Brandserie in Kelkheim

Feuerteufel verbreitet Angst und Schrecken

  • VonManfred Becht
    schließen

Eine Serie hält die Feuerwehr und die Polizei in Atem. Meistens qualmt es im Quartier nördlich der Stadtmitte. Bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen.

Um wirklich große Summen geht es nie: 1500 Euro Anfang Dezember in der Kelkheimer Innenstadt, 6000 Euro im November im Hinterhof einer Pizzeria, 3000 Euro an einem Imbiss in Münster – die Feuerwehr hat es, zumal bei Bränden, oft mit ganz anderen Schadenssummen zu tun. Aber von Fall zu Fall wächst die Sorge, sagt Stadtbrandinspektor Alexander Kolata, dass es eben einmal nicht so glimpflich abgeht und eventuell sogar Menschen zu Schaden kommen. Genau das nämlich habe man in der Vergangenheit bei Brandserien schon beobachten können.

Genau um eine solche handelt es sich für Kolata in Kelkheim – und die Polizei sieht das genauso. Auf 16 hatte Andreas Beese, Pressesprecher der Polizeidirektion Main-Taunus, die Zahl der Fälle Ende vergangener Woche zusammengerechnet, und dabei nur Papiertonnen und -container berücksichtigt. Aber am Wochenende brannte es wieder mehrfach. Diesmal wurde auch eine Gartenhütte Raub der Flammen.

Es hätten sich Hinweise auf Brandstiftung ergeben, ließ die Polizei wissen. Für all die abgebrannten Mülltonnen ist das ein fast überflüssiger Hinweis – es ist völlig unvorstellbar, dass diese Feuer in dieser Häufung zustande gekommen sind, ohne dass sie jemand angezündet hat. Die Polizei ermittelt daher zunächst wegen Sachbeschädigung durch Feuer. Mit einer Geldstrafe oder mit Haft von bis zu zwei Jahren muss rechnen, wer wegen dieses Deliktes verurteilt wird. Wird jemand gleich serienweise aktiv, so wie jetzt in Kelkheim, dürften die Gerichte dazu neigen, eine Haftstrafe zu verhängen. Wer eine Mülltonne anzündet und das Feuer greift dann auf ein Gebäude über, in dem sich Personen aufhalten oder Fahrzeuge abgestellt sein können: Dann ist es Brandstiftung, dann lautet die Strafandrohung auf bis zehn Jahre Gefängnis.

Bevor aber ein solches Urteil gefällt werden kann, muss erst einmal jemand überführt werden. Die Polizei steht bislang vor einem Rätsel. Die meisten Brände waren in Kelkheim, vor allem im Quartier rund Park- und Altkönigstraße, und alle zwischen 21 und 3 Uhr. Über irgendwelche Ermittlungsansätze berichtet Beese nichts – und das würde er auch nur tun, wenn dies die Arbeit der Polizei nicht behindern würde.

Auffällig ist, dass in mindestens zwei Fällen Zeugen jemanden in einem grünen Auto haben wegfahren sehen wollen. Ob das ein Ermittlungsansatz ist, lässt sich von außen kaum beurteilen. Umgekehrt ist die Polizei auf Zeugenaussagen angewiesen, weiß auch Feuerwehrchef Kolata. Es ist nämlich unwahrscheinlich, dass eine Streife einen Täter erwischt. Die Bürger sollten möglicherweise aufmerksamer und noch eher bereit sein, die Polizei anzurufen, hofft er. Das sagt auch die Polizei immer: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig die „110“ gewählt.

„Ich hoffe, er wird schnell erwischt“, sagt Kolata über denjenigen, der da rasch mit dem Feuerzeug bei der Hand ist. Dass in solchen Fällen schnell spekuliert wird, es könne sich um einen der Feuerwehrmänner handeln, weiß er auch. „Ich würde mich mit Händen und Füßen gegen eine solche Behauptung wehren“, sagt Kolata.

Und überhaupt: Die Feuerwehr hat gar keinen Spaß an der Brandserie. „Wir sind alle nur noch genervt“, berichtet Kolata. Mitten in der Nacht zum Einsatz gerufen zu werden, das macht keinen Spaß. Zumal momentan ohnehin viel los ist. Und zu dem Ärger kommt die Sorge, dass auch einmal mehr passiert. Schon bei dem Brand im Hinterhof der Pizzeria ist nur deshalb nicht mehr geschehen, weil das Feuer schnell bemerkt wurde. Je öfter es brennt, umso wahrscheinlicher ist, dass es einmal schief geht.

Für die Besitzer der Mülltonnen reicht der Ärger mit dem abgefackelten Behälter schon voll und ganz. Sie bekommen von der Firma Kilb, die die Papiertonnen leert, eine neue – und wenig später dann eine Rechnung, berichtet Christine Michel, Pressesprecherin der Stadt. Die Hauseigentümer könnten den Schaden dann bei der Versicherung geltend machen. Das allerdings ist nicht garantiert – bei manchen Versicherungen sind die Mülltonnen mit versichert, bei anderen nicht.

„Alltag ist das nicht“

Mit Abstand am häufigsten bei der Brandserie ausrücken musste die Feuerwehr Kelkheim-Mitte. „Alltag ist das nicht“, betont deren Pressesprecher Stephan Armagni – selbst wenn die Feuer verhältnismäßig leicht zu löschen seien. Er sieht es wie sein „Chef“ Kolata: „Unsere Sorge ist, dass es nicht bei Mülltonnen bleibt.“ Armagni selbst wohnt in dem Viertel, in dem sich die meisten Brände ereignet hatten. „Das Gefühl, dass jemand Spaß dabei hat, ist kein Gutes. Es ist schon komisch. Wenn ich abends ins Bett gehe, dann hoffe ich, dass es eine Nacht wird, in der wir nicht raus müssen.“ Er hofft daher ebenfalls, dass die Polizei den Feuerteufel bald erwischt.

Hinweise nimmt die Polizei Kelkheim unter Telefon (0 61 95) 67 49-0 entgegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare