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Trainingseinheit der deutschen Flag-Football-Nationalmannschaft auf dem Kelkheimer Sportplatz ?Im Stückes?: Oliver Krämer (schwarz) hat den Ball, Kai Sommer (rot) soll ihn aufhalten.

US-Sport

Flag Football ist wie Mini-Schach

17 Nationalspieler des deutschen Flag-Football-Teams nutzten zuletzt den Sportplatz am Stückes zum Trainingslager. Schnelligkeit, Strategie, Taktik und Technik wurden trainiert. Unter ihnen sind drei Kelkheimer.

„Die Trainingsbedingungen in Kelkheim sind optimal“, sagt Maximilian Groß, seit diesem Jahr Cheftrainer der Herren-Nationalmannschaft. „Wir sind echt froh, den Platz hier zu haben. Vom Trainingsfeld bis hin zu Schlafplätzen ist alles da“, unterstreicht der Hamburger, der zuvor fünf Jahre die Damen-Nationalmannschaft coachte. Schließlich ist der Platz das offizielle Trainingsgelände der Kelkheim „Lizzards“, die zur SG gehören, und deutschlandweit einzigartig. „Der Sportplatz hat nicht die richtigen Maße, um als Fußballfeld zu dienen, aber fürs Flag Football ist er wie gemacht“, bestätigt der Co-Trainer, der Kelkheimer Andreas Hufer.

„Von Lager zu Lager werden Spieler ausgesucht. Die jetzigen 17 haben sich gegen ihre Mitstreiter durchgesetzt und spielen im Kader“, erklärt Groß das Auswahlsystem. 3 von 17 stammen dabei aus dem heimischen „Lizzards“-Team: Oliver Krämer, Kai Sommer und Philipp Klein, der mit seinen 19 Jahren das jüngste Mitglied der Nationalmannschaft ist. Für die Damen spielt Stefanie Thiele aus Kelkheim. Klein und Thiele sind sogar die Quarterbacks und damit „Stratege und Spielmacher“, erklärt Defense-Trainer Hufer. Die übrigen Spieler kommen aus Walldorf, Mainz, Würzburg, München, Hamburg, Berlin und Darmstadt.

Das Trainingslager legte den Fokus auf die Spielzüge. „Die ersten drei bis sieben Sekunden eines Spielzuges sind entscheidend. Nur mit Schnelligkeit und Technik schlägt man den Gegner – die Spieler müssen sich blind verstehen, so dass das Spiel mit fünf gegen fünf intuitiv funktionieren kann“, erklärt Hufer. Flag Football sei eben wie Mini-Schach auf einem großen Feld. Für alle komme es beim Trainingslager drauf an, Taktik und Strategie auf dem Spielfeld umzusetzen. „Flag Football ist unheimlich schnell und vielseitig. Alle Teile von Fitness gehören hier dazu. Es ist zudem auch ein intelligenter Sport“, erklärt Groß und lacht: „Alle, die Angst um ihren Kopf haben, spielen lieber Flag Football anstelle von Tackling. Bei den Damen hatten wir beispielsweise mehrere Doktorandinnen im Team.“

Jedes Jahr kämen mehr und mehr gute Spieler dazu, vergleicht Groß im Rückblick. Das liege vor allem daran, dass es mittlerweile einen richtigen Liga-Betrieb gebe, in dem die Teams regelmäßig spielen können. Zu den besten Teams gehören dabei Kelkheim, Walldorf, München und Mainz. Das Finale ist am Samstag (siehe Text rechts). Trotzdem: „Als Nationalmannschaft bekommen wir keine Zuschüsse vom American Football Verband Deutschland. Wir finanzieren uns privat“, verrät Hufer. Es habe sich aber dennoch von einheitlichen Zeitvorgaben bis Platzgrößen viel in den vergangenen Jahren getan. Mehr als 40 Mannschaften seien in der Liga eingetragen, von denen 25 aktiv spielen.

Ende der 1990er schwappte die in den USA sehr beliebte Sportart nach Europa. Bis 2007 habe die National Football League Ableger überall in Europa gehabt, berichtet der 31 Jahre alte Cheftrainer. Mit ihrer Gründung 1998, seit 2001 als „Lizzards“ unterwegs, sind die Kelkheimer eine Traditionsmannschaft in Deutschland. Als bestes Land in Europa stehe Dänemark ganz oben, da es dort eine große Flag-Community gebe, ergänzt Hufer.

Die Nationalmannschaft hat ein straffes Programm vor sich – und das trotz der Hitze. Dennoch geht es entspannt zu. So ist der Vormittag mit Organisation bestückt, und erst am Nachmittag geht es aufs Spielfeld. „In Madrid ist es auch heiß, da haben wir auch unter solchen Bedingungen an der EM teilgenommen“, sagt Hufer, fügt aber hinzu: „Wir haben wegen der Hitze etwas abgespeckt.“ Die Mannschaft möchte dennoch das Wochenende nutzen, um für ein Turnier in Den Haag Anfang Oktober vorbereitet zu sein: „Das müssen wir gewinnen. Und zwar gnadenlos“, lacht der Kelkheimer.

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