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Gelungene Liaison mit dem Gimbi

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Das Wetter stimmt, das Ambiente auch: Kein Wunder, dass die Darsteller ? hier Robin Sommer als Hänsje ? zu Hochform aufliefen.
Das Wetter stimmt, das Ambiente auch: Kein Wunder, dass die Darsteller ? hier Robin Sommer als Hänsje ? zu Hochform aufliefen. © Maik Reuß

Warum ist bisher eigentlich keiner auf die Idee gekommen, das idyllische Ambiente des Gimbacher Hofs als Freiluftbühne zu nutzen? Regisseur Volker Zill und das Theater Domino wagten den Versuch mit einer passenden hessischen Goldoni-Adaption.

Wenn man dem Begleitheft zum Stück „de Dalles“ – so der Titel des neusten Werks der Theatergruppe Domino – Glauben schenken darf, dann war es Liebe auf den ersten Blick. Als Regisseur Volker Zill den Innenhof des Gimbacher Hofes zum ersten Mal betrat, da habe er sofort gewusst, dass genau dort der „Dalles“ gespielt werden muss. Einem erfahrenen Bühnenveteranen wie Zill mag man durchaus das geschulte Auge für ansprechende Inszenierungen zutrauen, andererseits ist es schon verwunderlich, warum bisher niemand auf die Idee gekommen ist, den wunderschönen Innenhof zur Bühne zu machen.

„Die Location passt einfach und ich glaube, der Gimbi ist auch ein Grund dafür, dass der Vorverkauf so gut wie noch nie lief“, erklärte der Regisseur vor der Premiere. In kürzester Zeit waren die vier ursprünglich angesetzten Vorführungen ausverkauft, weswegen man kurzerhand zwei zusätzliche Termine ansetzte.

Uriges Mundart-Theater

Jeder, der etwas für uriges Mundart-Theater übrig hat, der sollte sich möglichst schnell um eine Karte für den 19. oder 20. August bemühen – oder am besten gleich für beide Zusatzaufführungen. Auf dem „Dalles“ ist nämlich so viel los, dass man auch beim zweiten Besuch durchaus noch etwas Neues entdecken kann. Das liegt an der Art der Inszenierung: Der Innenhof als Dorfplatz ist zentraler Schauplatz, doch immer wieder spielen sich kleine Geschichten an den Fenstern und Balkonen des Gimbacher Hofes ab. Das Stück basiert auf dem Werk „Il campiello“ (Kleiner Hof) von Carlo Goldoni. In der Ur-Fassung spielt sich das Geschehen um die Irrungen und Wirrungen der Liebe und die Suche nach dem passenden Ehepartner auf einer venezianischen Piazza Mitte des 18. Jahrhunderts ab.

Ein Geniestreich

Volker Zill verlegte das Treiben nach Gimbach Anfang des 19. Jahrhunderts und ließ seine Figuren hessisch „babbeln“. Das erwies sich nun bei der Premiere als echter Geniestreich, denn durch den Dialekt kommen die schrulligen Charaktere noch besser zur Geltung. Allen voran Christine Tannert und Andrea Huck als die rüstigen und leicht verschrobenen Bäuerinnen „Frau Magodd“ und „Frau Käthe“ ernteten zahlreiche Lacher und dienten als Triebfeder des Schauspiels.

Doch auch das weitere Ensemble muss genannt werden, da jeder einzelne Darsteller seiner jeweiligen Rolle Charakter verlieh. Ob Robin Sommer als das unbedarfte „Hänsje“, Caroline Bockhard als die Unschuld vom Lande „Liesje“, Susanne Kaross als das rustikale „Sabinche“, Johanna Seifert als aufgeplusterte „Helena Stolz und Würde“, Nico Gauer als der dekadenter Dandy „Herrn von Ritter“, Tobias Rudolph als ungezügelter „Schorsch“ oder Irina Schiller als tatterige „Müllerin“ – sie alle füllen ihre Bühnenpersona mit Witz, Charme und Leben.

Optischer Höhepunkt

Uwe Fröhlich Gabra und Dirk Zill haben zwar im Vergleich zu den Kollegen weniger Bühnenzeit, sind dafür aber gerade optisch Highlights. Wie genau sich die beiden Herren der Schöpfung präsentieren, sollte jeder selbst erleben. Die Aufführung „De Dalles“ bekommt auf jeden Fall eine uneingeschränkte Empfehlung.

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