Gimbacher Hof

Experte gewährt bei Fledermaus-Wanderung besondere Einblicke

Am Gimbacher Hof trafen sich Fledermaus-Fans mit dem Ornithologen der Unteren Naturschutzbehörde, Michael Orf. Auf Einladung der Stadt Kelkheim und anlässlich des Hessischen Tages der Nachhaltigkeit gab der Fachmann Einblicke in die Welt von Batman und Co.

Es wird bereits schummrig am Gimbacher Hof. Doch die nahende Abenddämmerung ist durchaus erwünscht. Es ist der „Hessische Tag der Nachhaltigkeit“ – und Kelkheim unterstützt die Aktion mit einer Fledermauswanderung. Die Besucher sind zahlreich erschienen. Die Tierart ist interessant und streng geschützt. Fledermäuse gehören zu den bedrohten Tierarten. Nahezu 83 000 stehen auf der „Roten Liste“ Knapp 24 000 sind vom Aussterben bedroht.

„Mit Michael Orf haben wir eine wahre Koryphäe als Referent des Abends gewinnen können. Der Ornithologe der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises kennt sich auf dem Fachgebiet Biologie aus“, sagt Christine Michel zur Begrüßung der Stadt. „Speziell die Fledermäuse sind meine Passion“, gibt Orf zu. Bereits als Junge habe er sich mit den Tieren beschäftigt.

„Ich hoffe sehr, dass wir welche sehen werden“, sagt Vincent. Der 14-Jährige erklärt, dass er auch schon mal an der Nordsee eine Fledermausführung mitgemacht habe: „Doch leider ohne Fledermäuse.“ Heute Abend stünden die Chancen gut, erwidert Experte Orf. „Denn jetzt fliegen auch die Jungtiere mit.“ Fledermäuse seien Säugetiere und damit lebend gebärend, weiß Orf. Die Anatomie ähnle der des Menschen. „Die Knochen an den Flügeln entsprechen unseren.“ Deshalb werden Fledermäuse auch in Richtung Primaten eingeordnet.

Auch Carolin freut sich auf die Führung. Sie hofft ebenfalls, Fledermäuse zu sehen. „Die sieht man ja nicht alle Tage. Es hatte sich letztens eine in unserem Schlafzimmer verirrt“, sagt die 15-Jährige. Fledermäuse gehörten lange zu den gejagten Tieren. Sie seien als Inbegriff des Bösen mit dem Teufel gleichgesetzt worden, schildert Orf. „Die Vögel waren die Guten, die Fledermäuse die Bösen. Dass Fledermäuse im Dunkeln flogen ohne irgendwo dagegen zu stoßen, machte den Menschen Angst. Erst ein Mönch erkannte im 19. Jahrhundert, dass die Tiere über Ultraschallortung fliegen.“

Der schrumpfende Bestand der Tiere sei wesentlich auf Nahrungsmangel zurückzuführen. Es gebe zu wenig Insekten. Von laut Nabu 33 000 nachgewiesenen Insektenarten sind fast 40 Prozent mindestens bestandsgefährdet, viele sind bereits ausgestorben. Das mache es den Fledermäusen nicht gerade leicht. Es gelte, die Artenvielfalt zu erhalten, die „wir heute noch haben“, so Orf. Denn nur über Vielfalt sei ein sinnvolles Zusammenspiel des Ökosystems möglich. Auch Quartierverluste gefährdeten die Population. Enge Bebauung, stark beleuchtete Straßen, wärmeisolierte Häuser und der Abriss alter Gebäude reduzierten Nistplätze und Insektenangebot der Fledermäuse. Mit einem „Bat-Detektor“, einem elektronischen Gerät zur Umsetzung der Ultraschalllaute von Fledermäusen in für Menschen hörbare Töne, führt Orf seine Zuhörer in den Wald. Dass die Fledermausliebhaber an diesem Abend auf alle Fälle eine Fledermaus sehen würden, wissen sie da noch nicht. Die Überraschung ist gelungen und die Freude, besonders unter den jungen Naturliebhabern, wie Vincent und Carolin groß, als Orf eine kleine Fledermaus herbeizaubert. „Eine Bekannte hat sie verletzt gefunden und wieder gesund gepflegt.“ Orf lässt das Tier vor allen Teilnehmern fliegen. Damit leistet auch die Gruppe einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt. Orf wiederum ist zuversichtlich, dass einige Tiere rund den Gimbacher Hof heimisch sind und Nahrung gefunden haben. An dem Abend jedenfalls ist noch „reger Flugverkehr“ gewesen, wie der Experte danach berichtet. 10 bis 15 Tiere an dem Abend seien zu sehen gewesen.

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