Im "Hornau-West", hier der Blick zum Gagernring und der Weg Richtung Fischbach, könnte ein Feuerwehrhaus entstehen.
+
Im "Hornau-West", hier der Blick zum Gagernring und der Weg Richtung Fischbach, könnte ein Feuerwehrhaus entstehen.

Stadtplanung:

Feuerwehr hält an ihrem Stützpunkt-Plan fest

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
    schließen

Brandschützer fürchten aber "Hinhaltetaktik", sorgen sich um Gerüchte und fehlende Informationen.

Kelkheim. Diese Sache ist der Feuerwehr wichtig. So wichtig, dass Stadtbrandinspektor Stefan Kunisch die Vertreter der Wehrführungen in Hornau und Fischbach für einen kleinen Pressetermin zusammentrommelt, während die Kollegen von Kelkheim-Mitte im Urlaub sind. Aber auch so ist die Stimme stark genug. Denn die Brandschützer der drei Stadtteilwehren-Wehren sind frustriert, verärgert und unsicher, was den geplanten gemeinsamen Feuerwehrstützpunkt im Gebiet "Hornau-West" betrifft.

"Die Führung ist da ganz klar geschlossen"

Es werde viel darüber geredet, gebe einige Gerüchte - meist aber, ohne die Feuerwehr zu hören, finden Kunisch, Hornaus Stellvertretender Wehrführer Tobias Usinger, Fischbachs Chef Erik Hammersen und sein "Vize" Heinz Peter Niehaus. Aktuell gibt es die ersten Vermutungen, die Politik könnte zum Millionen-Projekt auf Distanz gehen. Kunisch stellt dem deutlich entgegen, "dass wir an der Idee festhalten". Es sei keinesfalls richtig, dass die Feuerwehr das Projekt nicht mehr wolle. "Die Führung ist da ganz klar geschlossen", ergänzt Usinger, weiß aber: "Man wird nicht alle unter einen Hut bringen." Sie stellen klar, dass es für die Wehren in Fischbach, Hornau und Kelkheim "keine Alternative" gebe. Die Feuerwehrhäuser an den drei Standorten seien in die Jahre gekommen, eine umfangreiche Sanierung wäre notwendig - und unklar sei, ob der Platz für die heutigen Anforderungen jeweils ausreiche.

Deshalb hat die Kelkheimer Wehr unter dem damaligen Stadtbrandinspektor Alexander Kolata die Sache schon vor fünf Jahren angestoßen. Recht bald danach fasste die Stadtverordnetenversammlung den Beschluss, sich grundsätzlich der Sache nähern zu wollen. Seitdem hat es zwar noch mal einen Workshop mit der Politik und Ende 2020 eine Online-Runde gegeben - doch unter dem Strich passiert der Wehrführung in der Sache sichtbar zu wenig. "Es läuft träge", findet Usinger. Kunisch fürchtet sogar eine Art "Hinhaltetaktik". Der "halbe Ort" spreche über das Thema, "aber wir sind auf dem Stand vom Vorjahr", kritisiert der Hornauer Vize-Chef außerdem.

Was den Ehrenamtlern aktuell noch aufstößt, ist ein nichtöffentlicher Termin, bei dem die politischen Mandatsträger über Gutachten zum Gebiet "Hornau-West" und zu möglichen Standorten für einen Feuerwehrstützpunkt informiert werden sollen. Die Brandschützer fragen sich: Warum bleiben sie außen vor? Warum kennen sie von diesen Gutachten noch gar nichts? Bürgermeister Albrecht Kündiger verweist auf eine interne Diskussion und Fragerunde nur der Politik, die ja entscheide (Text unten).

Auf der anderen Seite regen aber die Parteien an, die Feuerwehr solle ihre Mitglieder befragen zum Stützpunkt. Dann aber wäre diese Abstimmung "nur eine emotionale Sache ohne Faktenlage", so Kunisch. "Man muss doch erst einmal die Machbarkeit prüfen, dann kann die Mannschaft gefragt werden." Wie sieht das Gebiet aus? Wo könnten die Gebäude stehen? Wie ist die Erschließung möglich? Diese und weitere Fragen müssten beantwortet werden, bevor sie in die Wehren damit gehen, fordern die Kelkheimer Brandschützer. Sie selbst schauen, "dass wir unseren Tisch sauber halten, unsere Hausaufgaben machen", betont Usinger. So habe die Wehr bereits ganz zu Beginn eine Flächenermittlung und einen Raumplan anhand der Vorgaben erstellt.

Zuletzt gibt es immer wieder Gerüchte, dass gerade die Fischbacher Wehr Probleme mit einer Zusammenlegung habe. Dem tritt Wehrführer Hammersen deutlich entgegen. Er habe sich natürlich auch mit dem einen oder anderen Kritiker unterhalten. Doch selbst sie sagen, "dass es feuerwehrtechnisch mehr als sinnvoll" sei. Er wolle wie die Kollegen vermeiden, dass zu viele Emotionen mitschwingen. Hammersen: "Sachlich gesehen macht es Sinn."

Natürlich habe die Wehr wegen des schwierigen Projektes in einem nicht erschlossenen Gebiet mit einer aktiven Bürgerinitiative als Gegner länger stillgehalten und abgewartet. Doch langsam ist die Geduld am Ende. Der neue Stadtbrandinspektor Kunisch hat mit dem Bürgermeister bei seiner Antrittsrunde darüber gesprochen, die Hornauer haben Kündiger bei der Jahreshauptversammlung um eine Stellungnahme gebeten. Es hieß, nach den Sommerferien gebe es Informationen. Doch nächste Woche sind inzwischen die Herbstferien. Kunisch sagt daher deutlich, die Verwaltung solle "schnellstmöglich Fakten schaffen". Denn je länger sich das Verfahren noch hinziehe, "desto schwerer ist es, die Kameraden mitzunehmen". Die anfängliche Euphorie werde durch diese Informationspolitik auch "immer weniger", weiß Usinger.

Auch wolle die Wehr nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass in "Hornau-West" Häuser und eine Straße gebaut werden. Natürlich müssen die Brandschützer die Hilfsfristen in allen drei Stadtteilen vom Stützpunkt aus einhalten. Dass es möglich ist, wollen sie demnächst durch Übungsfahrten untermauern.

Usinger hat Respekt vor der Bürgerinitiative, "das macht die Demokratie aus". Findet aber auf der Feuerwehrseite: "Es stehen zu wenige auf und sagen: ,Wir wollen das.'" Das Quartett weiß, dass sich das Vereinsleben mit dem neuen Stützpunkt verändern wird. Aber die Einsatzabteilungen und die Jugendfeuerwehr machen schon jetzt regelmäßig gemeinsame Sache. "Allein kann hier keine Wehr was reißen, nur gemeinsam sind wir stark", redet Usinger Klartext. Für ihn ist die schnelle Beschaffung einer neuen Drehleiter zuletzt das beste Beispiel, wie Stadt, Politik und Wehr sehr gut zusammenarbeiten können. Dieses Tempo wünscht er sich nun auch für den Stützpunkt.

"Es gibt keine Alternativen"

Kunisch fasst es für das Quartett zusammen: "Es gibt keine Alternativen zum Standort und zum Projekt." Die ganze Sache sei schon sehr kräftezehrend. "Und wir wissen, dass es noch mehr Kräfte kosten wird", blickt Usinger voraus. Aber er stellt auch unmissverständlich klar: "Wir stehen da noch voll dahinter. Es sind große Schritte, die wir in die Wege leiten. Aber wir halten es trotzdem für das Sinnvollste."

Kündiger: Wehr wird nach Politik informiert

Eine gemeinsame Einladung von Mandatsträgern und Feuerwehr-Führung sei für ihn nicht in Betracht gekommen, betont Bürgermeister Albrecht Kündiger. Der Politik müsse eine offene, aber nicht öffentliche Präsentation mit Fragerunde ermöglicht werden. Danach würden auch die Brandschützer informiert, kündigt er an. Es sei zudem der Wunsch der Fraktionschefs für die zusätzliche Runde hinter verschlossenen Türen gewesen. Die Feuerwehr werde auf jeden Fall einbezogen, die Befragung der Mannschaften sei ja von der Politik gewünscht worden, so Kündiger, der von Sorgen auf Fischbacher Seite gehört hat. Klar ist für ihn, dass es zum Beispiel keine separate Straße in diesen Stadtteil geben kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare