Ein Mehrfamilienhaus soll auf dem Platz der ehemaligen Gaststätte „Weiberwirtschaft“ im Ortskern von Fischbach entstehen.
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So soll das neue Mehrfamilienhaus an der Ecke Langstraße/Im Unterdorf in Kelkheim-Fischbach aussehen. Die „Weiberwirtschaft“ wird dafür abgerissen.

Neuer Wohnraum

Traditionslokal „Weiberwirtschaft“ ist bald Geschichte: Jetzt steht fest, was stattdessen kommt

  • Frank Weiner
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Die ehemalige Gaststätte „Weiberwirtschaft“ in Kelkheim wird abgerissen. Auf dem Gelände im Ortskern von Fischbach soll ein Mehrfamilienhaus entstehen.

Kelkheim - Die Gaststätten haben seit Anfang November wieder geschlossen. Allerdings nur wenige Wochen, so hoffen die Wirte. Petra Berninger ging es vor ziemlich genau einem Jahr ganz anders. Sie drehte den Zapfhahn ihres Lokals „Weiberwirtschaft“ im Ortskern von Fischbach nach 144 Jahren für immer zu. Seitdem tat sich vor den Kulissen nicht viel an der Ecke Langstraße/“Im Unterdorf“ in dem Gebäude mit dem markanten Wintergarten.

„Weiberwirtschaft“ in Kelkheim: Mehrfamilienhaus soll Platz im Ortskern einnehmen

Doch jetzt hängt ein großes Werbeschild dort und zeigt an, was nach der Ära der „Weiberwirtschaft“ folgen soll. „L 23 - Leben und Wohnen in Kelkheim“: Unter diesem Titel wird das Mehrfamilienhaus im Ortskern von Fischbach vermarktet. Es entsteht ein dreistöckiges Gebäude mit zwei Vierzimmer-, zwei Dreizimmer- und einer Zweizimmer-Wohnung in Größen zwischen 86 und 123 Quadratmeter. Für die fünf Eigentumswohnungen werden Preise von 425 000 bis 619 000 Euro angegeben.

Die Projektgesellschaft L 23 wurde für den Bau des Mehrfamilienhauses von einem in der Region vielfach tätigen Investor eigens gegründet, sagt Bernd Kupferschmitt, Geschäftsführer des Vermarkters MTS-Immobilien in Kronberg. Es habe mit der Umsetzung gedauert, weil sich das Mehrfamilienhaus als eine wichtige Vorgabe in die Bebauung des alten Ortskerns von Fischbach einfügen sollte. Deshalb bekommt es passend zur Nachbarschaft auch mehrere spitze Giebel. "Das wird von der Optik schon eine Bereicherung für Fischbach sein", ist Kupferschmitt überzeugt. Baubeginn soll im Frühjahr 2021 sein, Fertigstellung nach gut einem Jahr.

„Weiberwirtschaft“ in Kelkheim: Mehrfamilienhaus soll Gastronomie beherbergen

Die Bau- und die Abrissgenehmigung liegen vor. Der Chef der Vertriebsgesellschaft geht davon aus, dass der Abrissbagger schon diese oder nächste Woche anrollt. Das werde sicher drei bis vier Wochen dauern, so Kupferschmitt. Denn die Dimension des Grundstücks in Ortskern von Fischbach werde durch die dichte Verbauung aktuell nicht deutlich.

Was die Fischbacher freuen dürfte: Im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses ist auch ein kleines Ladenlokal eingeplant. Kupferschmitt und Fischbachs Bürgermeister Albrecht Kündiger nennen zuerst eine Eisdiele mit Tischen innen und außen sowie Straßenverkauf, die dort einen Platz finden könnte. In dieser Richtung könnte es sich entwickeln, glaubt der Geschäftsführer. Klar ist aber noch nichts. Ebenfalls hat die MTS-Immobilien die Vermarktung bis nach dem Abriss etwas gebremst. Allerdings sei ein kleiner Teil reserviert. Es entsteht ein Niedrigenergiehaus, für dessen Einheiten eine KFW-Förderung möglich sei, sagt Kupferschmitt. Die Parkplätze sind auf dem Grundstück angeordnet, es gibt keine Tiefgarage.

Die ehemalige Gaststätte „Weiberwirtschaft“ in Kelkheim-Fischbach wird jetzt abgerissen.

„Weiberwirtschaft“ in Kelkheim: Bürgermeister bedauert Verlust der Gaststätte

Bürgermeister Kündiger betrachtet der Vorhaben mit gemischten Gefühlen. Die Stadt habe grünes Licht gegeben, weil sich das Objekt einfügt. Das gastronomische Angebot könnte eine Bereicherung für Fischbach sein. Aber der Rathauschef sagt auch: "Ich bedauere es nach wie vor, dass es diese Gaststätte nicht mehr gibt." Der Stadtteil hat gastronomisch immer weniger Vielfalt zu bieten. So eine richtige Dorfkneipe fehlt nach dem Abschied der "Weiberwirtschaft".

Gegründet wurde die „Weiberwirtschaft“ laut Archivar Dietrich Kleipa um 1875 von Anton Berninger. Es war eine weithin bekannte Wirtschaft mit Metzgerei. Es gab Fremdenzimmer, Biergarten und Kegelbahnen. Die Firma Mies aus Bad Soden lieferte Getränke mit der Pferdekutsche. Anton Berninger, der Onkel von Petra Berningers Vater Josef, führte die Gaststätte mit seiner Frau Maria stolze vier Jahrzehnte. Josef Berninger hatte eine Ausbildung zum Metzger gemacht und mit 20 übernommen. Früher wurde geschlachtet und gekeltert. In den 1960er-Jahren entstand ein Kühlhaus, 1974 folgte der Anbau für 70 Plätze, 2007 wurde zum 100. Geburtstag der Biergarten eröffnet. (Frank Weiner)

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