Ein Trio wirbt für eine gute Sache: Hannsfriedrich Braun, Renate Schessner und Walter Reuss (von links) sind jetzt mit Klaus Fingerhuth die Kelkheimer Seniorenberater.
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Ein Trio wirbt für eine gute Sache: Hannsfriedrich Braun, Renate Schessner und Walter Reuss (von links) sind jetzt mit Klaus Fingerhuth die Kelkheimer Seniorenberater.

Geschulte Helfer wollen Senioren vor bösen Buben schützen

Ganz sicher gut beraten

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Im Kreis haben 71 Berater Schulungen absolviert. In der Möbelstadt geht ein Quartett auf Info-Tour.

Es war im September 2014, als eine Kelkheimerin fast auf Betrüger reingefallen wäre. Sie hatte in Frankfurt 22 000 Euro für ihre „Nichte“ abgehoben und war auf dem Rückweg. Dem Taxifahrer erzählte sie davon, und dem kam das stutzig vor. Er überzeugte die 73-Jährige, doch besser zur Polizei zu fahren. Auch ein ähnlicher Fall in Kelkheim ging zum Glück schief: Im April 2016 fiel eine Seniorin bereits am Telefon nicht auf den sogenannten „Enkeltrick“ rein – die angebliche Nichte ging leer aus.

Zwei Fälle aus der Möbelstadt, die typisch für die Entwicklung in den vergangenen Jahren sind. „Delikte gegen ältere Menschen nehmen zu“, weiß Jürgen Moog, bis Mai 2015 Leiter der Polizeidirektion Main-Taunus und inzwischen Geschäftsführer des Präventionsrats im Kreis. In dieser Funktion ist er nun ins Kelkheimer Rathaus gekommen, um einige Helfer der Polizei vorzustellen: Renate Schessner, Hannsfriedrich Braun und Walter Reuss sowie der nicht anwesende Klaus Fingerhuth sind die neuen Sicherheitsberater für Senioren. Sie sollen vor allem Gelegenheiten in ihrem Umfeld nutzen und ältere Menschen vor den Maschen der bösen Buben warnen. Früher sei das mit Vorträgen versucht worden, sagt Moog. Nun sollen die Kelkheimer auf Augenhöhe mit Nachbarn, Freunden, den Bekannten beim Bäcker, auf dem Markt oder im Verein darüber sprechen. Sinnvoll seien auch Hausbesuche, denn eine Studie in Wiesbaden hat laut Moog zum Beispiel ergeben, dass die Hälfte der befragten Senioren keine sozialen Kontakte haben. Daher nimmt der Präventionsrat des Kreises gerne das Hessen-Projekt auf und trägt es in die Kommunen. 71 geschulte Seniorenberater hat Moog auf seiner Liste, weitere Interessenten gibt es. Sulzbach liegt mit allein stolzen 22 Helfern an der Spitze, es folgen Eschborn (10) und dann viele Orte um die vier Berater wie Kelkheim.

Bürgermeister Albrecht Kündiger findet die Initiative prima und überreicht den Beratern gerne ihre Ausweise. „Ich bin froh, dass wir engagierte Mitbürger gefunden haben. Das ist im besten Sinne des Wortes Bürgerengagement.“ Einsatzgebiete für das Quartett hat die Stadt schon im Auge: Zum Beispiel könnten sie sich laut Sozialamtsleiterin Petra Mann beim Senioren-Aktiv-Tag am 24. September von 11 bis 18 Uhr im Rathaus vorstellen, oder bei der Aktion zur Wohnungseinbruchsprävention im Herbst auf dem Wochenmarkt dabei sein.

Das im Rathaus anwesende Trio nickt zustimmend. Renate Schessner zum Beispiel wohnt erst seit einem Jahr in Hornau und hat ein Betätigungsfeld gesucht. Da sei die Anzeige der Stadt „wie gerufen“ gekommen. Zumal sie 28 Jahre lang Fußpflege in Wohnheimen gemacht und von den Betrügereien gegen Senioren hautnah erfahren hat. So berichtet sie von einem Fall, wo sich ein Gauner als Helfer vom Sozialamt ausgab und eine ältere Dame um 20 000 Euro erleichterte, sagt die 66-Jährige.

Bei solchen Geschichten sträuben sich bei Hannsfriedrich Braun aus Kelkheim die Nackenhaare. Das Projekt sei „extrem förderungswürdig“, sagt der 68-Jährige Ehrenamtler, der sich nach den „Heinzelmenschen“ und der Hilfe beim Formulare ausfüllen nun noch weiter engagiert. Alte Menschen seien nicht alleine davon betroffen. Aber er wolle ihnen „Wege aufzeigen, wie sie sich am besten davor schützen können“, sagt Braun, der im Tennisclub und im Theater „Familie Krause“ aktiv ist und einen ersten Vortrag in der K+S-Seniorenresidenz schon gehalten hat.

Walter Reuss aus Münster wurde vor allem durchs Fernsehen von solchen Betrügereien aufgeschreckt. Dann las er den Aufruf der Stadt und habe beschlossen: „Ich möchte etwas tun, um das Leben der Ganoven schwerer zu machen.“ In der Nachbarschaft oder im Golfclub werde er das Thema nun verstärkt anbringen, kündigt der 68-Jährige an.

Jürgen Moog indes setzt auf den präventiven Charakter dieses Gemeinschaftsprojektes und betont: „Die Wohnung muss wie eine Burg sein.“ Betrüger sollten mit Aktionen wie „Enkeltrick“, „Schockanruf“, falschen Gewinnversprechen, unseriösen Haustürgeschäften, Gaunereien im Internet oder als falsche Handwerker auf Granit beißen. Doch Moogs dicke Mappe mit den Betrugsfällen zeigt: Die Gutmütigkeit älterer Menschen wird leider noch immer viel zu oft ausgenutzt.

(wein)

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