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Fischbach: „Damit die Kinder sehen, dass der Apfel nicht vom Rewe kommt“

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Von: Frank Weiner

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Der Obst- und Gartenbauverein Fischbach ist sehr aktiv - hier beim Keltern für Kinder.
Der Obst- und Gartenbauverein Fischbach ist sehr aktiv - hier beim Keltern für Kinder. © wein

Der Obst- und Gartenbauverein kehrt mit seiner Mitmach-Aktion „Keltern für Kinder“ aus der Corona-Pause zurück. Auf der Streuobstwiese am Rettershof wird das Bewusstsein für die Natur geweckt.

Fischbach . Maximilian, Niki, Hanna, Thanasis, Josef, August, Ruben und die anderen Kinder haben alle Hände voll zu tun an diesem Nachmittag. Zuerst geht es mit dem Eimer auf die Streuobstwiese, denn der wichtige Rohstoff Apfel muss ja erst gesammelt werden. Danach ziehen die Mädchen und Jungen weiter in die Feldscheune des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Fischbach am Rettershof, um das leckere Obst zu schneiden. Dann erst kann es in die kleine Kelter gefüllt werden, die von den Helfern aufgebaut wurde. Und dort steht nun die Gruppe, darf auch einmal am Hebel drehen - und staunend schauen, wie unten leckerer Süßer herauskommt.

„Keltern für Kinder“ - das gibt es beim OGV schon seit 2006. Nur hat Corona für eine Zwangspause gesorgt. So freuen sich alle über die Rückkehr der Mitmach-Aktion auf der Streuobstwiese. „Damit die Kinder sehen, dass der Apfel nicht vom Rewe kommt“, sagt OGV-Mitstreiter Heiner Schmitt. Sein Kollege Hans Herold holt die Schneidemaschine raus, damit wird die Frucht sogar mundgerecht in Scheiben vorbereitet. Genüsslich knabbern einige Kinder daran. Mit dabei sind auch die OGV-Aktiven Dietmar und Sylwia Drossel sowie Steffi Schwaner. Thanasis und Josef, beide sieben Jahre alt, finden es klasse hier. Zu sehen, was aus einem Apfel so alles werden kann, das sei etwas Besonderes. Das sieht Thanasis’ Vater Nestor Daniel genauso. „Die Kinder haben ja kein Gefühl, wo es herkommt.“ Selbst die Eltern nicht immer, ergänzt seine Frau Anja. Hier könnten Klein und Groß sehen, wie die Früchte der Felder und Wiesen genutzt werden. Sie verabschieden sich mit dem Zuruf „Es war ein super Erlebnis“ und einer Flasche Süßen zufrieden beim OGV.

Bewusstsein für Natur wieder entdeckt

Zufrieden ist auch der engagierte Fischbacher Verein. Denn Corona habe den Leuten das Bewusstsein für die Natur wieder vor Augen geführt, wissen die Vorstandsmitglieder Schmitt und Herold. Hatte der OGV vor der Pandemie unter 150 Mitglieder, so sind es nun gut 200. Dazu beigetragen hat auch eine Streuobstwiese für Familien, die der Verein in Fischbach freigegeben hat. Dort kümmern sich Kinder und Erwachsene dann um ihre eigene Ernte.

Sie werde in diesem Jahr nicht schlecht ausfallen, sagt Schmitt. Das sei auf jeden Fall besser als 2021. Natürlich hätten die Stämme durch die Trockenheit gelitten, seien viele Früchte auf den Boden gefallen. Sie werden dann mit der Lesemaschine beiseite geräumt, um die restlichen Äpfel von den Ästen zu schütteln, berichtet der OGV-Aktive. An den nächsten drei Wochenenden sind die Helfer dann im Dauereinsatz - Früchte lesen, keltern und kochen. An jedem zweiten Samstag im Monat verkauft der Verein seine vielfältigen Produkte vom Apfelwein und -Saft über Gelees, den „Rettershofer Hugo“ bis zu Apfelbalsamico sowie Bränden und Likören von 13 bis 17 Uhr aus seinem Kelterhaus im Gutshof.

Neue Produkte seien aktuell nicht angedacht, sagt Schmitt. Kollege Herold weist auf zwei spezielle Marmeladen hin: Aronia, eine indianische Apfelbeere mit vielen Vitaminen, wird mit Brombeere gemischt. Und einen Mispel-Vanille-Aufstrich haben sie im Sortiment. Die im Mittelalter weit verbreitete, dann vom Apfel abgelöste Mispel hat der Verein für sich entdeckt. Sie braucht Frost, wird erst im Dezember geerntet, hat einen säuerlichen, aber aromatischen Geschmack. Und um das alles selbst zu genießen, hat der OGV gegenüber vom Kelterhaus eine „Wohlfühloase“ eingerichtet, wie Schmitt es nennt. Es ist eine gemütliche Sitzecke, die auch Spaziergänger nutzen. Nun werde geklärt, ob der Verein sie überdachen kann, so Schmitt.

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