Ablösung einmal anders: Harald Prokasky (ehemaliger Wehrführer), Markus Linpinsel (Ex-Stellvertreter), Markus Hackel (neuer Stellvertreter), Philippe Prokasky (neuer Wehrführer, von links) beim "Tauziehen" mit dem Schlauch.
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Ablösung einmal anders: Harald Prokasky (ehemaliger Wehrführer), Markus Linpinsel (Ex-Stellvertreter), Markus Hackel (neuer Stellvertreter), Philippe Prokasky (neuer Wehrführer, von links) beim "Tauziehen" mit dem Schlauch.

Brandschutz:

Eppenhain: Die kleinste Feuerwehr zieht an einem Strang

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Philippe Prokasky löst entfernten Verwandten Harald Prokasky als Wehrführer ab.

Eppenhain. Seit den 1970er Jahren mussten die Menschen im kleinen "Bergdorf" selten lange überlegen, wer Chef ihrer Feuerwehr ist. Am Nachnamen zumindest hat sich so viel nicht geändert: Die Prokaskys geben den Ton an. Edgar machte den Anfang, dann war Manfred an der Reihe. Norbert Bratz und Kai Grollmuss sorgten zwischendurch für einen Namenswechsel, bis nun wieder die Prokaskys Regie führen: Harald, Sohn von Edgar, war in den vergangenen sechs Jahren Wehrführer. Nun hat Philippe übernommen, der der Nachwuchs von Manfred ist.

Das alles klingt reichlich verwirrend - aber so ist es eben: In den Familien Prokasky wird das Engagement in der Feuerwehr in die Wiege gelegt. Schon beim Umbau des Gerätehauses Ende der 1980er Jahre "bin ich als Dreijähriger hier rumgefallen", erinnert sich Philippe, der jetzt gemeinsam mit seinem neuen Stellvertreter Markus Hackel in einer Sitzung des Magistrats vereidigt wurde. Er sei dann da reingewachsen und habe seinen Spaß an der Feuerwehr gefunden.

Ihre Familien sind allesamt eingespannt

Vorgänger Harald, über einige Ecken mit ihm verwandt, sieht es genauso. Er sei in der Wehr groß geworden, "es gab auch kein großes Angebot", sagt er zur überschaubaren Vereinswelt im Stadtteil. Der 48-Jährige konnte damals seinen Wehrersatzdienst über die Feuerwehr leisten und engagierte sich bereits 2000 bis 2005 als Stellvertretender Wehrführer. Nun habe sich der Wechsel einfach angeboten, sagt Harald Prokasky, dessen Frau Sonja die "Minilöscher" leitet und dessen beide Kinder ebenso aktiv sind.

Auch bei Philippe ist die Tochter (6) bei den "Minilöschern", der kleine Sohn (3) steht in den Startlöchern, und seine Frau Jacqueline ist in der Einsatzabteilung dabei. Markus Hackels Freundin Melanie Glockmann engagiert sich zudem als Schriftführerin im Feuerwehrverein. Er hat in Fischbach angefangen, zog dann nach Eppenhain und löst Markus Linpinsel ab, der insgesamt 16 Jahre stellvertretender Chef war.

Homeoffice ist Vorteil für Teamstärke

Unter der Regie von Harald Prokasky hat die Wehr eine intensive Zeit hinter sich. Zweimal brannte der Atzelbergturm, dann 2018 der Rettershof. Hier saß Linpinsel in jenem Fahrzeug, das mit einem der flüchtenden Pferde zusammenstieß. Es seien neue Fahrzeuge beschafft und vor allem von 2016 an für das neue Gerätehaus gekämpft worden, zählt Prokasky weiter auf (Text rechts). Der selbstständige Schreiner wird die Baubetreuung weiter führen, ist zudem noch Zugführer, Atemschutzgerätewart und Kreisausbilder. Mit gut 25 Einsatzkräften sei Eppenhain ganz gut aufgestellt, ein paar mehr dürfen es aber gerne sein, findet der Ex-Wehrführer und erhofft sich durch den Neubau einen Schub. Die Nachfolger hätten die wichtige Aufgabe, die Zahlen weiter zu stabilisieren und Neulinge zu aktivieren.

Beim Nachwuchs klappt das schon ganz gut. Philippe Prokasky war zuvor Jugendwart, wird hier vom erst 18 Jahre alten Sebastian Kruse abgelöst. Immerhin 14 Kinder gibt es in der Jugendfeuerwehr, und bei den "Minilöschern" wurden über seine Tochter neue Interessenten geworben. Der 35-Jährige war zudem Stadtjugendfeuerwehrwart. Diesen Posten soll Alexander Hornung übernehmen, der bis jetzt Wehrführer in Fischbach war.

Vor allem hat das neue Team die wichtige Aufgabe, die Mannschaft nach dem Corona-Jahr wieder intensiver zusammenzubringen. Mit Übungen draußen, Stationsausbildung in kleinen Gruppen oder eben online überbrückten die Brandschützer die Zeit. Doch für die Kameradschaft sei das nicht so förderlich gewesen, weiß Harald Prokasky. Der wichtige und gut besuchte Frühschoppen am 1. Mai vor dem Gerätehaus musste etwa ausfallen.

Mit Interesse beobachten die Eppenhainer auch die Aktivitäten der Feuerwehrführung in der Stadt. Den gemeinsamen Stützpunkt für Kelkheim-Mitte, Hornau und Fischbach halten sie für gut. Dann werde die Truppe noch schlagkräftiger, hofft Harald Prokasky. Gerade mit Blick auf die Tages-Einsatzstärke. Die Eppenhainer wiederum seien seit Corona "super besetzt", weiß Philippe Prokasky, dass viele Kameraden im Homeoffice nun an Ort und Stelle sind. Sonst sei oft nicht mal eine Handvoll Kräfte verfügbar. Sie müssen auch deutlich mehr Einsätze fahren, früher waren es 15, heute sind es bis zu 40, weil Ruppertshain und Fischbach natürlich mit unterstützt werden.

Gut findet die alte und neue Mannschaft, dass die Stadt inzwischen bereits fünf hauptamtliche Kräfte hat. Eine sechste Person wurde jetzt erst einmal gestrichen, ist von der Wehr aber weiter gefordert. "Den brauchen wir auch noch, dann ist mal gut", sagt Harald Prokasky zu der umstrittenen Personalie mit Blick auf immer mehr und immer höhere Anforderungen.

Seit gut fünf Jahren kämpfen die Eppenhainer für ein neues Feuerwehrhaus. Nun rückt es in Sichtweite. Ex-Wehrführer Harald Prokasky, der das Projekt weiter betreut, rechnet Ende 2021 mit einer Grundsteinlegung. Allerdings sei die Planung ein halbes Jahr hintendran. Nun hofft er, dass die Mühlen der Verwaltung reibungslos laufen und "wir uns an den neuen Bauzeitenplan halten". Der "Fahrplan" sieht vor, dass im Februar der Bebauungsplan ein zweites Mal offengelegt und dann als Satzung beschlossen wird. Bei der ersten Beteiligung der Öffentlichkeit gab es laut Stadt nur wenige Anregungen. Jene Beiträge zu den Bereichen Artenschutz, Naturschutz und Verkehr seien nicht "unüberwindbar", berichtet die Verwaltung.

Feuerwehr und Stadt haben die Fläche unterhalb der alten Schule direkt neben der Bushaltestelle am Ortseingang auserkoren. Für die Brandschützer sei das "ein Quantensprung", betont Prokasky. Erstens ist die Nutzfläche fast doppelt so groß, zweitens wird das neue Haus den modernen Anforderungen gerecht. Im alten Domizil ziehen sich die Helfer hinter den Fahrzeugen um, warmes Wasser gibt es dort teilweise nicht.

Nun haben sich die Stadt, die Wehrführung und ein Architekt auf einen Entwurf verständigt, der umgesetzt werden soll. Es wird einen relativ kompakten Bau geben. Von der Kreisstraße aus links entsteht ein zweigeschossiger Gebäudeteil mit Umkleiden und Funktionsräumen und wohl einem barrierefreien WC im Erdgeschoss, Schulungsbereich, Küche und Jugendraum im ersten Stock. Rechts davon gibt es drei Fahrzeugboxen, zudem ein weiteres Rolltor, hinter dem sich ein Lager verbirgt. Hier gab es die Anregung, zeitweise ein Winterdienstfahrzeug des Bauhofs zu parken.

Die Feuerwehr möchte einen Balkon mit Übungswand realisieren, der zum Training genutzt werden kann. Hier würde sich der Verein beteiligen, der rund 100 Mitglieder hat. Das ist laut Prokasky ausbaubar bei gut 450 Haushalten im Stadtteil. Im Zuge des Neubaus könnte für weitere Eintritte geworben werden. Die Gesamtkosten schätzt die Stadt auf rund 2,7 Millionen Euro, ohne Rodung des Grundstücks sowie Erschließungsbeiträge. Das alte Areal dürfte für neuen Wohnraum im kleinsten Stadtteil genutzt werden.

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