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Kelkheims "Tag des Liedes"

Früh die Begeisterung für die Musik wecken

Im Innenhof des Rettershofes erklangen gestern Nachmittag Volkslieder und Popsongs. Kelkheims „Tag des Liedes“ vereinte Chöre und Orchester aus der ganzen Stadt. Wie zeitgemäß ist so ein musikalisches Treffen?

Traumhaftes Wetter, eine prachtvolle Kulisse und musikalische Leckerbissen vorgetragen von ambitionierten Musikern aller Altersklassen? Dazu verschiedene Einflüsse europäischer Kultur und Stilrichtungen? Dies kann nur die Kelkheimer Veranstaltung „Tag des Liedes“ sein.

„Wir sind so froh, dass wir wieder so viele Musiker für unser Fest begeistern konnten“, erklärt Kulturreferentin Beate Matuschek. Sie moderierte gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Dr. Stefan Wolkenfeld. Engagement und Begeisterung zur Mitarbeit in Vereinen seien heute bei vielen Mitbürgern nicht mehr „in“, weiß die Kulturreferentin. Darum sei sie stolz, dass in Kelkheim viele Gesangvereine, Orchester und Chöre wirken.

Dr. Jochen Ballach ist Schriftführer im Blasorchester St. Dionysius Münster. Das Orchester spielt zum Auftakt ein buntes Potpourri europäischer Rhythmen. Ballach weiß, dass es nicht immer einfach ist, alle Mitglieder in einem Orchester zu halten, aber „man muss einfach früh anfangen und die jungen Generationen begeistern“, erklärt der Musiker. Wer bereits in jungen Jahren ein Instrument lerne, hätte eine lebenslange Beziehung zur Musik.

Kelkheim leistet viel für den musikalischen Nachwuchs: Die Grund- und weiterführenden Schulen sowie die Kirchengemeinden und Vereine engagieren sich in Sachen musikalische Förderung. Aber geht noch mehr? „Wir müssen da viel früher anfangen“, erklärt Ye Mee Kim-Schneider, Dirigentin des Prima Canta Kinder- und Erwachsenenchors der evangelischen Kantorei der Paulus- und Stephanusgemeinde. Kim-Schneider ist überzeugt, dass man besonders Kleinkinder an die Musik heranführen muss. Wie sie Menschen für Musik begeistert, zeigen die vielen Kinder und Erwachsenen, die unter ihrer Leitung von der Bühne mit „Aux Champs-Elysée“ oder „All Things Bright and Beautiful“ das europäische Wertesystem des Friedens und der Gleichheit aller Menschen musikalisch vermitteln. Das Erfolgsrezept der Dirigentin lautet: „Ich arbeite eng mit dem Kinderhort und den Kindergärten zusammen. Da lernt man nicht nur die Kleinen kennen, sondern auch deren Eltern.“ So schlägt sie quasi „zwei Fliegen mit einer Klappe“, denn wenn der Nachwuchs Freude am Gesang habe, wollten Mama und Papa oft auch mitmachen.

Wichtig ist, das Vereinsleben an den Wandel der Zeit anzupassen. Deshalb müssen alte Strukturen zugunsten neuer Ideen weichen. Wolfgang Männer war viele Jahre aktiver Sänger und sieht den Wandel im Vereinsleben für unumgänglich. „Der Chorgesang hat sich weiterentwickelt, und das ist gut. Die Musik ist in den letzten Jahren spontaner und flotter geworden. Neue Musikstile haben sich gerade auch bei jungen Menschen entwickelt. Aus traditionellen Chören haben sich neue, moderne Singgemeinschaften entwickelt, die sich ausprobieren.“ Damit wehe ein „frischer Wind“ durch die Vereine.

Diese Tendenzen nehmen auch Dr. Jochen Ballach und Trompeter Heinrich Rybka vom Blasorchester St. Dionysius wahr. „Wir sind ursprünglich aus der Kirche heraus entstanden. Heute spielen wir von klassisch bis modern nahezu alles und treten auch auf Festen auf.“

Die mit Abstand größte Sängerschar des Tages bildete gestern der Chor der Eichendorffschule. Ungefähr 70 Jugendliche bevölkerten die Bühne auf dem Außengelände des Rettershofes. Sie sangen mit voller Kraft „Mama Mia“ von Abba. Spätestens hiermit wurde klar, dass sich Jugendarbeit auszahlt. Vereine, die das beherzigen, sind für die Zukunft gut aufgestellt.

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