher nicht ab, Schürfrechte für Eppenhain zu beantragen und Stollen in den Fels zu treiben. Ob und welche Erträge es gab, ist nicht überliefert. Die Unternehmer, etwa aus Frankfurt, wurden aber angehalten, "entstanden Schaden billigmäßig zu ersetzen und eine hinlängliche Kaution zu stellen". Auch hätten Bergleute in Eppenhain gegraben, ohne das die Oberforstmeisterei etwas davon gewusst habe. Der Eingang eines Stollens am Heinerberg, unterhalb des Dachsbaufelsens, soll heute noch zu sehen sein. Nach rund 100 Jahren Pause, wurden 1907 im Hause von Johann Ungeheuer wieder Erze entdeckt. Auch Lehrer August Gasser, dem Eppenhain seinen Aufschwung zu verdanken hat, beantragte Schürfrechte. "Zu einer Ausbeute ist es jedoch nie gekommen", heißt es in der Chronik.

In Kelkheim gab es 22 Gruben

Ganz anders in Kelkheim. Wie aus dem Buch "Kelkheim im Taunus" hervorgeht, gab es sehr wohl einen Eisenerz-Abbau. 1679 wird ein Steiger aus Kelkheim genannt. 1692 beschwert sich die Gemeinde Kelkheim über einen Bergmann, der nicht den Dienst wie alle anderen Bürger tue. Ein weiterer Hinweis könnte laut Beitrag die Fischbacher Flurbezeichnung Eisenkaut sein. Den Höhepunkt des Bergbaus datiert der Text zwischen 1856 und 1867. Insgesamt 22 Gruben auf 19 verliehenen Feldern werden genannt. Abbaurechte für Eisenerz besaßen die Gewerkschaft Taunushütte Höchst, die Gutehoffnungshütte zu Mühlheim an der Ruhr, die Gewerkschaft "Fortuna" und Bergingenieur Langhanns (Wiesbaden).

Die durchschnittliche Förderung etwa in der Grube Hahn betrug 600 Fuder - ein Nassauisches Maß für Eisenstein, das etwa 1,62 Kubikmetern entspricht. Auf der Consolidierte Hornau waren es rund 200 Fuder. Die Verhüttung erfolgte nicht in Kelkheim, sondern in der Taunushütte Höchst und der Rheinhütte Biebrich. Die Preise pro Fuder Erz fielen drastisch - von mehr als 17 Gulden 1856 auf rund 9 Gulden gut zehn Jahre später. Dieser Umstand sowie steigende Abbaukosten und die Erschöpfung der Erzlager brachten den Bergbau dann langsam zum Erliegen. Ihre Spuren finden sich aber noch teilweise in Halden, etwa im Bereich Fischbach (Wochenendgebiet) und Kelkheim (oberhalb Sportplatz) und eben neuerdings auch bei Eppenhain. wein

Die Verformungen und die rötliche Farbe sind gut zu sehen.

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