Auch zum Brand einer Gartenhütte, die sich als Haus entpuppte, wurden die Brandschützer im Vorjahr im Juni  gerufen.
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Auch zum Brand einer Gartenhütte, die sich als Haus entpuppte, wurden die Brandschützer im Vorjahr im Juni gerufen.

Viel Arbeit für das Spitzentrio

Feuerwehr Kelkheim debattierte über heiße Eisen

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Alexander Kolata bleibt Stadtbrandinspektor, Frank Darmstadt und Benjamin Liebenthal (neu) sind seine Stellvertreter.

„Das ist ein solides Ergebnis bei einer Wiederwahl. Gerade mit Blick auf die Themen, die anstehen.“ Alexander Kolata, der alte und neue Stadtbrandinspektor, ist mit seinen 80 Prozent der Stimmen bei der Mitgliederversammlung der Feuerwehr zufrieden. Denn er weiß, dass gerade mit der angedachten Zusammenlegung der drei Stadtteilwehren Kelkheim-Mitte, Hornau und Fischbach ein heißes Eisen anzufassen ist. Aber die vier Fünftel der Stimmen sind für ihn andererseits ein deutliches Signal, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Die dicken Wanderschuhe dafür wird Kolata mit zwei Kameraden schnüren. Frank Darmstadt aus Fischbach wurde mit 93 Prozent als Stellvertretender Brandinspektor wiedergewählt. Neu im Team als Vize ist der ehemalige Stellvertretende Wehrführer in Kelkheim-Mitte, Benjamin Liebenthal. Er erhielt 68 Prozent. Verabschiedet wurde Reiner Fischer, der bis 2016 Zweiter Mann hinter Kolata war, dann nach zehn Jahren aber nicht mehr antrat. Dass sich Liebenthal der Herausforderung stellt, rechnet ihm der Stadtbrandinspektor hoch an – auch wenn dies im Ergebnis nicht so dokumentiert wurde. Kolata, seit 2012 im Amt, hatte ihn als Nachfolger für Fischer „im Kopf“, als Liebenthal selbst auf das Duo zukam.

Die neue Dreier-Spitze will sich nun in den nächsten fünf Jahren den Herausforderungen stellen. Der größte Brocken wird dabei der gemeinsame Stützpunkt sein. Bei der Mitgliederversammlung sei das Vorhaben kein großes Thema gewesen, berichtet Kolata. In seinem Jahresbericht geht er aber ausführlicher darauf ein. Die Resonanz nach Bekanntgabe der Idee sei „überwiegend positiv“ gewesen, „dennoch ist dieser Prozess nicht zu unterschätzen“. Kolata: „Es gibt bei einigen Feuerwehrangehörigen auch durchaus Bedenken oder ablehnende Haltungen.“ Das müsse ernst genommen werden, weitere Gespräche seien notwendig. Zuvor möchte der Feuerwehrchef, der selbst für die CDU im Stadtparlament sitzt, Fakten von der Politik. Ein entsprechender Prüfauftrag wurde verabschiedet. Zahlen und Pläne erhofft sich Kolata für spätestens Mitte 2018 – und er weiß: „Der Erfolg dieses Projektes hängt in erheblichem Maße von Klarheit und Transparenz ab.“

Daher hat die neue Feuerwehrspitze zum Beispiel zuletzt die jüngeren Kameraden zwischen 16 und 28 Jahren zu einem Gespräch eingeladen. Auch dort sei deutlich geworden: Grundsätzlich wird eine Zusammenlegung der Wehren Mitte, Hornau und Fischbach befürwortet, doch das „Vereinsleben ist auch für die junge Generation viel wert“, weiß Kolata. Gerade für die Feuerwehrvereine werden deutliche Einschnitte befürchtet – etwa, was ihre vielfältigen Veranstaltungen betrifft. „Das bleibt Thema“, weiß Kolata, „aber es wird sich lösen lassen und bietet auch ganz neue Chancen“. In den fünf Jahren Amtszeit des neuen Trios will er allerdings zu dem Großprojekt „Klarheit“. Dann sei genug diskutiert worden, ob die Kelkheimer den Feuerwehrstützpunkt wollen.

Weitere große Themen sind laut Kolata neue Fahrzeuge (allen voran die Drehleiter, für die in gut vier Jahren Ersatz benötigt wird) und das marode Feuerwehrhaus in Eppenhain. Hier werde der Prüfdienst „uns dieses Jahr wohl wieder bescheinigen, dass das Haus so nicht zu betreiben ist“. Daher sind dann Planungen und Prüfungen die nächsten Schritte.

Stadtjugendwart Philippe Prokasky, der aus Eppenhain kommt, hofft, dass es „auf einen Neubau hinauslaufen“ wird. Er sieht einen Zeitplan von fünf bis acht Jahren für das Projekt. Bei der Mitgliederversammlung wurde er nicht nur mit der Floriansmedaille für besonderes Engagement im Nachwuchsbereich ausgezeichnet, Prokasky richtete auch einen Appell an die Kameraden: „Wir haben tierische Probleme mit den Betreuern. Es sind immer die gleichen zehn Leute, die es machen.“ Da Helfer fehlen, mussten im Vorjahr wichtige Veranstaltungen wie eine Ganztagesübung, die Floriansnacht und der gemeinsame Ausflug ausfallen. Prokasky hofft nun, dass von den vielen jungen Feuerwehrleuten einige „noch ein bisschen mehr mitmachen“. Mit den Zahlen hingegen ist er ganz zufrieden. Ende 2016 waren es 121 Jugendfeuerwehrleute und 91 Minilöscher. 23 Jüngere waren zur Jugendwehr gewechselt. Die Zahl ging aber leicht zurück.

Da gilt auch für die Einsatzabteilung, hier waren es Ende 2016 genau 278 Kameraden, im Jahr davor allerdings 14 mehr. Daher ist die Nachwuchsarbeit für Kolata „eine große Herausforderung“. Eine weitere Entlastung der Ehrenamtler könnte helfen. Kolata ist zufrieden mit den drei hauptamtlichen Kräften, doch er betont: „Ich bin überzeugt, dass wir weitere Hauptamtliche brauchen.“ Das sei allein schon bei der Sicherung der Tagesalarmstärke ein wichtiges Thema. Kolata findet, dass die Stadt Kelkheim perspektivisch auch mit fünf hauptamtlichen Kräften „nicht überbesetzt“ wäre.

Die drei Kollegen waren im Vorjahr weiterhin fleißig bei den Einsätzen mit draußen. Insgesamt rückten die Kameraden der sechs Wehren 478 Mal aus – 15 Fahrten mehr als 2015. Kolata bezeichnet das Jahr 2016 als „wenig spektakulär“. Den Atem hielt er aber an, als im Dezember wieder einige Mülltonnen brannten – die Erinnerung an den Feuerteufel kamen hoch. Retten mussten die Helfer einige Kinder aus einem Bus nach Vollbremsung, eine betrunkene junge Frau nachts aus dem Schwimmbad und ein hilfloses Eichhörnchen. Oft ging’s raus zum Liederbach, der an der Baustelle Mühlstraße über die Ufer trat. Und am Gimbacher Hof brannte eine Pistenraupe.

(wein)

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