Jan Schneider (li.) und Daniel Misterek suchen mit dem GPS-Gerät den Mannstein ab.
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Jan Schneider (li.) und Daniel Misterek suchen mit dem GPS-Gerät den Mannstein ab.

Geschichte:

Fischbach: Spüren sie Jahrtausende alte Siedlungen auf?

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Forscher-Team schaut erst am Hühnerberg und nun am Staufen nach Zeugnissen der Vergangenheit.

Fischbach. Das ist doch mal ein Arbeitsplatz. Jan Schneider und Daniel Misterek laufen mit dem GPS-Gerät gerade am Großen Mannstein umher. Die Sonne verstärkt trotz windiger Kälte den herrlichen Blick nach Fischbach, Königstein und zu den Taunus-Hängen. Die Fachleute der Firma Spau aus Münzenberg können das Panorama nur nebenbei genießen. Sie sind im Auftrag der Stadt Kelkheim unterwegs. Und sollen herausfinden, ob es noch vor- und frühgeschichtliche Spuren von Wällen und Siedlungen in dem Areal um den Fischbacher Hausberg, den Staufen, gibt.

Es gebe nach den Funden des ehemaligen Kelkheimers Michael Sturm-Berger (Text rechts) "noch viele Fragezeichen, die sich hier stellen", sagt Kelkheims Kulturreferentin Beate Matuschek. Um hier "ein Licht in diese neblige Geschichte zu bringen", habe die Stadt nach dem Buch des Archäologen nun ein zweites Projekt angestoßen. Der Kulturfonds Rhein-Main sei auf Nachfrage sofort dabei gewesen, den Entdeckungen von Berger durch Untersuchungen an Ort und Stelle näher auf den Grund zu gehen, freut sich Matuschek. Insgesamt 12 000 Euro stellt die Initiative zur Verfügung.

Das entspricht in etwa dem Auftrag, den die Firma Spau erhalten hat. Vor zwei Wochen waren die Fachleute bereits am Fischbacher Hühnerberg unterwegs. Auch hier deuten Sturm-Bergers Funde auf Siedlungstätigkeiten hin. An nur einem Tag wurde eine Fläche von 2,3 Hektar mit einem Magnetometer begangen. Dabei handelt es sich um eine geomagnetische Prospektion, mit deren Hilfe Änderungen im Magnetfeld der Erde nachgewiesen werden können. Wurden also hier Löcher gegraben und Steine verbaut, so sei das zu erkennen, erklärt Schneider. Gerade rechteckige Strukturen zeichneten sich gut ab. Die Ergebnisse sollen nach der Auswertung der Daten in wenigen Wochen vorliegen. Mit einer Prospektion hatte die Stadt auch Reste der Kloster-Mauern am Rettershof nachgewiesen.

Mit dem GPS-Gerät Anomalien suchen

Schwieriger wird es nun am Großen Mannstein. Das Gelände ist uneben, zum Teil kaum zugänglich. Zudem können die Felsen an der Oberfläche stören und magnetisch auf das Gerät reagieren. Deshalb hat sich die Firma Spau für das LIDA-Verfahren entschieden. Es ist eine dem Radar verwandte Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung. So wurden die Landschaften mit dem Flugzeug überflogen. Ein Laser fuhr die Gegenden ab, der Strahl wurde reflektiert, ergab einen Geländepunkt. Das Puzzle ergibt eine Karte auch für den Mannstein. So könnten Besonderheiten erkannt werden, etwa Gruben aus dem Bergbau oder Löcher für Kohlenmeiler, erläutern Schneider und Misterek.

Diese Daten sind im Hessischen Landesamt für Vermessung und Geoinformation vorhanden. Die Experten von Spau mussten sie nur "einkaufen". Das Duo schaute sich Anomalien an, hat sich rund 100 Punkte auf einer Fläche von etwa drei Quadratkilometern markiert. Sie werden nun mit dem GPS-Gerät einzeln abgelaufen und untersucht. "Vielleicht müssen wir auch ein wenig klettern", weiß Schneider, dass Orte schwer erreichbar sein könnten. Mit direkten Funden rechnen sie nach den Aktivitäten von Sturm-Berger eher nicht. Aber ihre Fotos könnten mit der Buch-Dokumentation ein schlüssiges Bild geben. Gut möglich, dass alles aus der Bronze- und Eisenzeit stamme, also 3000 Jahre und ein bisschen älter sei, überlegt Schneider.

Spau-Chef Sascha Piffko betont aber, Forschungsgeschichte entwickele sich und sei oft "eine Modeerscheinung", mal mit Kelten-, mal mit Germanenwällen. Deshalb sei die Herkunft der Aussagen und der Funde wichtig. Piffko, dessen Firma 50 Mitarbeiter und schon zig historische Untersuchungen hinter sich hat, stellt die Frage ins Zentrum: "Was kommt dabei heraus, wenn man alle Fakten übereinander legt?"

Der Fischbacher Heimatforscher Horst Weber erhofft sich schon etwas. Keltenwälle am Staufen habe es gegeben, es seien Raubsteine gefunden worden. Ebenso Turmreste von einer Anlage, auf der Soldaten den Handelsweg Höchst-Limburg und zur Burg Eppstein bewachten. Auch Matuschek kann sich gut Siedlungen vorstellen. Denn die Täler seien vor Jahrtausenden sehr sumpfig und feucht gewesen, die Menschen hätten sich eher an den Hängen niedergelassen - auch um Gefahren besser zu sehen. "Das wären gute Siedlungsflächen gewesen", glaubt die Kulturchefin und ist schon ganz gespannt auf die Resultate, die Anfang 2022 vorgestellt werden sollen.

Sturm-Bergers Buch als Grundlage

"Steingeräte, Grabhügel, Eisenbarren - archäologische Funde in und um Kelkheim": Das ist der Titel des Buches, das Michael Sturm-Berger geschrieben und die Stadt im heimischen Verlag Edition Pauer 2021 herausgegeben hat. Der studierte Archäologe hat sich schon in seiner Kelkheimer Jugendzeit der Bestandsaufnahme von Bodendenkmälern von noch Tausende Jahre vor Christus gewidmet. Das Buch dokumentiert nun verschiedene Funde und ordnet sie ein.

Besonders viele Entdeckungen wurden am Hühnerberg gemacht, gestielte Pfeilspitzen ebenso wie Keramik der mittleren Eisenzeit. Deshalb vermutet Sturm-Berger neben einer steinzeitlichen auch eine keltische Siedlung aus dem 5./6. Jahrhundert vor Christus. Was die Prospektion nun untermauern könnte.

Für den Staufen gegenüber wird vermutet, dass die Erdwälle am Mannstein vielleicht Reste eines Wachpostens seien. Das könnte mit Blick auf den Ringwall am Altkönig in Sichtweite passen, heißt es in dem Buch. In der Bildergalerie werden ein Quarzit-Mahlstein vom Staufen und eine keltische Münze aus dem Bereich dokumentiert.

Sturm-Berger appelliert in seinem Werk an jedermann, Funde zu sichern, zu dokumentieren und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Es sei eine Verantwortung der Menschen, die Zeugnisse der frühen Menschheitsentwicklung zu wahren. Das Buch kostet 12,80 Euro und ist über den örtlichen Handel zu bekommen.

Auf dem Bild sind die besonders auffälligen Flächen rund um den Großen Mannstein zu sehen.
Mit einem solchen Magnetometer wurde die Gegend am Hühnerberg jetzt untersucht.

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