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„Gagern-Geschichtsunterricht“ mit viel Prominenz

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Von: Frank Weiner

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Michael Quast und Rainer Dachselt (r.) in Gagern-Post vor dem Gagernhaus.
Michael Quast und Rainer Dachselt (r.) in Gagern-Post vor dem Gagernhaus. © wein

Theaterleute Quast und Dachselt präsentieren „Revolution und Rosen“, Bundestagspräsidentin Bas kommt

Hornau. Die aufrechte Pose des Heinrich von Gagern haben Michael Quast und Rainer Dachselt schon verinnerlicht. Fürs Foto nehmen die Theater-Macher aus Frankfurt schnell und spontan wieder diese Haltung des ersten Präsidenten des ersten gesamtdeutschen Parlaments 1848 in der Frankfurter Paulskirche ein. Schauspieler und Regisseur Quast wird den Heinrich auch spielen im Theaterstück „Revolution und Rosen“, das eigens für Kelkheim konzipiert wurde. Es wird am 11. und 25. Februar in der Stadthalle uraufgeführt (Text rechts). Und es ist Teil eines umfangreichen Kelkheimer Programms zum Jubiläum „175 Jahre Nationalversammlung in der Paulskirche“. Als Höhepunkt wird zum Festakt Bundestagspräsidentin Bärbel Bas in der Möbelstadt erwartet.

Historische Unterlagen als Grundlage gewälzt

Um von Gagern auch auf dem Plakat dafür zu verkörpern, habe er zwei Stunden in der Maske gesessen, sagt Quast bei der Vorstellung des Projektes schmunzelnd. Dass er und Dachselt diese Aufgabe mit viel Leidenschaft und Akribie angegangen sind, es ist ihnen anzumerken. „Das ist eine Art unterhaltsamer Geschichtsunterricht, den wir da machen“, sagt der Chef des Ensembles der „Fliegenden Volksbühne“. Mit drei seiner Kollegen - Pirkko Cremer, Sam Michelson und Detlev Nyga - wird Quast auf der Möbelstadt-Bühne stehen, „und die Frankfurter werden neidisch nach Kelkheim blicken“, ist der bekannte Theatermann sicher.

„Wenn Kelkheim ruft, kommt die Volksbühne gerne hierher“, betont Quast. Mit Kulturamtsleiterin Beate Matuschek hat er einige Projekte gemacht. So nahm er die Anfrage zum Jubiläum „175 Jahre Paulskirche“ gerne an. Matuschek ist es wichtig, auch Menschen, „die nicht so sehr vertraut sind, in das Thema einzuführen“. Quast ergänzt: „Unsere Aufgabe ist es, das so zu verpacken, dass es nicht zu anstrengend wird.“ Er verspricht „spannende und informative“ Abende.

Dabei hat sich zunächst Dachsel sehr ins Zeug gelegt. Denn die Geschichte der Hornauer Familie von Gagern, die mit Vater Hans Christoph sowie den Brüdern Heinrich, Max und Friedrich maßgeblich an der Entwicklung bis 1848 beteiligt waren, liege „nicht auf der Straße“, wie der Autor betont. Es gebe aber schon Quellen, dazu die umfangreichen Protokolle der Paulskirchen-Versammlung. Und dann hat der Kelkheimer Torsten Weigelt, Autor des im Herbst 2022 erschienenen Buches „Gagern. Pioniere der deutschen Demokratie“, ihnen Teile seines Materials überlassen.

Daraus haben Dachselt und Quast ein „Doku-Theater“ gestrickt, wie sie es nennen. Die Zuschauer werden keine aufwendigen Bühnenbilder sehen wie etwa ein Modell der Paulskirche oder das Hornauer Gagernhaus. Die Schauspieler präsentieren viele Szenen aus der damals sehr lebendigen Geschichte. Vieles spielt am Hofgut, wo die Söhne erst lebten, später gerne ihre freie Zeit verbrachten. Die Dialoge der Familie werden original zitiert, aber auch neu oder ergänzend interpretiert. Da Vater Hans-Christoph in Honau eben auch Rosen züchtete, wurde der Arbeitsname „Revolution und Rosen“ schnell zum festen Titel des Projektes.

Natürlich springt das Duo in die Paulskirche. Als lokale Hornauer Note baut es immer wieder Dialoge der Bürger mit ein, die sich beim Stammtisch im Gasthaus „Zum Taunus“ treffen. Sie erzählen über die Ankunft der besonderen Gäste von Gagern, über ihre Beobachtungen und Besonderheiten. Dabei sprechen die Hornauer hessisch. Auch die Wortwahl der damaligen Zeit wird lebendig, ebenso wie Quast und Co. einzelne Abgeordnete zumindest sächseln oder den Berliner Dialekt sprechen lassen.

Auch Musik wird nicht fehlen, gebe es doch viele Revolutions- und Volkslieder aus jener Zeit, ist Quast dieses Element wichtig. Vassily Dück wird die passenden Klänge am Akkordeon spielen. Dachselt blickt auf ein „reizvolles“ Projekt und hat die Hauptfigur, Heinrich von Gagern, gut kennengelernt. Er sei „umstritten“ gewesen und „bewundert“ worden, habe versucht, „das Parlament zu bändigen, was nötig war“. Einen Fokus legt der Autor auf die „politische Bildung der Gagern-Brüder“, auch auf das Familienleben. Von Frauen sei er „regelrecht angeschwärmt“ worden, ergänzt Quast. Und im Parlament habe er unter Vergleichen mit „Jupiter“ und dem „Löwenkopf“ versucht, den „unerfahrenen Haufen“ zu führen. Deshalb müsse als Requisit noch eine Glocke her, wünscht sich Quast.

Auch in Frankfurt noch Inszenierungen

Bei Matuschek und Erstem Stadtrat Dirk Hofmann rennt er da offene Türen ein. Beide sind begeistert, dass das bekannte Duo der Stadt ein eigens Stück gewidmet habe. Zur Finanzierung haben die „Bürger für Hornau“ einen guten vierstelligen Betrag beigesteuert. Matuschek hebt hervor, dass sich die Gagern über zwei Generation mit für die Grundrechte und die Demokratie eingesetzt haben. Heute werde daher mit Blick auf demokratische und freiheitliche Aspekte auch gerne der Untertitel „Erfolgsgeschichte einer gescheiterten Revolution“ gewählt, betont Autor Weigelt. „Da kommen die Gagern dann ganz gut weg.“

Die Volksbühne wird nach ihrem Auftakt in Kelkheim noch zum Jubiläum aktiv sein. Mit dem Institut für Stadtgeschichte sollen die Frankfurter Ereignisse lebendig werden, als Theater open air im Karmeliterkloster. Rund ums eigentliche Fest im Mai werden sie kleine Szenen mit einem Chor in der Paulskirche spielen.

Die Stadt hat anlässlich des 175. Jahrestages der ersten Nationalversammlung in der Paulskirche auch in Kelkheim ein breites Programm aufgestellt. Es lädt ein, mehr über Hornau und die Rolle der Gagern-Familie als Wegbereiter der parlamentarischen Demokratie zu erfahren.

Den Auftakt macht die Uraufführung des Theaters „Revolution und Rosen: Die Gagern-Familie in Hornau“, eine Produktion der „Fliegenden Volksbühne“ Frankfurt. Aufgeführt wird das Stück am Samstag, 11. und 25. Februar, jeweils um 19 Uhr in der Stadthalle Kelkheim, Gagernring 1. Die Eintrittskarten kosten 20 Euro und sind bei folgenden Vorverkaufsstellen erhältlich: Buchhandlung Tolksdorf, Frankenallee 6, Pabst Post & Paper, Frankfurter Straße 50, Kulturreferat der Stadt Kelkheim, Gagernring 6, Viola’s Bücherwurm, Bahnstraße 13, und unter www.frankfurt-ticket.de.

Vom 15. Februar bis zum 31. Dezember ist im Museum Kelkheim, Frankfurter Straße 21, die Kabinettsausstellung „Möbel des Jahres 2023“. Besucher, die sich für die Geschichte des Hofguts der Freiherren von Gagern nach 1866 interessieren, können bei der Ausstellung unter anderem ein Louis-Philipp-Sofa besichtigen.

Gagern-Film wird bald vorgestellt

Zusätzlich bietet das Programm ab Januar/Februar den Film: „Die Freiherren von Gagern - Wegbereiter der parlamentarischen Demokratie“. Der Film wurde von Musealis Weimar produziert und feiert mit der Ausstrahlung Premiere.

Im Plenarsaal des Rathauses hält Dr. Frank Möller von der Universität Greifswald am 22. März einen Bildvortrag mit dem Titel: „Heinrich von Gagern - Bürgerliches Idol der Revolution 1848/49“. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Am Sonntag, 7. Mai, wird die Hornauer Heimathistorikerin Christa Wittekind im Gewand der Charlotte von Gagern durch das ehemalige Familiengut führen. Treffpunkt ist um 16 Uhr an der Gagernanlage an der Rotlintallee, die Teilnahme kostet 5 Euro.

Reden der vier Parlaments-Chefinnen

Weiter geht es am Sonntag, 14. Mai, mit der Wanderung „Auf zum Staufen“ auf den Spuren der Brüder Friedrich, Heinrich und Max von Gagern. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Gagernanlage. So führt die Route entlang des Gagernweges zum Staufen und wieder zurück. Autor Torsten Weigelt und Stadtarchivar Julian Wirth begleiten die Wanderung. Der Eintritt kostet 5 Euro.

Am Donnerstag, 4. Mai, folgt in der Martins-Kirche der Festakt mit Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und Ehrengästen. Auch Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Kreistagsvorsitzende Susanne Fritsch und Kelkheims Parlamentschefin Julia Ostrowicki werden zum Thema sprechen. Bas wird die Sonderausstellung „Demokratie Weiter Denken: Die Freiherren von Gagern. Wegbereiter der parlamentarischen Demokratie.“ eröffnen, die vom 5. Mai bis zum 25. Juni in der Alten Kirche zu sehen ist. Führungen sind auf Anfrage möglich. mr

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