Dieses Haus schräg gegenüber der Feuerwehr hat Harald Prokasky gekauft. Er will Brandschützern dort eine Bleibe bieten.
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Dieses Haus schräg gegenüber der Feuerwehr hat Harald Prokasky gekauft. Er will Brandschützern dort eine Bleibe bieten.

Wohnen:

Eppenhain: Ein Vermieter zeigt Herz für Feuerwehrleute

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Ex-Wehrführer Harald Prokasky vergibt zwei Objekte günstiger.

Eppenhain. "Ehrenamt darf sich auch mal lohnen! Wer sich der Eppenhainer Feuerwehr aktiv anschließt oder bereits Mitglied bei der Eppenhainer Feuerwehr ist, kommt hier zu einer Vergünstigung des Mietpreises von 0,50 Euro pro Quadratmeter, kann also 45 Euro pro Monat sparen." Diese ungewöhnliche Wohnungsanzeige stammt von Harald Prokasky. Er war bis vor wenigen Monaten Wehrführer der Eppenhainer Brandschützer und geht jetzt unter die Vermieter. Und dafür wählt er einen besonderen, bisher sehr seltenen Weg: Weil das Personal bei den Brandschützern, aber auch Wohnungen im Ballungsraum knapp sind, schlägt der Eppenhainer zwei Fliegen mit einer Klappe: Er bietet zwei Wohneinheiten zu günstigen Preisen an und will bevorzugt Feuerwehrleute unterbringen.

Eppenhainer betritt mit Idee Neuland

Um den Jahreswechsel hat Prokasky das Haus aus den 1960er-Jahren gekauft, das praktischerweise schräg gegenüber vom noch bestehenden Feuerwehrhaus steht. Zwei Wohnungen gibt es darin - eine mit drei Zimmern und 90, eine mit fünf Räumen und rund 170 Quadratmetern. Für den Feuerwehrmann aus Leidenschaft ist klar: Hier sollen am liebsten aktuelle oder künftige Kameraden im Brandschutz einziehen. "Mal schauen, ob es geht und wie es geht", betritt der selbstständige Schreinermeister damit Neuland. Denn ihm seien ähnliche Initiativen zumindest in Kelkheim nicht bekannt.

Aber er möchte mit diesem Beispiel voran gehen und andere Vermieter in der Stadt, gerne im ganzen Main-Taunus-Kreis, animieren, solche Angebote zu machen. Bei ihm sei trotz der Nachlässe jeden Monat die Finanzierung nicht gefährdet, aber für manchen Mieter könnte das schon eine Entlastung sein, weiß der 49-Jährige. "Ich mache mir Gedanken, weil hier oben in Eppenhain zu wenige Feuerwehrleute sind", sagt er und hofft: "Vielleicht denken Andere auch so."

Tagsüber massive Personalprobleme

Die Zahlen sprechen bei der Feuerwehr im "Bergdorf" eine deutliche Sprache: Zwar sind es 22 aktive Männer und 4 Frauen in der Einsatzabteilung. Doch tagsüber seien vielleicht drei oder vier davon direkt verfügbar, weiß der ehemalige Wehrführer. Deshalb müssen die Kollegen im Löschbezirk 2 mit Eppenhain, Ruppertshain und Fischbach gemeinsam mit den Hauptamtlichen ausrücken, wenn es in den drei Stadtteilen brennt.

Aktuell sind es im kleinsten Ortsteil tagsüber ein paar Kräfte mehr, weil viele im Home-Office arbeiten. Aber das wird sich wieder ändern. Dann ist eine breitere Basis an Feuerwehrleuten wichtig. Die Zahlen in Kelkheim und dem ganzen Kreis seien bei den Aktiven rückläufig, weiß Prokasky. Hier möchte er mit seiner Initiative gegensteuern. Es müssten ja keine gestandenen Kräfte sein, auch Neubürger, die sich als Quereinsteiger mit der Feuerwehr befassen wollen, sind ihm als Mieter willkommen. "Wenn Sie jetzt noch Lust auf Abenteuer und Gesellschaft bei der Eppenhainer Feuerwehr haben, sollten Sie nicht lange warten und diese besondere Gelegenheit für sich nutzen", wirbt Prokasky in seiner Immobilienanzeige.

Bezahlbarer Wohnraum ist nicht nur in Kelkheim knapp. Die Stadt tut sich seit Jahren schwer, hier neue Angebote zu schaffen. Mit seiner Idee will Prokasky einen kleinen Teil beisteuern. Er hält es auch für absolut sinnvoll, direkt am geplanten gemeinsamen Feuerwehrstützpunkt zwischen Gagernring und Hühnerberg ein Wohnhaus vor allem für Brandschützer zu bauen - nach dem Hofheimer Vorbild.

Zwei Führungskräfte müssen wegziehen

Denn es gibt ärgerliche Beispiele, wo der Stadt aktive Feuerwehrleute verloren gingen oder noch gehen - weil eben passender Wohnraum fehlte. Der gerade verabschiedete Stadtbrandinspektor Alexander Kolata zieht nun nach Nordenstadt. "Das ist natürlich schade", bedauert Prokasky und weiß: Auch Kolatas Stellvertreter Benjamin Liebenthal ist inzwischen nach Ehlhalten gezogen. Letztlich müsse auch die Stadt mit ihren Möglichkeiten Angebote machen und mit gutem Beispiel vorangehen, findet Prokasky. Da passiere ihm noch zu wenig (Text unten). Auch bei der Einstellung von Feuerwehrleuten in der Verwaltung, dem Bauhof oder den Kitas. In den Reihen der Brandschützer gibt es eine Arbeitsgruppe "Safe", wie sie Kräfte halten und neue gewinnen können. Da seien Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Erleichterungen bei der Grundsteuer, günstigere Kita-Beiträge Bausteine gewesen, weiß Prokasky. Das Resumee liege der Stadt vor, erhofft er sich nun auch darüber Lösungen für das Personalproblem beim Brandschutz.

Prokasky selbst ist das beste Beispiel: Er ist in der Feuerwehr Eppenhain groß geworden und seit 30 Jahren in der Einsatzabteilung aktiv. Mehr als zehn Jahre engagierte er sich in der Wehrführung, auch die Familie ist mit im Boot. Nun plant er intensiv den Neubau des Gerätehauses in der Nähe der Alten Schule weiter. Innovative Ideen sind ihm nicht fremd: Einmal hat er an die Haushalte Lösch-Eimer verteilt, um die Bürger zumindest zu einer Mitgliedschaft in der Feuerwehr zu bewegen. Dieser Erfolg war aber mäßig. Nun hofft Prokasky, dass zumindest seine beiden Wohnungen bei Brandschützern auf Interesse stoßen.

Stadt stellt zwei Wehrleute ein

Als diese Zeitung Bürgermeister Albrecht Kündiger auf die Initiative von Harald Prokasky anspricht, nennt er es spontan "eine tolle Sache". Berufsgruppen wie Feuerwehrleute, Erzieher oder Krankenschwestern hätten es nicht leicht, auf dem freien Markt Wohnraum zu finden. Bei den ehrenamtlichen Brandschützern sei der Verdienst aber wegen aller möglicher Jobs unterschiedlich. Bezahlbarer Wohnraum sei vor allem für sozial Schwache gedacht und an genaue Vorgaben zur Förderung gekoppelt - oft fielen diese Berufe durch das Raster, weil sie über der Verdienstgrenze seien.

"Der Bedarf ist da", weiß Kündiger. Doch das oben geschilderte Problem macht der Stadt eine genaue Vorgabe für Feuerwehrleute schwer. Zwei Beispiele in direkter Nachbarschaft an der Ecke Weilbacher Straße/Johann-Strauß-Straße: Hier hat die Stadt das ehemalige Flüchtlingsheim des Kreises gekauft, will es abreißen und neu bauen lassen. Dort könne wegen der Zuschüsse fürs Projekt "nur" geförderter Wohnungsbau entstehen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein. Direkt gegenüber wiederum hat die Stadt bauen lassen - hier sollten erschwingliche Einheiten entstehen, geworden ist daraus wegen mangelnder Aufsicht ein recht luxuriöser Bau - nicht erschwinglich für alle Berufsgruppen.

Der Kommune fehlen die Grundstücke

Was die Stadt noch tun kann, um die Kelkheimer Feuerwehr zu stärken? Bei gleicher Qualifikation ansonsten würde bei Neueinstellungen der Kommune der Bewerber mit Erfahrung in der Feuerwehr genommen, sagt Kündiger. Zwei neue Kräfte fangen in diesem Sommer auf diese Weise an und stärken die Brandschützer vor allem tagsüber. Insgesamt aber ist es für die Stadt allerdings schwierig, weiß Kündiger. "Mir fehlen die Grundstücke", sagt er zu mangelnden Möglichkeiten für eigene Projekte. Keinesfalls könne die Kommune aber gut situierten Feuerwehrleuten aktiv dabei aktiv helfen, ein passendes Eigenheim zu finden. "Irgendwann ist die Grenze erreicht", sagt er zur Personalie von Alexander Kolata, der als Stadtbrandinspektor nach Nordenstadt umzieht. Eine Unterstützung sei in solchen Fällen den Kelkheimer Bürgern nicht zu vermitteln, so Kündiger.

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